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„Strafsteuer“ soll Zahl der Hunde reduzieren

VonStefan Hoeft

Wer mehr als einen Hund hält, muss in der Gemeinde Bentzin ab 2014 mit einer drastischen Steuererhöhung leben. Denn die Kommune will abschrecken.
Auch als Reaktion auf
die blutigen Vorfälle auf
dem Kita-Gelände im
Ortsteil Zarrenthin.

Bentzin/Zarrenthin/Jarmen.„Wer will einen dritten Hund“, fragte Vizebürgermeisterin Birgitt Foth in die Runde, als es jetzt um die Überarbeitung der Hundesteuersatzung ging. Sie jedenfalls nicht. Und auch die Mehrheit der Abgeordneten sähe es am liebsten, wenn auf jedem Grundstück maximal ein bellender Vierbeiner umher läuft. Denn dass auf dem Land ein derartiger Bewacher Sinn macht, stellen sie zwar nicht in Frage. Doch das reiche eigentlich aus. Und wer mehr wolle, müsse dafür eben kräftig zahlen.
So erhöhten sie die seit langem geltenden Steuersatz für einen Hund nur um 5 Euro auf 20 Euro. Den Wert für einen eventuellen zweiten Hund schrauben sie hingegen von 30 auf 50 Euro, für eine Nummer drei von 50 auf 70 Euro hoch. Und wer einen als gefährlich eingestuften Kläffer sein Eigen nennt, muss künftig einen glatten Hunderter pro Jahr hinlegen – das Doppelte des bisherigen Betrages.
Wobei es sogar Vorschläge gab, 150 Euro anzusetzen und auch an anderer Stelle deutlich mehr. Vor allem der Einspruch von Bürgermeister Hartmut Giermann drückte diese Preise, als klar wurde, dass Bentzin so schon die höchsten Sätze der Landgemeinden im Amtsbereich Jarmen-Tutow erreicht.
Dass seine Abgeordneten so radikal vorgehen, hängt wohl auch mit den wiederholten Attacken von zwei Hunden aus dem Ortsteil Zarrenthin zusammen, die frei durchs Dorf laufen durften und Tiere auf dem Kita-Gelände massakrierten (Nordkurier berichtete). Anfangs seien die nicht mal angemeldet gewesen. In der Hinsicht verlangen die Bentziner mehr Kontrollen seitens des Jarmener Ordnungsamtes und ein konsequenteres Vorgehen bei Steuersündern. Denn offensichtlich sei immer noch nichts Nachhaltiges passiert, herrscht nach wie vor Angst vor weiteren Vorfällen.
Das Verfahren wegen der besagten zwei Hunde hängt wohl noch in einer Art Warteschleife, wie gestern eine Nordkurier-Anfrage im Rathaus ergab. Denn das Ordnungsamt wartet vor weiteren Schritten auf die Stellungnahme des Amtstierarztes, so dessen Leiter Rainer Hardt. Der war zwar vor rund drei Wochen bereits vor Ort, um sich die Tiere anzuschauen, doch bisher sei noch kein Schreiben zum Ergebnis in Jarmen eingegangen.
Die Bentziner machten derweil noch an anderer Stelle ihrer Hundesatzung harte Schnitte: Sie strichen so gut wie alle Ermäßigungen heraus, beispielsweise für Jäger und Züchter, die bislang nur die Hälfte zahlen müssen. Ausnahmen gelten nun lediglich für Blinde mit ihrem Führhund sowie für Leute, die das Tier für ihren Lebensunterhalt beziehungsweise Beruf brauchen – etwa in einem Bewachungsunternehmen oder als Artisten.

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