
| Anklam |
von Claudia Müller
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Den Alleen in der Region geht es auch in diesem Winter an den Kragen. Nachdem in den vergangenen Jahren regelmäßig mehrere Hunderte Bäume an Landes- und Bundesstraßen im Landkreis aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten, wird derzeit erneut die Motorsäge angesetzt.
Für den früheren Bereich Ostvorpommern hat die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis für die jetzige Fällsaison 449 Bäume freigegeben. Im Bereich der Straßenmeisterei Pasewalk werden 58 neue Stümpfe an Bundes- und Landesstraße zurückbleiben und im Territorium der Straßenmeisterei Eggesin ist die Fällung von 95 Straßenbäumen genehmigt. Ein Ende dieses negativen Trends ist nicht in Sicht, meint Antje Johann, Sachbearbeiterin für Naturschutz und Landschaftspflege beim Kreis. Abgesehen vom Alter haben die Straßenbäume einfach zu viel Stress durch Verkehr, Schadstoffe, Salz.
Für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer
Um zu verhindern, dass es eines Tages nur noch alleenlose Straßen in der Region gibt, muss für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer gepflanzt werden. Aber in Ostvorpommern hapert es mit den Ausgleichspflanzungen. Das Straßenbauamt Stralsund tut sich schwer mit Ersatzbäumen, sagt Antje Johann.
Während die Ersatzbilanz für die Straßenbauämter Neustrelitz und Güstrow, die für die Uecker-Randow-Region beziehungsweise Tutow, Jarmen, Loitz zuständig sind, weitgehend ausgeglichen ist, schlägt für Stralsund ein dickes Defizit zu Buche: Rund 5000 Bäume ist die Behörde im Rückstand. Dabei müsste das Straßenbauamt eigentlich als Vorbild agieren, sagt Antje Johann. Immerhin steht in der Landesverfassung, dass Alleen erhalten und neue geschaffen werden sollen.
Gilt ein Baum als tot, so sei nur ein Ausgleichsbaum nötig
An dem Baum-„Schuldenberg“ ist die Untere Naturschutzbehörde aber nicht ganz unschuldig, behauptet Ralf Sendrowski, Leiter des Straßenbauamtes Stralsund (SBA). Denn die Mitarbeiter des Landkreises legen fest, wie viele Bäume als Ersatz gepflanzt werden müssen. Gilt ein Baum als tot, so sei nur ein Ausgleichsbaum nötig, ansonsten müssten jedoch drei neue Bäume gesetzt werden. Und wenn bei nur einem verbliebenen grünen Zweig an einem Baum gleich drei Jungbäume als Ersatz gefordert werden, summiere sich das schnell, so Sendrowski.
Natürlich bestehe außerdem das Problem, dass das SBA mit neuen Bäumen einen bestimmten Abstand vom Fahrbahnrand einhalten und daher Flächen für die Ausgleichspflanzungen ankaufen müsse. Im früheren Ostvorpommern sei es aber nur selten gelungen, Grundeigentümer für einen Verkauf zu begeistern. Dazu komme, dass einige Alleen massiv geschädigt sind, so dass mehr Fällungen anstehen. All das trage zu dem hohen Rückstandin Ostvorpommernbei, so Sendrowski. Man bemühe sich aber aufzuholen und habe dafür Maßnahmen angeschoben. Doch bis die fruchten, sind wieder 1000 Bäume gefällt worden und „schreien“ nach Ersatz. Daher sei es unmöglich, das Defizit maßgeblich abzubauen, weil es auch durch Einschätzungen der Naturschutzbehörde künstlich hochgehalten werde, so der Amtsleiter.
„Tatsächlich gepflanzt wurden bislang aber nur 2647 Bäume.“
Das lässt der Kreis nicht auf sich sitzen: „Die Bemerkung von Herrn Sendrowski sorgt bei uns für Befremden und ist überdies dazu angetan, auch einen Proteststurm der Naturschutzverbände auszulösen, weil sie schlicht falsch ist. Unsere Ersatzforderungen der Naturschutzbehörde werden nicht nach Gutdünken oder gar ,Pi mal Daumen‘ vorgenommen, sondern fußen auf einem Erlass von Wirtschafts- und Umweltministerium“, sagt Kreissprecher Achim Froitzheim. Die Höhe des Ausgleichs sei von der Bestandsform, vom Zustand und vom Stammumfang der Alleebäume abhängig.
„In den meisten Fällen ergab sich so in den vergangenen Jahren ein Ersatz von nahezu 1:1“, betont Froitzheim. So seien 2011 insgesamt 579 Alleebäume gefällt worden. Als Ausgleich dafür müssten 874 Alleebäume gepflanzt werden.
Seit 1994 seien vom Straßenbauamt Stralsund insgesamt 5770 Alleebäume gefällt worden. Dafür seien 8029 neue Alleebäume zu pflanzen. „Tatsächlich gepflanzt wurden bislang aber nur 2647 Bäume.“ Da müsse zügig aufgeholt werden. Es gingen immerhin Jahrzehnte ins Land, bevor ein junger Baum seinen Vorgänger ersetzen könne, so Froitzheim. Und: Der Ersatz sollte allen Beteiligten eine Herzensangelegenheit sein. Schließlich tragen die Alleen zum unverwechselbaren Erscheinungsbild der vorpommerschen Landschaft bei, das von Einheimischen wie Urlaubern geschätzt werde.
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