Nordkurier.de

Streit ums Feuerwehr-Auto

Ohne Nummernschild, weil der Fahrzeugbrief fehlt: Der moderne Einsatzleitwagen der Feuerwehr Jarmen darf seit einem Jahr nicht bei Einsätzen benutzt werden. Die Verantwortlichen suchen jetzt nach einer Lösung.   FOTO: Stefan Hoeft
Ohne Nummernschild, weil der Fahrzeugbrief fehlt: Der moderne Einsatzleitwagen der Feuerwehr Jarmen darf seit einem Jahr nicht bei Einsätzen benutzt werden. Die Verantwortlichen suchen jetzt nach einer Lösung. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Heute gibt es ein Jubiläum
in Jarmen, das die Stadt am liebsten vergessen würde: Seit genau einem Jahr steht sich der neue Feuerwehr- Einsatzleitwagen die Räder „in den Bauch“, darf nicht ausrücken. Bringt der Mai die Wende – und einen kräftigen finanziellen Nachschlag?

Jarmen.Einen festen Termin zu nennen, das wagt sich Jarmens Vizebürgermeister und Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt schon lange nicht mehr, wenn es um die Indienststellung des Einsatzleitwagens seiner Löschtruppe geht. Denn zu viel ist passiert seit dem 26. April 2012. Damals traf der bei einem Umrüster in Lüneburg aufgemotzte Mercedes-Kleinbus in der Peenestadt ein, von den Kameraden bewundert und bejubelt.
Schließlich stellt er das modernste dar, was es in dieser Kategorie derzeit entlang der Peene zwischen Demmin und Anklam geben dürfte: Der ELW verfügt beispielsweise über Wärmebildkamera, Fernthermometer, Dosisleistungswarngerät und Nachtsichtgerät – die Kommune zeigte sich großzügig beim Erfüllen der Feuerwehr-Wunschliste. Sogar die Ausbildung der Kameraden für all die Technik erfolgte großteils schon im Vorfeld.
Doch als der 88000 Euro teure Wagen in Vorpommern eintraf, fehlte etwas ganz Wichtiges an Bord: der Kfz-Brief. Und den hat die Kommune bis heute nicht, obwohl sie damals den kompletten Kaufpreis überwies. Denn nur ein paar Wochen später meldete die Ausrüster-Firma Insolvenz an, und seit Mitte des vergangenen Jahres streitet sich Jarmen mit deren Insolvenzverwalter um die Herausgabe. Der vermutet, dass die Vorpommern von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten ahnten oder gar wussten und deshalb ihr Auto noch schnell abholten. Er erkannte den Besitzerwechsel deshalb nicht an und wollte den Kleinbus zurück oder weiteres Geld von der Stadt.
Gibt es nicht, lautete deren Erwiderung, schließlich sei der Kauf lange vor dem Insolvenztermin über die Bühne gegangen. Aber im Laufe der Auseinandersetzungen, die nun vorm Landgericht Lüneburg ausgetragen werden, stellte sich heraus, dass der „vermisste“ Fahrzeugbrief beim Hersteller des Fahrgestells liegt, weil der ihn wegen fehlender Zahlungen vom Ausrüster einbehalten hatte, erklärte Vizebürgermeister Rainer Hardt auf Nordkurier-Anfrage.
So geht es nun um einen Vergleich – eine Zahlung von zusätzlichen 20000 Euro an den Hersteller, damit auch die Papiere nach Jarmen kommen. Denn der wolle auch sein Geld. Das sei natürlich nicht schön und keineswegs ein Pappenstiel, räumt der Rathaus-Mann ein. Aber immer noch besser, als einen neuen Wagen zu kaufen oder weiter zu warten. Der Kleinbus werde ja von der Löschtruppe und für die Amtswehrführung dringend gebraucht.
Ursprünglich sollte die entscheidende Verhandlung Mitte April folgen, dann wurde sie erst auf Ende April, jetzt indes auf den 8. Mai verschoben, so der Ordnungsamtsleiter. Zwar sei der Vergleich noch nicht endgültig abgesegnet. „Aber wir rechnen ganz fest damit.“ So dass der Einsatzleitwagen dann hoffentlich nach mehr als einem Jahr endlich mit einem offiziellen Kennzeichen aus dem Gerätehaus zu den Einsätzen rollen darf.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×