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Strikter Kurs Richtung Karriere

VonGeorg Wagner

Lektorin, Diplomat, Ärztin: Das Demminer Gymnasium hat schon einige helle Köpfe hervor gebracht. Obwohl: Bei einigen hätte man das anfangs gar nicht erwartet.

Tutow/Jarmen/Demmin.Mit 14 kam sie zum ersten Mal in die Nordkurier-Redaktion: Manuela Winkler aus Tutow, ein schüchterner Teenager. Leise fragte sie, ob sie in den Ferien für einige Tage zuschauen dürfe. Wir ließen sie die Tagesordnungen von Gemeindevertretersitzungen zu Meldungen verarbeiten. Eine undankbare Aufgabe, doch sie beklagte sich nicht, sondern kam immer wieder. Aus Tagen wurden Jahre, aus Spaltenmeldungen Aufmacher. Heute, rund 18 Jahre später, ist Manuela Winkler als selbstständige Lektorin in Leipzig fest in der Verlagsbranche verankert und zählt so renommierte Kunden wie den Ernst Klett Verlag oder die Leipziger Buchmesse zu ihren Referenzen. Ihre Erkenntnis: „Schreiben ist nicht so meine Sache. Aber ich kann Texte besser machen“, sagt sie
Das beschränkt sich nicht aufs Korrekturlesen. Vielmehr achtet sie als Lektorin auch darauf, ob sich der sprichwörtliche rote Faden durch die Texte zieht, auf logischen Aufbau, verständliche Aufbereitung, Stil, Ausdruck. „Man unterstützt den Autor in dem, was er macht.“ Vor allem historische Sachbücher rechnet sie zu den Schwerpunkten ihres Lektorats, aber auch die Veröffentlichung eines umfangreichen Romans hat sie schon betreut.
Den Berufstipp erhielt sie schon während der Schulzeit von ihrer Französischlehrerin. „Ich habe dann erst einmal recherchiert, was ein Lektor eigentlich macht“, sagt sie. Manuela sammelte breite Erfahrungen, auch im journalistischen Bereich als freie Mitarbeiterin beim Nordkurier. Vor allem aber konzentrierte sich die ehrgeizige Schülerin aufs Lernen. 1999 schloss sie das Abitur mit der Bestnote 1,0 ab. Das schaffen nicht viele, doch es kommt in Demmin immer wieder vor. Isabella Metelmann aus Jarmen etwa erreichte es ebenso wie ihre ältere Schwester Philine, die heute kurz vor ihrem Abschluss als Zahmedizinerin steht und gleichzeitig als Stadtvertreterin Jarmen politisch aktiv ist.
Ohnehin hat das Demminer Gymnasium manchen klugen Kopf hervorgebracht. Bezogen auf den Landesdurchschnitt stehe es mit seinen Abschlüssen im oberen Mittelfeld, sagt der frühere Schulleiter Roland Heiden, ebenfalls ein Tutower. In mehr als 20 Jahren an der Spitze der Bildungseinrichtung hat er die Entwicklung verfolgt. Der Durchschnitt der Schule bei den Abiturnoten habe immer um die 2,3 gelegen.
Noten sind das eine, was man für das Leben daraus macht, das andere. Manch einer, dessen Reifeprüfung kaum große Erwartungen weckte, hat sich ganz anders entwickelt. „Wir kennen Schüler, bei denen wir Bedenken hatten, und die dann doch Karriere gemacht haben“, sagt Roland Heiden.
Robert Fingerloos ist so ein Fall. Der 33-Jährige Demminer legte 1998 das Abitur ab. In einer Zeit, als es ihm laut eigenem Bekunden am nötigen Ernst beim Lernen mangelte. Unter dem Strich stand ein Durchschnitt von 3,5. Doch in der Folge riss er sich zusammen, ging zur Bundeswehr – erst als Wehrpflichtiger, dann als Zeitsoldat bei der Marine. Er machte immer wieder Weiterbildungen und Qualifizierungen. Dann bewarb er sich für die deutsche Botschaft in Moskau für den Stab des Militärattachés, absolvierte eine Ausbildung für den diplomatischen Dienst und diente ab 2005 an der deutschen Botschaft in Moskau bei der Betreuung deutscher Soldaten in Russland.
2009 kehrte er nach Deutschland zurück. Jetzt studiert er in Greifswald Lehramt für Russisch, Philosophie und Geschichte. „Vor einer Klasse zu stehen, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, das ist etwas, was mir großen Spaß macht.“

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