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Und am Ende dreht sich einfach alles!

Volkmar Arndt und seine Frau Sabine haben erst den Grundkurs belegt und so viel Spaß gehabt, dass sie seit einem Jahr Mitglied im Tanzclub Anklam sind. Gegründet wurde der Club 2001 – und seitdem schwingen hier regelmäßig Paare ihre Tanzbeine.  FOTOs: Jörg Döbereiner
Volkmar Arndt und seine Frau Sabine haben erst den Grundkurs belegt und so viel Spaß gehabt, dass sie seit einem Jahr Mitglied im Tanzclub Anklam sind. Gegründet wurde der Club 2001 – und seitdem schwingen hier regelmäßig Paare ihre Tanzbeine. FOTOs: Jörg Döbereiner

Vorpommern schläft nicht! Rund um die Uhr sind die Menschen auf den Beinen – und wir bleiben 24 Stunden wach, um sie für jeweils eine Stunde zu begleiten. Von
18 bis 19 Uhr hat unser Redaktionsmitglied Jörg Döbereiner beim Tanzclub Anklam das eingeschlafenen Tanzbein geschwungen.

Anklam.Als ich um Punkt 18 Uhr den Spiegelsaal der Turnhalle im Anklamer Eichenweg betrete, drehen sich dort schon fünf Paare auf dem Parkett. Aus einer Lautsprecherbox am Rand der Tanzfläche ertönt Popmusik der 90-er Jahre. Eins-zwei-tapp, machen die Paare. Na klar, das erkenne selbst ich – ein Discofox.
Da kommt auch schon meine Partnerin. Karin März ist zusammen mit ihrem Mann Roland hier, dem Vorsitzenden des Tanzclubs Anklam. Der allerdings geht auf Krücken – eine Verletzung zwingt ihn zur Pause. Ein Partnerwechsel vom Vorsitzenden des Clubs zu einem Holzbein, dessen letzte Tanzstunde in die Schulzeit fällt. Hoffentlich hat die Frau Humor.
Doch ein Zurück gibt es nicht, also die Schnürsenkel gebunden und mutig voran. „Crying at the Discotheque“, wieder ein Discofox. An den Grundschritt erinnere ich mich, eine Drehung bekomme ich auch noch hin, viel mehr Abwechslung kann ich meiner Partnerin allerdings nicht bieten. Dafür unterhalten wir uns ein wenig. Als der Verein am Karfreitag 2001 gegründet wurde, war das Ehepaar März eines von sechs Paaren der ersten Stunde. Die Idee zu einem Anklamer Tanzverein war entstanden, nachdem die Kinder Tanzunterricht an der Schule hatten. Seither tanzen Karin und Roland März gemeinsam, und sollten eigentlich mitten in den Vorbereitungen zur Tanzgala im Mai stecken – wenn da nicht die Verletzung wäre.
„Schieben Sie die Schulter so nach vorn“, sagt Jens Peter Wegner und macht eine Bewegung mit dem linken Arm. „Damit lassen Sie der Frau mehr Platz, sie kommt bei der Drehung leichter rum.“ Jens Peter Wegner hat heute gemeinsam mit Krimhild Blumhagen die Rolle des Trainers übernommen, der sonst extra aus Stralsund anreist. Ich probiere den Tipp beim nächsten Tanz aus und meine Partnerin lächelt. Sie tut sich beim Drehen tatsächlich leichter.
Die Musik wechselt, Reggae-Klänge schallen aus den Boxen. Ein Foxtrott. Einer dieser Tänze, bei denen es damals in der Schule immer zu kleineren und größeren Zusammenstößen mit anderen Paaren gekommen war. Auch hier erinnert sich mein Körper an ein paar Bewegungsabläufe, und siehe da, die Trainerin meint, dass das nun gar nicht mal so ungelenk aussehe. Dann zeigen die Übungsleiter eine neue Figur. Wir probieren sie gleich aus, aber beim Wechsel in den Grundschritt lande ich im falschen Tanz, mache eine Discofox-Bewegung. „Kann passieren“, tröstet mich meine geduldige Tanzpartnerin.
Während einer kleinen Pause unterhalte ich mich mit ihrem Mann. Wir kommen ins Reden, und geflissentlich verschwitze ich den nächsten Tanz, den die anderen Paare aufs Parkett legen. Tango war noch nie meine Stärke. Beim langsamen Walzer steigen wir wieder ein. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, klingt es durch den Spiegelsaal. Alle Paare drehen sich, durch den Spiegel sogar in doppelter Ausführung. Schon im nächsten Lied aber ändert sich etwas. Bevor ich mich darauf vorbereiten kann, sind wir im Wiener Walzer gelandet. Für alle Tanzverweigerer: Ein langsamer Walzer verhält sich zu einem Wiener Walzer wie ein Kettenkarussell zu einer Zentrifuge. Ich drehe mich, wir drehen uns, alles dreht sich, immer schneller. „In die Ecken schauen“, sagt meine Partnerin, „und lange Schritte machen.“ Zwei unschlagbare Tipps!
Der Cha-Cha-Cha zum Schluss ist gegen den Wiener Walzer ein gemütliches Ausklingen. Und siehe da, zum Abschied meint Karin März doch tatsächlich, dass es ihr gefallen habe. Mir auch! Und über das bisschen Auf-die-Füße-Treten meinerseits, darüber breiten wir einfach den Mantel des Schweigens.

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