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Und Herr Jachmann sprach: Es werde grün

VonVeronika Müller

Frisches Obst und Gemüse von der eigenen Scholle:
Für Dorfbewohner eine Selbstverständlichkeit, für viele Städter ein Traum.
Die junge Anklamer Familie Jachmann hat sich diesen Traum nun erfüllt: Sie sind Kleingärtner in der Sparte „Sorgenfrei“ geworden.
Wir begleiten die vier
durchs Gartenjahr.

Anklam.Nico Jachmann stiefelt stolz über seine Parzelle. Lebensgefährtin Sandra Klitzsch hat die sechs Monate alte Pia im Arm und lächelt, überlegt kurz und geht ihrem Nico hinterher. Die Erdbeeren sind es, die die beiden im Blick haben. Die jungen Pflänzchen haben es schwer, sich gegen den langen und harten Winter zu behaupten. Ein wenig zaghaft breiten sie ihre kleinen Blätter aus, als trauten sie dem Frühling nicht über den Weg. Doch die jungen Leute sind optimistisch. „Das wird. Es ist eine alte, gute Sorte – noch aus DDR-Zeiten – die kann was ab“, ist Nico sicher, dass seine Pflänzchen seine Familie im Sommer mit leckeren Früchten für die Mühe belohnen werden.

500 Quadratmeter waren einfach zu viel
Die Familie, zu der auch noch der neunjährige Kevin gehört, ist zwar neu in der Sparte „Sorgenfrei“ an der Friedländer Landstraße, doch so ganz unbedarft, was die Gärtnerei betrifft sind sie nicht. Nicos Eltern hatten einen Garten und Sandra stammt von der Insel Rügen, auch dort hatten die Eltern einen Garten. „Das ist uns wichtig, frisches Gemüse und Obst aus eigener Ernte. Da kann kein Supermarkt mithalten.“ Die beiden sind sich einig: Ein Kleingarten ist genau das richtige für sie. Eine Parzelle hatten sie bereits. Am „Stillen Hort“ – nicht schlecht, wie sie meinen, aber viel zu groß. Rund 500 Quadratmeter neben Arbeit und Familie, nein, so viel eigene Scholle wollten sie dann auch nicht haben. „Schließlich soll das alles auch Spaß machen“, merkt Nico mit Blick über die jetzige Parzelle an. Mit ihren 300 Quadratmetern inklusive kleiner Laube und Nebengelassen ist das Areal recht übersichtlich.
„Seit dem Herbst haben wir diese Parzelle. Sie war völlig verwildert.“ Sandra schaut sich um, stolz auf das schon geschaffte. Es sieht ordentlich aus auf ihrem Land. Wuchernde Sträucher sind verschwunden, Unkraut beseitigt, sogar ein alter knorriger Baum ist inzwischen in kleine handliche Stücke zerlegt. Das Stammholz soll später in einer Feuerschale an lauschigen Sommerabenden verfeuert werden. Den Stumpf möchte Sandra gern zu einem Podest für eine Blumenschale umfunktionieren. Nico ist noch skeptisch, aber seiner Liebsten kann er nichts abschlagen. So geht es jetzt eigentlich nur noch darum, wohin mit dem guten Stück. Einen festen Platz hat unterdessen bereits das Gestell für die Hollywoodschaukel gefunden. Direkt gegenüber der Laubenterasse, ein wenig windgeschützt – ganz wie es Kleingärtner mögen.
Gleich nebenan ein Spülbecken. Wie praktisch für Grillabende. Von wegen. Nico ist nicht nur leidenschaftlicher Gärtner und Handwerker in seiner Freizeit, sondern hat auch Vergnügen an der Angelei. Fische werden also in der Spüle geputzt – na gut, hin und wieder wohl ein Steak hergerichtet und als Waschgelegenheit für den Nachwuchs macht sich so ein Freiland-Waschbecken natürlich auch gut. „Und für die Kaninchen, die Nico selbst schlachtet“, flüstert Sandra mit Blick auf die kleinen Buchten hinter der Laube, in der sich sogar schon Nachwuchs tummelt. Ganz vorsichtig werfen die beiden einen Blick auf die Winzlinge. „Bloß nicht stören. Sie brauchen jetzt Ruhe.“

Fertig ist hier noch
lange nichts
Ruhe haben die „Neugärtner“ noch lange nicht. Auf Sandra und Nico wartet noch viel Arbeit. Die Laube ist das nächste Sorgenkind. „Eigentlich ist auch hier schon das schlimmste geschafft.“ Nur die Decke erneuern und schon sieht es wieder flott aus. Optimistisch sind sie, die Laubenpieper. Und tatkräftig sind sie auch. Diese Kombi ist ist Erfolgsrezept. „Ich mag es, an der Luft zu sein, meine Familie möglichst noch dabei zu haben und Stück für Stück den Garten und die Laube umzukrempeln.“ Nico lächelt seine Sandra an. Sie freuen sich auf den Frühling und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Es scheint als sehen sie schon prächtig wachsende Bohnen, Gurken, Möhren, Kräuter, dicke Kartoffeln und ein unendliches Meer bunter Blumen. Ein kleines Paradies eben – mitten in der Stadt.

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