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Und plötzlich sind Noten völlig unwichtig

VonAnja Rau

Am Lilienthal-Gymnasium herrscht Fassungslosigkeit über den Tod von Max.
Ein Psychologe steht zur Betreuung bereit, alle kulturellen Veranstaltungen wurden abgesagt.

Anklam.Die Schulwoche beginnt für alle am Lilienthal-Gymnasium mit einer Schreckensnachricht: Am Sonnabendmorgen kam der 18-jährige Abiturient Max bei einem Autounfall ums Leben. Nachdem er mit seinem Auto gegen einen Baum geprallt war, fing dieses Feuer. Max ist in seinem Auto verbrannt.„Unsere ehrliche und aufrichtige Anteilnahme geht an die Eltern. Ich weiß aber auch, dass alle Worte nicht helfen“, so Schulleiter Jürgen Stähle.
Wegen des tragischen Unfalls hat die Schule nun alle außerschulischen Veranstaltungen abgesagt. Heute hätte das traditionelle Fußballturnier zwischen der 12. Klasse, den Lehrern und den Sponsoren stattfinden sollen. Max war ein begeisterter Fußballer, wollte auf dem Platz stehen. Verständlich, dass im Moment sich niemand vorstellen kann, jetzt unbeschwert in dieses Spiel zu gehen. Auch das komplette kulturelle Programm zum Abend der offenen Türen am Freitag entfällt. „Wir werden unserer Pflicht aber genüge tun und alle Eltern und Kinder über unsere Schule informieren“, so Stähle.
Am Freitagvormittag kommen die Abiturienten erstmals nach den Prüfungen wieder in der Schule zusammen. Von den Lehrern erfahren sie ihre Prüfungsergebnisse – doch die Noten sind für sie wohl erstmal zweitrangig. „Für den Jahrgang ist es nicht mehr eitel Lust und Laune, wie es bei diesem Lebensabschnitt eigentlich sein sollte.“ Gemeinsam soll versucht werden, das schreckliche Ereignis zu verarbeiten. Die Schüler haben die Möglichkeit, den schulpsychologischen Dienst zu nutzen.
Dieser Jahrgang ist extrem leidgeprüft. Das Bangen und Hoffen um ihren Mitschüler Florian wurde noch belohnt. Nach seinem Verkehrsunfall im März befindet er sich derzeit in der Rehabilitation und ist auf dem Weg der Besserung. Vermutlich wird er noch in diesem Jahr sein Abi-tur ablegen. Doch Max können sich die Schüler nur in ihrem Herzen bewahren. Und irgendwie auch weiterleben. Die mündliche Prüfung steht an, jeder muss hin, solange kein Attest vom Amtsarzt vorliegt. „Vielleicht ist es für sie auch ein Stück weit Verarbeitung, wenn sie es jetzt bewältigen“, hofft Schulleiter Stähle.
Jürgen Stähle kennt das schon. Seit 1991 ist er Schulleiter am Gymnasium. Max ist bereits der sechste Schüler, den er nur noch am Grab besuchen kann. „So etwas wird nie zur Routine werden“, sagt er traurig.

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