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Unsere Jugend hat keine Hobbys mehr? Hat sie doch: Theater

Die 15-jährige Anne spielt die große Dame aus Berlin. Sie sorgt bei den Schwestern vom Lande für Wirbel. [KT_CREDIT] FOTO: Anja Rau
Die 15-jährige Anne spielt die große Dame aus Berlin. Sie sorgt bei den Schwestern vom Lande für Wirbel. [KT_CREDIT] FOTO: Anja Rau

VonAnja Rau

Statt ihre Pfingstferien
mit Nichtstun zu genießen, proben fleißige Jugendliche am Anklamer Theater. Mittlerweile sind sie mit ihren Rollen fast verwachsen. Gut so, denn heute hat „Die Schwestern vom Lande“ Premiere.

Anklam.Aus dem Aufenthaltsraum hinter der Bühne schallt lautes Gelächter. Zwischen Kaffeeautomat und Theaterutensilien sitzen die Jungschauspieler der Gruppe „Imago“. Puderquaste, Kajal und roter Lippenstift liegen auf dem Schminktisch, werden gern und reichlich verwendet. Schließlich sollen sie ja auch noch in der letzten Stuhlreihe zu sehen sein.
Ohne Kostüm heißen sie Anne, Lisa oder Richard, mit dagegen Mafalda, Guste oder Fritz. Alle Kleidung, sogar die Schuhe, bekommen sie wie professionelle Schauspieler vom Theater. Diejenigen, die Bedienstete spielen, zudem noch einen Putzlappen, ein Handtuch oder einen Besen.
Es sind 13Jugendliche, davon nur ein Junge, die in ihrer Freizeit der schönen Kunst frönen. Seit vergangenem Sommer probten sie bereits einmal in der Woche, seit Pfingsten nun sogar täglich. So ist aus ihnen eine verschworene Gemeinschaft geworden. Dabei kannten sie sich vorher nicht, kommen sie doch aus Anklam, Ducherow, Greifswald und Friedland.
Eine von ihnen ist die 15-jährige Anne. Das dunkelhaarige Mädchen ist bereits ein halber Bühnenprofi. Seit drei Jahren spielt sie Theater. In „Die Schwestern vom Lande“ gibt sie die geheimnisvolle
Besucherin aus Berlin, die die Damen vom Land damit in Aufregung versetzt. Auf ihren hohen Schuhen läuft sie souverän über die große Bühne, spielt zickig und überheblich, kommandiert ihre Zofe. Ganz so wie man es von einer höheren Dame aus der Stadt erwartet.
Auch der Leiter, Piet Oltmanns, der das Stück für seine Jugendlichen geschrieben hat, ist zufrieden mit der Probe. „Jetzt mit den Kostümen spielen sie noch mal besser“, sagt er. Das Theater lebe von der Spannung der Verwandlung. Ins 19.Jahrhundert muss man sich erst einmal denken.
Heute um kurz vor 10 Uhr sitzen die Jugendlichen hinter der Bühne des Anklamer Theaters, wissen, dass der
Vorhang gleich aufgeht. Ihre einhellige Meinung: „Das ist der schlimmste Moment. Dann ist die Aufregung groß, aber alles ist wieder gut, wenn wir auf der Bühne stehen.“

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