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Untreue Kunden gibt’s hier nicht

Zwei junge Praktikantinnen helfen auf dem Hof Schwarze Schafe in Wangelkow. Nerida (links) und Nadine in der Käse-Küche. [KT_CREDIT] FOTOs: Claudia Müller
Zwei junge Praktikantinnen helfen auf dem Hof Schwarze Schafe in Wangelkow. Nerida (links) und Nadine in der Käse-Küche. [KT_CREDIT] FOTOs: Claudia Müller

VonClaudia Müller

Claudia Pupke und Ines Wolf haben für ihren Hof die solidarische Landwirtschaft entdeckt. Jetzt läuft das Käsemachen entspannter.

Wangelkow.Landwirt ist ein Risikoberuf: Schlechte Ernte, steigende Kosten, „untreue“ Kunden – sicher ist in diesem Metier nur wenig. Das wissen auch Claudia Pupke und Ines Wolf vom Hof Schwarze Schafe in Wangelkow. Seit 1999 wird auf dem Gehöft im Buggenhagener Ortsteil eine Herde ostfriesischer Milchschafe gehalten, Käse produziert und Brot gebacken. Erst gab es die Produkte auf dem Greifswalder Markt, später auch im Bio-Laden in Libnow.
Ein anstrengendes Leben, für das sich Claudia Pupke da entschieden hat. Sie ist in einem Neubaublock in der Stadt groß geworden und hat in Leipzig als Laborantin gearbeitet, erst auf dem zweiten Bildungsweg ist sie Landwirtin geworden. „Ich wollte schon immer aufs Land“, sagt die Mutter von drei Kindern. Mit ihrem damaligen Mann und dem ersten Kind ist sie daher vor über 20 Jahren nach Wangelkow gekommen. Sie haben den Betrieb aufgebaut, den Claudia Pupke seit 2006 mit der gelernten Gärtnerin Ines Wolf führt. Doch damit es läuft, ist Arbeit, Arbeit, Arbeit bis zu einem hohen Maß an Selbstausbeutung nötig, sagt Claudia Pupke. Keine freien Tage, keine Zeit für Verwandte und Freunde. Man verliert soziale Kontakte und den Draht zu den Kunden, so die 45-Jährige. Dazu kamen zwei verregnete Sommer, der Verlust von Grünland durch ein Renaturierungsprojekt und steigende Kosten. Aus der Not heraus haben die Frauen daher einen neuen Weg eingeschlagen. Der heißt solidarische Landwirtschaft oder nach der englischen Bezeichnung abgekürzt CSA.
Das Prinzip: Eine feste Kundengemeinschaft zahlt dem Betrieb monatlich eine Pauschale – bei 100 Mitgliedern vielleicht 25 bis 30 Euro pro Kopf – und erhält dafür die Produkte des Hofes. Claudia Pupke und Ines Wolf konnten als Mitglieder Greifswalder gewinnen, aber auch Leute aus dem Lassaner Winkel und Anklam. Mittlerweile haben über 100 Kunden – vom Studenten bis zum Rechtsanwalt – eine Vereinbarung unterschrieben, um in den Genuss von Brot, Eiern, Quark, Käse, Lamm- und Schweinefleisch zu kommen. Die Mitglieder wissen, dass es im Winter keinen Frischkäse gibt und eine Lammkeule erst ab August. Aber sie wissen auch, wo und wie die Produkte hergestellt werden. Die solidarische Landwirtschaft ist ein Vertrauensspiel, sagt Claudia Pupke. Der Hof vertraut auf das monatliche Geld, die Kunden auf die zugesagten Produkte und untereinander darauf, dass sich nicht einer zehn Lammkeulen auf einmal einsackt. Allen ist klar, dass es Rückschläge oder Ausfälle geben kann. Aber die sind nicht alleine zu bewältigen, sondern gemeinsam – Risikominimierung.
Claudia Pupke und Ines Wolf sind nach ihrem ersten CSA-Jahr sehr zufrieden. Sie haben zwei Mitarbeiter eingestellt und wollen das Projekt noch erweitern. 150 bis 180 Kunden sind das Ziel; Überschüsse werden weiter auf dem Markt frei verkauft. Insgesamt ist das Leben und Arbeiten auf dem Hof sehr viel entspannter geworden, sagen die beiden. „Wir wissen gar nicht mehr, wie wir das vorher gemacht haben.“
Am 12. Mai lädt der Hof von 12 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.

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