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Von der Liebe zum Detail und zur pommerschen Weite

Die Hobby-Keramikerin Sylke Turban bestückt ihren Brennofen.
Die Hobby-Keramikerin Sylke Turban bestückt ihren Brennofen.

VonUlrike Rosenstädt

Sie hat einen Ausgleich zu ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit im Krankenhaus gesucht und ist fündig geworden. Und das war nicht etwa das Gitarren- und auch nicht das Klavierspielen, die ihr innere Ruhe gebracht haben – es ist die Handarbeit mit Ton. Zu Besuch bei Sylke Turban in Trantow.

Trantow.Wir sitzen in der lichtdurchfluteten Küche, schauen in die Weite, die die vorpommersche Peenetallandschaft bei Trantow bietet. Die Kaffeemaschine blubbert vor sich hin und wir kommen ganz schnell ins Plaudern – über Gott und die Welt und über den Schriftsteller Paulo Coello. Er gehört zu den Liebligsautoren von Sylke Turban, die uns auf ihren Hof eingeladen hat. Immer wieder sind wir uns begegnet bei Terminen in der Region, auf dem Loitzer und Trantower Weihnachtsmarkt. Sylke Turban bietet dort ihre Keramik an – zunächst erinnert man sich an ein Meer von roten Gefäßen, Kerzenständern, Schalen und Glocken die gerade danach rufen verschenkt oder ins eigene Fenster gehängt zu werden.
Doch nach einem Blick in ihre Werkstatt in der großen Scheune wissen wir: Nicht allein das Rot reizt die Hobby-Töpferin. Viele schöne leuchtende Farben wie Blau und ein warmes tiefes Grün zieren ihre Gefäße und keramischen Formen, die sie so aufeinander reiht, dass Gartenstelen entstehen. Blaue Spitzen, rote und grüne, auch gepunktete Kugeln schmücken so manche Wiese in der Region und machen so ein Picknick im heimischen Garten noch schöner. „Von den Stelen kann ich mich nur schwer trennen“, sagt Sylke Turban. Vor ihrer Haustür steht eine tonfarbene – etwas windverbogen und doch schön anzusehen. Doch der Besuch von der Zeitung steht an einem eiskalten Sonnabendvormittag nicht lange vor der Tür. Der Hund und die Frau des Hauses öffnen. Es ist spannend, zu erfahren, wer auf dem einsamen Gehöft wohnt und was hinter den Türen Kreatives entsteht.
Im Sandberg Nummer eins entsteht Keramik und das nun schon seit über zehn Jahren. „Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht“, sagt die Frau, die sich auf keinen Fall als Künstlerin bezeichnen möchte. „Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor den Berufskeramikern – die wahrhafte Künstler auf ihrem Gebiet sind“, sagt Sylke Turban. Die 48-Jährige ist als gelernte Krankenschwester in leitender Tätigkeit im Greifswalder Uniklinikum tätig. Auf der Suche nach einem Hobby, bei dem sie richtig gut abschalten und in einer anderen Welt abtauchen kann, versuchte sie sich zunächst im Gitarre- und Klavierspielen. Zu Ton, Keramikmalfarben und Brennofen kam sie also auf dem Umweg. „Doch der hat sich wirklich gelohnt, denn ich bin richtig glücklich mit diesem Ausgleich, den ich mir durch die handwerkliche Arbeit geschaffen habe“, erzählt Sylke Turban. Wir haben uns von der gemütlich warmen Küche auf den Weg zur Werkstatt gemacht und müssen trotz eisiger Kälte auf dem Hof verweilen. Denn dort hängen an einem kleinen Baum keramische Gegenstände, die es nicht auf den Verkaufsstand geschafft haben, aber viel zu schade sind, um entsorgt zu werden. Nun baumeln sie im Wind und über ihnen stehen an einem strahlend blauen Himmel weiße Wolken – vorpommersche Landschaft wie aus dem Bilderbuch. In der Werkstatt gibt es dann jede Menge zu entdecken – Regale voller Überraschungen, Rohlinge hier, fertige Produkte in verschiedensten Farben und Formen dort. Die Kerzenleuchter stehen so dicht aneinandergereiht, als wollten sie sich nie voneinander trennen – Harmonie des Augenblicks.
Sylke Turban schmunzelt, doch sie kennt es schon, dass Besucher staunen und sich wundern, weil sie so eine Werkstatt hinter der Scheunentür nicht vermuten. Wie alle ist die Frau, die in der Woche einen weißen Kittel trägt und an den Wochenenden in ihre bequeme Handwerkerkluft schlüpft, dass die Temperaturen nun nach oben geklettert sind. „Dann kann ich endlich wieder mehr Zeit in der Werkstatt verbringen, denn ich habe neue Ideen und möchte zu gerne ausprobieren was mir so durch den Kopf geht“, sagt Sylke Turban. So viel sei verraten – eine Reihe Teller kleine, große, unifarbene und bemalte sollen schon bald Tische hier und dort in Vorpommern oder bei den EFEU-Keramik- Fans in der Ferne zieren. EFEU steht für Erde und Feuer und steht als Name für die Keramik, die die Trantower Werkstatt verlässt.

Kontakt zur Autorin
u.rosenstaedt@nordkurier.de

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