Sa. 19. Mai 2012
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Landwirtschaft von Redaktion

Von unseren Feldern in die Frittenbude

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Ein Hektar dieser gelben Blütenpracht bringt den Landwirten im Durchschnitt 1500 Liter Rapsöl. FOTO: Jens Scheider
Von unserem Redaktionsmitglied
Katja Müller

Wenn der Raps blüht, geraten nicht nur die Großstädter hinterm Lenkrad ins Schwärmen. Doch ist dieser ja nicht nur schön, sondern auch sehr sinnvoll und wichtig. Allerdings braucht der Energieträger auch die nötige Pflege. Und nicht immer ist mit ihm Geld zu verdienen.

Vorpommern.Felder bis zum Horizont. Überall blühende Landschaften. Und eine Farbe dominiert: Gelb. Zwischen 25 und 30Prozent der Ackerflächenin Deutschlandsind durchschnittlich mit Raps bestellt. In Mecklenburg-Vorpommern wird diese Marke nicht – wie viele Autofahrer denken mögen – überschritten. Nein. „Im Land sind nur rund 20 Prozent der Flächen Rapsfelder“, so Marco Gemballa. Der Chef des Bauernverbandes Vorpommern spricht von rund 210000Hektar momentan in ganz M-V. Damit liege man in einem guten Mittelmaß, kommentiert er die Zahlen. Im Erntejahr 2009/2010 wurden noch rund 250000Hektar Raps angebaut. Die hohen Niederschläge im vergangenen Jahr hatten den Landwirten die Rapsaussaat verregnet. „Die Böden waren teilweise gar nicht bestellbar – sie waren einfach viel zu weich“, erinnert sich Gemballa. Der reguläre Aussaattermin Ende August konnte von vielen nicht umgesetzt werden. „Manche haben erst Anfang September ausgesät, das war dann schon höchste Eisenbahn.“
Auch durch den harten Winter seien erhebliche Mengen ausgefroren. Eine bittere Pille, die fast jeder Landwirt schlucken musste. Schließlich gehört Raps mit zu den rentabelsten Feldfrüchten – neben der Zuckerrübe und dem Mais. Es ist eine echte Erfolgswelle, auf der die deutschen Landwirte seit Mitte der 1980er-Jahre mit dem Rapsanbau schwimmen. Ein wesentlicher Grund liegt in der vielfältigen Verwendung als Rohstoff für die Herstellung von Rapsspeiseöl, Biokraftstoffen und Eiweißfuttermittel.
Der Raps von Marco Gemballa, der selbst einen Landwirtschaftsbetrieb in Zinzow leitet, ist sogar für einen ganz bestimmten Kunden. „Aus unseren Rapsfeldern wird Öl für Mc Donalds“, verrät der Landwirt. Zwar hole die Fast-Food-Kette das Produkt nicht direkt bei ihm ab, aber er weiß, das es später genau dort landet. Bis das in diesem Jahr aber wieder so weit ist, kommt noch allerhand Arbeit auf Gemballa und seine Angestellten zu. Denn der Raps braucht nicht nur einen guten Boden – sandig passt der Ölfrucht gar nicht –, sondern auch ein wenig Pflege.
Denn um eine durchschnittliche Ernte von 1,5Tonnen Rapsöl pro Hektar zu bekommen, müssen die Landwirte auch investieren. „Gerade bei den Düngemitteln kann der Preis schon über Gewinn oder Verlust entscheiden“, sagt Gemballa. Durchschnittlich bringt ein Hektar Raps einen Ertrag von vier Tonnen. Für eine Tonne Raps gibt es zwischen 300 und 500Euro. Geht man vom schlechten Fall aus, gibt es pro Hektar 1200 Euro. Dazu rechnet der Landwirt Dünge- und Materialkosten von rund 1500 Euro. Dann macht der Bauer Miese. Allerdings nicht ganz. Denn schließlich wird auch der Rapsanbau subventioniert. In guten Jahren kommt der Bauer auf ein Plus von rund 800Euro pro Hektar.
Ob 2012 zu den guten Jahren gehört? Gemballa zuckt mit den Schultern: „Wir brauchen jetzt noch gut 100 Liter Regenwasser pro Quadratmeter, damit die etwa 40 Pflanzen, die auf der Fläche Platz haben, ausreichend wachsen können“, erläutert der Bauernverbands-Chef. Auch der Rapsglanzkäfer ist jetzt kein Problem mehr für ihn. „Zuerst schädigt der Käfer die ungeöffnete Rapsblüte, weil er da ein Loch reinfrisst, um an die Pollen zu kommen, die er eigentlich möchte. Die Blüte ist dann fast zerstört und das Loch ist eine Tür für die Kohlschotenmücke, die ihre Larven dann hineinlegt. Blüht der Raps erstmal, dann ist der Rapsglanzkäfer erwünscht, denn er trägt zur Bestäubung bei“, erklärt Gemballa. Mit dem derzeitigen Wetter ist er ebenso einverstanden. Mit einem Mittelmaß zwischen 15 und 25 Grad Celsius gibt sich der
Zinzower zufrieden.
Die Feldfrucht ist aber auch in anderer Hinsicht
ein Multitalent. Der Raps erhöht als sogenannte tragende Frucht in Getreide- beziehungsweise Maisfruchtfolgen den Humusgehalt im
Boden. Durch seine lange
Bodenbedeckung von elf
Monaten schützt Raps den
Boden vor Erosion. „Die Rapspflanzen nehmen schon im Herbst Nährstoffe wie Stickstoff auf, die nachfolgenden Kulturarten wie zum Beispiel Weizen zu Gute kommen. Diese Feldfrüchte müssen dann weniger gedüngt werden. Zugleich erleichtert die gute Bodengare nach Raps die zumeist pfluglose Aussaat der Folgefrucht“, erklärt der Zinzower Landwirt.
Von der gelben Farbe ist bei den Rapskörnern in rund sechs Wochen nicht mehr viel zu erkennen: Das Kreuzblütengewächs ist zum Erntezeitpunkt tief schwarz.

Die Farbe der Rapsblüteist Millionen Jahre alt. Doch ihr Geheimnis konnte bisher nicht vollständig geklärt werden. Sicher ist:
Jedes Blütengewebe enthält Pigmente, die Blumen in Rot, Blau oder Gelb leuchten lassen. Maßgebend ist
die Kombination der Farbstoffe, die sich im Laufe der Evolution herausbildet.
Die wichtigsten Blütenpigmente heißen Flavonoide. Für die Farbe des Rapses
ist aber eine andere Gruppe verantwortlich, die Carotinoide. Sie färben die
Blüten gelb oder golden – wie die des Rapses.

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