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Von wegen schnell wie die Feuerwehr: Für Havarie-Einsatz fehlt der Vertrag

Nächtlicher Großeinsatz: Als Mitte März ein Frachtschiff im Jarmener Hafen havarierte, rückte auch die Anklamer Feuerwehr mit ihrem Schlauchboot an.  FOTO: Stefan Hoeft
Nächtlicher Großeinsatz: Als Mitte März ein Frachtschiff im Jarmener Hafen havarierte, rückte auch die Anklamer Feuerwehr mit ihrem Schlauchboot an. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Schon lange verspricht der Landkreis, die Feuerwehr Jarmen mit Spezialtechnik zur Havariebekämpfung auf der Peene auszustatten.
Nun ist die Ausrüstung
zwar endlich da, wird aber versteckt. Und wieder mal liegt es an fehlenden Papieren.

Jarmen/Gützkow/Anklam.Dass in Sachen Katastrophenschutz beim Landkreis Vorpommern-Greifswald längst nicht alles vernünftig läuft, offenbarte sich, als im Jarmener Hafen ein Frachtschiff havarierte, sozusagen mitten im Natur-, Landschafts- und Vogelschutzgebiet Öl und Diesel verlor. Denn für das „Einfangen“ und Herausholen der Betriebsstoffe aus dem Fluss musste extra die auch als Ölwehr deklarierte Anklamer Feuerwehr anrücken (Nordkurier berichtete). Dabei stand in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Gützkow eine ähnliche Ausrüstung samt Boot einsatzbereit, also fast vor der Haustür.
Schon unmittelbar nach der Kreisgebietsreform kam der Vorschlag, diese Technik an die Jarmener Löschtruppe auszuhändigen, könnte die doch innerhalb weniger Minuten am Wasser sein und so in diesem Bereich der Peene eine schnelle Reaktion auf Störfälle garantieren. Immerhin liegt die Stadt relativ zentral etwa auf der Hälfte zwischen Stolpe und Loitz. Aber anfangs hieß es, die Reparatur des Bootes müsse noch abgewartet werden, später passierte trotzdem nichts und zum Schluss verwies die zuständige Amtsleitung auf den fehlenden genehmigten Kreis-Haushalt.
Vor Ort und bei den Bürgern erntete das nur ungläubiges Kopfschütteln und jede Menge Kritik. Was nämlich, wenn die besagte Havarie Mitte März am Jarmener Hafen schlimmer ausgefallen wäre? Das Landratsamt versprach damals auf Nachfrage unserer Zeitung Besserung und ein Sprecher kündigte schnellstmögliches Handeln an. Doch Woche um Woche verging, ohne das sich etwa tat. Erst das erneute Intervenieren von Jarmens Bürgermeister Arno Karp, unter anderm Mitglied im Finanzausschuss und im zuständigen Fachausschuss Vorpommern-Greifswalds, soll dann den nötigen Stein ins Rollen gebracht haben, so dass das Boot und der Hänger mit der Spezialausrüstung nach rund zwei weiteren Monaten nun doch in der Peenestadt stehen.
Die Kommune allerdings hält das Ganze unter Verschluss und hätte am liebsten einen Tarnmantel darüber ausgebreitet. Rein rechtlich gesehen darf ihre Feuerwehr die neue Technik nämlich noch gar nicht anfassen. Schließlich gehört sie dem Landkreis, und der nötige Nutzungsvertrag von dort fehlt nach wie vor, wie auch Kreissprecher Achim Froitzheim dem Nordkurier einräumte. Erst wenn der unterschrieben sei, folge die offizielle Übergabe des Bootes. Angeblich sollen diese Papiere vom Landkreis demnächst fertig sein. Wobei Bürgermeister Karp nicht in jedem Fall zu lange warten will: „Wenn das gebraucht wird, fahren wir damit raus.“

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