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Wann kommt die Flut? In Bargischow sehr bald

Bald sieht es auch im Bereich Bargischow/Gnevezin so aus: die Wiesen vernässt und die Bäume abgestorben.  FOTO: Katja Müller
Bald sieht es auch im Bereich Bargischow/Gnevezin so aus: die Wiesen vernässt und die Bäume abgestorben. FOTO: Katja Müller

VonJörg Foetzke

Der lange Kampf der Bargischower gegen
die Polderflutung ist offenbar vorbei:
Die Gemeindevertretung stimmte jetzt einem Vergleich mit der Landgesellschaft zu. Zufrieden ist damit jedoch keiner.

Bargischow.Drei Stunden wurde im Gemeindehaus debattiert, dann ging alles ganz schnell: Zwei Gemeindevertreter votierten für den Vergleich mit der Landgesellschaft zur Polderflutung, zwei Abgeordnete enthielten sich. Damit ist der Bargischower Kampf gegen die geplante Polderflutung Geschichte. Die Gemeinde wird ihre Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Greifswalder Verwaltungsgericht zurückziehen. „In dem Vergleich sind ja viele Dinge enthalten, für die wir bisher vergebens gekämpft hatten“, erklärte Bürgermeisterin Eva Dinse die Entscheidung. Dazu zählen: bodennahe Vernässung der Flächen, Weiter-
betrieb eines Schöpfwerkes und Geld von der Landgesellschaft für den langfristigen Betrieb. Viele der Anwesenden zeigten sich trotzdem skeptisch. „Bargischow ist das letzte Stück, das ihnen hier noch fehlt – wir sind das Gallierdorf!“, sagte einer. Seine Empfehlung: Auf keinen Vergleich eingehen, sondern kämpfen bis zum bitteren
Ende.
Zu welcher Katastrophe die Flutung führen könnte, haben die Bargischower gewissermaßen vor Augen: Wenige Kilometer weiter an der Peene säuft das Örtchen Kamp fast ab, weil ein Damm anders gebaut wurde als eigentlich geplant und das Wasser daher nicht abhält. So steigen die Schöpfwerkkosten für die Kamper ins Unermessliche, die nun auch noch die Folgen des Pfusch-baus tragen müssen. Erhalten sie nicht langfristig Unterstützung, müsste der Ort gar aufgegeben werden. „Heute würde ich dem keinesfalls mehr zustimmen“, erklärte der Kamper Siegfried Henk. Hauke Kroll, Abteilungsleiter bei der Landgesellschaft, wiegelte ab. Am Kamp sei die Landgesellschaft nicht verantwortlich für die Planungsausführung und sicherte den Bargischowern eine verlässliche Partnerschaft zu.
Doch die Dörfler trauen der Sache nicht recht über den Weg. So gab es bei der Gemeindevertretersitzung noch so einige Präzisierungswünsche in Sachen Vergleich. Beispielsweise um dafür zu sorgen, dass sich die Landesstiftung für Umwelt und Natur als künftiger Eigentümer an die Absprachen auch hält. Zwischendurch hagelte es immer wieder Kritik: „Wer garantiert uns, dass wir nicht verarscht werden“, warf Jörg Schumacher in den Raum.
Im Widerstreit hätte dann Bürgermeisterin Eva Dinse die Vorlage fast zurückgezogen, wenn nicht Rechtsanwältin Catherine Wildgans eingegriffen hätte. Sie gab zu bedenken, dass die Landgesellschaft den vorgeschlagenen Vergleich auch zurückziehen könnte. Und wenn es dann vor Gericht schlecht liefe, stünden die Bargischower mit leeren Händen da.
„So oder so saufen wir ab. Da verkaufe ich noch lieber“, sagte eine ältere Bargischowerin. Und so dachte man dann auch im Gemeinderat: „Lieber den Spatzen in der Hand“, begründete Gemeinderat Lutz Genz, dass er gemeinsam mit Bürgermeisterin Eva Dinse für den Vergleich gestimmt hat.
Doch glücklich ist damit niemand im Dorf: Die Entscheidung sei schon unter massiven Druck von außen zu Stande gekommen, erklärte Eva Dinse. Jetzt gelte es, aus dem Vergleich das Beste für das Dorf herauszuholen. Sicher können sich die Planer von der Landgesellschaft sein, dass die Bargischower ihnen bei der Poldervernässung ganz genau auf die Finger schauen werden.

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