Nordkurier.de

Welcher Anklamer weiß noch etwas über die Arado-Werke?

„Zeitzeugen gesucht“ steht auf dem Plakat, das Christian Wilken, Tobias Kuhl und Tobias Noack hier in die Kamera halten. Die drei sind nur ein Teil der insgesamt 25 Greifswalder Geschichtsstudenten, die sich jetzt in Anklam auf Spurensuche begeben.[KT_CREDIT] FOTO: G. Kords
„Zeitzeugen gesucht“ steht auf dem Plakat, das Christian Wilken, Tobias Kuhl und Tobias Noack hier in die Kamera halten. Die drei sind nur ein Teil der insgesamt 25 Greifswalder Geschichtsstudenten, die sich jetzt in Anklam auf Spurensuche begeben.[KT_CREDIT] FOTO: G. Kords

VonGabriel Kords

Von wegen Studium im staubigen Kämmerlein:
25 Geschichtsstudenten aus Greifswald machen sich jetzt in Anklam auf Spurensuche nach den Arado-Werken und der Arado-Siedlung. Für ihr Projekt sind die Studis auf tatkräftige Unterstützung alteingesessener Anklamer angewiesen.

Anklam.„Wer etwas zu erzählen hat, der soll sich bei uns melden“ – lautet die Formel, auf die Tobias Kahl den Zeitzeugen-Aufruf bringt, den er und seine Kommilitonen in diesen Tagen überall in der Stadt verbreiten. Denn die Geschichtsstudenten haben einiges vor in der Peenestadt: Ihre Studiengruppe will sich an die erste umfassende Dokumentation der Geschichte von Arado-Werken und Arado-Siedlung machen. In den kommenden Wochen sollen Archive ausgewertet, nach bereits existierenden Büchern und Chroniken gesucht werden – und vor allem: Dutzende Gespräche mit Anklamern geführt werden.
Denn so viel haben die Studierenden bereits festgestellt: Die schriftlichen Quellen über die Fabrik, in der in Nazi-Deutschland Flugzeugteile gebaut wurden, und die zugehörige Siedlung halten sich in Grenzen.Tobias Kahl: „Darum hoffen wir, diese Wissenslücke schließen zu können, so lange es noch Zeitzeugen gibt.“ Die Studierenden zielen nicht nur auf spannende Berichte ab, sondern auch auf das ein oder andere Foto, das die Werke oder die Siedlung in ihrer Entstehungszeit zeigt.
Doch wie kamen die Studierenden überhaupt dazu, ihre historischen Fühler ausgerechnet nach Anklam auszustrecken? Das wissen sie auch nicht so genau, sagen sie zunächst und dann: „Das war vom Dozenten so vorgegeben.“ Der Dozent ist Jörg Driesner, Doktor der Geschichtswissenschaft. Er kann erklären, wieso ausgerechnet die Arado-Werke ausgewählt wurden. Ein bisschen Zufall war mit im Spiel, ein befreundeter Anklamer schlug das Thema vor.Jörg Driesner: „Wir wollten ohnehin mal was fürs Umland tun und aus Greifswald herauskommen.“
Was der Geschichtswissenschaftler außerdem berichtet: Die Studierenden haben sich zuvor mit bestimmten Methoden vertraut gemacht und gelernt, wie man einen Zeitzeugen richtig befragt, wie man die im Gespräch erfahrenen Daten richtig auswertet und daraus am Ende eine wissenschaftliche Veröffentlichung macht. Doch weil so ein Projekt eben nicht nur graue Theorie ist, machen die Studierenden gerade ganz neue Erfahrungen. „Das ist schon etwas anderes als wenn man im Hörsaal sitzt“, sagt etwa Christian Wilken, der später einmal Lehrer für Geschichte und Deutsch werden will.
Was genau die Studierenden in den nächsten Monaten in Anklam erleben, wissen sie selbst noch nicht genau. Sie versprechen aber: Wir halten die Leser auf dem Laufenden.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×