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Wenn nichts mehr hilft, helfen wir!

Die Anklamer DRK-Wassergefahrengruppe muss ihr Boot über weite Strecken durch das Wasser schieben, weil es zu flach für einen Einsatz des Motors ist. Derzeit sind die Helfer bei Lobtau in Sachsen-Anhalt im Einsatz.  FOTO: anke radlof
Die Anklamer DRK-Wassergefahrengruppe muss ihr Boot über weite Strecken durch das Wasser schieben, weil es zu flach für einen Einsatz des Motors ist. Derzeit sind die Helfer bei Lobtau in Sachsen-Anhalt im Einsatz. FOTO: anke radlof

VonGabriel Kords

Ein Fall für die Vorpommern: Nicht lamentieren, sondern zupacken – genau das wird gerade in den Flutgebieten an der Elbe benötigt.
Klar, dass da auch die Vorpommern mithelfen. Inzwischen sind schon weit über 100 Einsatzkräfte
aus dem Landkreis im Krisengebiet. Sie berichten: Es gibt alle Hände voll zu tun. Aber: Helfen tut gut!

Anklam.Die Wassergefahrengruppe Ostvorpommern ist in Sachsen-Anhalt im Einsatz, wenig entfernt von einer Stelle, wo am Montag der Deich brach. Nach einer 12-Stunden-Schicht sendeten die Helfer abends noch einige Fotos in die Anklamer Heimat, auch über den Internet-Dienst „Facebook“ schicken sie Fotos vom Handy ins Internet. Weil vor Ort viele Dörfer unter Wasser stehen, fahren die Helfer derzeit per Schlauchboot von Siedlung zu Siedlung und versorgen die Anwohner: „Wir haben unter anderem Getränke und ein Notstromaggregat gebracht“, erzählt Anke Radlof. Wo das Boot entlangfuhr, sind eigentlichen Wiesen, Gärten und Straßen: „Viele der Menschen, die hier ausharren, sind total fertig“, berichtet Anke Radlof. „Das ist auch für uns bedrückend.“ Mancherorts laufen zudem Öltanks aus und verschmutzen das Wasser. Für Anke Radlof steht fest: „Es gibt noch verdammt viel zu tun hier.“

Manche Utensilien sind über 50 Jahre alt
Auch Jens Rüberg, eigentlich Mediaberater beim Nordkurier in Anklam, ließ alles stehen und liegen, als die Meldung kam: Ihr werdet gebraucht. Der Sanitätszug Ostvorpommern vom Deutschen Roten Kreuz setzte sich am Montagnachmittag in Bewegung. 19 Helfer reisen jetzt von Turnhalle zu Turnhalle und bauen Feldbetten für Hunderte Evakuierte auf. Klingt einfacher als es ist: „Spätestens ab der dritten Halle schlaucht das ganz schön. Ich bin hundemüde“, berichtet Jens Rüberg, dessen Trupp gestern in Lübtheen im Einsatz war. Aus der ganzen Republik würden Feldbetten, Decken und Kissen angekarrt: „Manche Pakete mit Decken, die wir hier öffnen und verteilen sind von 1959!“
Die Decken mögen zwar schon etwas muffig riechen, aber: „Es ist ja erstmal nur wichtig, dass die Menschen hier das Nötigste haben.“ Der Einsatz sei für die meisten der größte, den sie bisher erlebt hätten.
Was den Helfern allenthalben entgegenschlägt, ist die große Dankbarkeit der Anwohner: „Viele kommen vorbei, bringen uns Getränke und Essen vorbei“, erzählt Rüberg. Auf „Nachbarn“ sind Ostvorpommerns DRK-Helfer auch schon gestoßen: Beim Frühstück habe man zufällig den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Eggesin gegenübergesessen, berichtet Jens Rüberg.

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g.kords@nordkurier.de

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