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Wenn zwei streiten, ärgert sich der Tourist

Vor allem Ruderer und Kanuten nutzten den Schwimmsteg an der Loitzer Marina gern. Doch nun soll die Kommune ihn an den Nachbarlandkreis rausrücken.   FOTO: Stefan Hoeft
Vor allem Ruderer und Kanuten nutzten den Schwimmsteg an der Loitzer Marina gern. Doch nun soll die Kommune ihn an den Nachbarlandkreis rausrücken. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Als Erbfolgeopfer stehen Jarmen und Loitz beim Wassertourismus da. Auch wenn es kaum zu glauben ist: Der Nachbarlandkreis nimmt ihnen die einst viel gepriesenen Schwimmstege wieder weg. Kein besonders toller Zug, meinen die Peenestädte.

Loitz/Jarmen.Boots- und Kanutouristen ist es längst aufgefallen und wohl manchem aufmerksamen Einheimischen: Obwohl die neue Wassersportsaison schon einige Wochen auf dem Wellenbuckel hat, fehlen in den Häfen von Jarmen und Loitz immer noch jene Schwimmstege, die das Anlegen und Aussteigen erleichtern sollen. Aber die werden dort nicht wieder auftauchen, bestätigten beide Kommunen gegenüber Nordkurier. Hintergrund ist die Vermögensauseinandersetzung im Zuge der Kreisgebietsreform. Als Rechtsnachfolger des alten Landkreises Demmin besteht der neue Großkreis Mecklenburgische Seenplatte offenbar auch auf diesem schwimmenden Kleininventar und forderte die beiden jetzt zu Vorpommern-Greifswald gehörenden Peenestädte zur Herausgabe auf.
Vertraglich sei das wasserdicht, räumt der Loitzer Bürgermeister und VG-Kreistagspräsident Michael Sack ein. Aber vom Gefühl her und den Beziehungen untereinander wirke es sehr befremdlich. Und aus touristischer Sicht sei es mehr als bedauerlich, wo es doch sonst heißt, alle sollen und wollen an einem Strang ziehen. „Das ist schon eine ziemliche Art und Weise, so mit uns umzugehen. Willkommen im neuen Landkreis, kann ich da nur sagen – diesmal anders herum.“
Da ändert auch ein MSP-Angebot zur Überlassung der sechs mal zweieinhalb Meter großen Plattformen aus Holz und Metall nichts. Etwa 9000 Euro wollte Neubrandenburg dafür haben, verdeutlicht der Rathauschef. Das sei angesichts der ins Land gegangenen Jahre und des Ursprungswertes ein frecher Preis, befand er ebenso wie sein Jarmener Amtskollege Arno Karp. Sie lehnten ab.
Zumal beide noch gut in Erinnerung haben, wie diese Stege einst an die Peene kamen: Basierend auf einer Idee aus der Konzeption „Wasserwandern auf der Peene“ und großteils finanziert über das Konjunkturpaket 2009. Laut Landkreis Demmin kosteten die damals acht Schwimmplattformen entlang des Flussverlaufs rund 130000 Euro inklusive Aufbau. Der Landkreis allerdings musste nur 15 Prozent beisteuern, den Rest trugen Bund und Land. Sprich MSP hätte mit dem Verkauf an Jarmen und Loitz fast den kompletten Eigenanteil von einst wieder herein. Dabei stammte dieses Geld ja auch aus den Kreisumlage-Zahlungen dieser zwei Städte.
In Jarmen ist der Steg mittlerweile aus dem Hafen verschwunden, in Loitz wartet er noch beim Stadtbauhof auf die Abholung. Denn den „Freunden“ vom Nachbarlandkreis an die Haustür liefern wird ihn die Kommune mit Sicherheit nicht – nach dieser Nummer.

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