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Willkommen im Schweineparadies?

Die handverlesenen Teilnehmer der Besichtigungstour am Montag mussten an der Zufahrt der Schweinezucht Alt Tellin durch ein Protestspalier.  FOTO: Stefan Hoeft
Die handverlesenen Teilnehmer der Besichtigungstour am Montag mussten an der Zufahrt der Schweinezucht Alt Tellin durch ein Protestspalier. FOTO: Stefan Hoeft

VonStefan Hoeft

Schweinebaron Adrian Straathof gab sich ungewöhnlich offen – zumindest für die wenigen zugelassenen Besucher seiner Ferkelfabrik.
Während einige viel Gutes sahen, trieb es anderen Tränen in die Augen.

Neu Plötz/Alt Tellin.„Der ist schon ein Fachmann, das muss man neidlos anerkennen“, erklärt Ex-Landesbauernpräsident Gerd-Heinrich Kröchert nach dem Besichtigungs- und Informationstermin mit dem Betreiber der Schweinezucht Alt Tellin dem Nordkurier.
Als Amtsvorsteher im Bereich Jarmen-Tutow und Bürgermeister von Daberkow zählt er zu rund 40 geladenen Gästen aus der Lokalpolitik, die in alle Bereiche der Ferkelfabrik hineinschnuppern dürfen. Nicht einmal die Hälfte nimmt den Termin wahr. Wer doch kommt, muss zunächst durch ein Spalier von rund 60 Demonstranten fahren, die gegen diese Art der Tierhaltung und Straathofs Gebahren protestieren, aber auch gegen Pressezensur. Denn unsere Zeitung muss draußen bleiben, weil sie eine Verpflichtung zur „Straat-Hofberichterstattung“ ablehnte.
Als Lokalpolitiker stören Kröchert vor allem Negativ-Auswirkungen auf seine angrenzende Kommune, deren Straßen und Bürger besonders unter den Transporten von und zur Anlage litten. „Und ich bin nach wie vor gegen diesen Gigantismus an einem Ort.“
Gleichwohl müsse er als jemand, der die Schweineproduktion von der Pike auf kenne, die züchterischen Leistungen des Investors anerkennen. Die Haltungsbedingungen seien wie von ihm erwartet und entsprächen den hiesigen gesetzlichen Vorgaben. Natürlich sei diese Dimension für viele befremdlich. „Aber wenn man das anders will, muss die Politik die Gesetze ändern.“ Die Borstenviecher zeigten sich laut Gerd-Heinrich Kröchert in gutem Zustand, er sah keine hygienischen Mängel, der Geruch außerhalb sei geringfügig und innen normal.
Letzteres nimmt der Daberkower Gemeindevertreter Christian Lietz ganz anders wahr. Manchem seien ob des Gestanks wohl Tränen gekommen. „Du kriegst keine Luft da drin, ich verstehe nicht, wie die Arbeiter das auf Dauer aushalten.“ Sicher präsentierten sich die Ställe relativ sauber und es wuselten überall rosabunte Ferkel umher. Aber ob Straathofs Aussagen stimmen, wie es diese Tiere am liebsten mögen, wage er schon zu bezweifeln. Auch wenn insbesondere Jarmener Stadtvertreter dem Hausherrn da zur Seite gestanden hätten. Die ganze Veranstaltung sei eine reine Werbetour, auf der kritische Fragen, wenn, dann meist vage beantwortet wurden und die weiteren Pläne des Investors im Dunkeln blieben, so Lietz. Und dass beispielsweise die Regenentwässerung nicht den Anforderungen entspricht und zugesagte Ausgleichsmaßnahmen auf sich warten lassen, sei bagatellisiert worden.
„Er hat sich schon ein bisschen gewunden wie ein Aal“, bestätigt Bauunternehmer Jens Juhnke, Alt Telliner Abgeordneter und alles andere als Grün-verdächtig. Wirklich Neues gab es für ihn nicht zu erfahren, nicht mal genaue Zahlen, wieviele Schweine dort zur Zeit leben. Dass es auf dem Gelände recht wild aussehe, wolle er mal dem Baustellen-Charakter und langen Winter zuschreiben. Die Tour ins Stall-Innere ließ Juhnke aus Termingründen aus, ein Blick durchs Fenster habe ihm ohnehin genügt.
Beeindruckt zeigt sich der Telliner von der Größe und den technischen Abläufen. „Das ist eine richtige Industrieanlage, wirklich eine Ferkelfabrik.“ Er jedenfalls stehe einer möglichen Erweiterung sehr kritisch gegenüber, ebenso wie nach den bisherigen Erfahrungen Adrian Straathof. Da ändere auch die gestrige Tour nichts. „Dem Menschen kannst du nicht wirklich vertrauen.“

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