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Wut-Demo auf dem Rad gegen tödliche Straßen

VonVeronika Müller

Seit Jahren kämpfen die Gemeinden rund um Anklam für sichere Radwege – immer wieder fallen Radler den gefährlichen Straßen zum Opfer. Nun reicht es ihnen mit den ewigen Versprechungen der Politiker.

Anklam.„Wir wollen uns nicht länger verschaukeln lassen!“ Anklams Bürgermeister Michael Galander und der Vorsitzende des Vereins Vorpommersche Dorfstraße, Marcel Falk, haben die Nase voll. Seit Jahren versprechen Straßenbauamt und Landespolitiker der Region, endlich mit dem Ausbau des Radwegenetzes zu beginnen. „Doch passiert ist nichts. “
Die Bundesstraßen rund um die Hansestadt sind zwar gut ausgebaut, aber es fehlen sichere Wege für Radler. „Das stinkt zum Himmel“, sagt Marcel Falk wütend. „Wie viele Tote muss es noch geben, bis endlich etwas passiert.“ Erst im vergangenen Sommer ist eine Frau aus Kagendorf auf der B 109 ums Leben gekommen, als sie auf dem Weg zur Arbeit von einem Pkw mit Anhänger erfasst wurde. „Damals war der Aufschrei groß, dass nun gehandelt werden muss. Doch geschehen ist nichts.“
Die Liste der Versprechen ist lang. So hieß es nach mehreren Ministerbesuchen in und um Postlow: Das ist ja lebensgefährlich, das muss geändert werden. Gleiches hörten sie für ihre Forderung nach einem straßenbegleitenden Radweg in Richtung Ducherow (B109), Kavelpass (B197), Stolpe (B110) oder zwischen Ziethen und Gützkow. Immer wieder gab es Verkehrszählungen, Erhebungen und so weiter. Galander schüttelt den Kopf: „Das ist ja wie mit dem Schild in der Kneipe, auf dem steht: Morgen gibt es Freibier. Das gilt immer – niemand weiß, wann dieses Morgen ist.“
Weil sie nicht mehr auf ein unbestimmtes Morgen warten wollen, hat der Verein Vorpommersche Dorfstraße zu einer Protest-Fahrrad-Demo für den 22. Juni aufgerufen. Alle Verbände, demokratische Parteien, Vereine, Interessengemeinschaften sollen ihre Mitglieder animieren, sich daran zu beteiligen. „Es geht uns alle an. Und es geht nicht nur um einen Wanderweg nach Stolpe“, sagt Falk, der auch Bürgermeister des kleinen Ortes an der Peene ist. „Infrastruktur, Tourismus, Wirtschaft – alle Bereiche sind betroffen.“
Zwei Trosse starten zeitgleich in Anklam und in Gützkow. An den Verkehrsknotenpunkten bei Görke auf der B110 sowie zwischen der Umgehungsstraße B111 und der L263 wird eine 15-minütige Blockade-Rast eingelegt. Um ihre Sicherheit müssen sich die Radler diesmal keine Sorge machen: Die Tour wird durch eine Polizeieskorte begleitet. Und wie es sich für eine gut organisierte Radtour gehört, gibt es auch einen Technik-Service. Die Demo zu Beginn der Fahrt beginnt übrigens auf dem Gützkower Rathausplatz wie auf dem Markt in Anklam um 9.30 Uhr. Der Tross setzt sich dann zwischen 10.15 und 10.30 Uhr in Bewegung.

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