Februar 16, 2012
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Ärzte von Redaktion

Zu wenig Kinderärzte: Experten schlagen Alarm

Zu viele Patienten, zu wenig Ärzte. Für Mediziner lohnt sich eine Praxis oft nur noch in Oberzentren. Wer außerhalb wohnt, muss weite Wege in Kauf nehmen, um sich behandeln zu lassen. Besonders die Kinder- und Jugendmedizin ist von dem Problem betroffen.

Vorpommern (Carsten Schönebeck)  

Die Kleinen haben es mal wieder am Schwersten: Bei Schmerzen den Onkel Doktor aufsuchen, das ist in unserer Region oft eine halbe Tagesreise. Denn Kinderärzte sind in Vorpommern Mangelware. Mit der ärztlichen Versorgung in der Region hat sich die Universität Greifswald in einer Studie beschäftigt. Das Ergebnis wurde am Dienstag veröffentlicht. Fazit: In vielen Bereichen des neuen Großkreises Vorpommern-Greifswald mangelt es an Fachärzten.
Zwarerfüllt der Landkreisin den meisten Bereichen die
vorgesehenen Verhältniszahlen zwischen Ärzten und Patienten, doch die Greifswalder Forscher kritisieren diese Quoten.„In dünnbesiedelten Regionen, also auch im ländlichen Vorpommern, sind pro Arzt mehr Patienten vorgesehen als in den großen Ballungszentren“, erklärt Dr.Neeltje van den Berg vom Greifswalder Institut für Community Medicine. Lange Wege zum Arzt sind damit vorprogrammiert. Der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Gremium von Krankenhäusern, -kassen und Ärzten, hat die Quoten nicht nach Bedarf berechnet, sondern diese wurden Ende der 90er-Jahre aus dem Ist-Zustand in der Bundesrepublik abgeleitet.
Versorgungslücken sieht van den Berg besonders bei den Kinderärzten. Denn in der Region gibt es immer weniger Kinder, somit immer weniger potenzielle Patienten. Junge Ärzte scheuen daher das Risiko einer eigenen Praxis. Erst recht außerhalb der Zentren. Die Forscher rechnen damit, dass 2020 in ganz Vorpommern noch gut 13000 Kinder leben werden. Im Jahr 2006 waren es noch über 18000. In zehn Jahren wird die Hälfte der jetzigen Kinderärzte im Ruhestand sein.
Außerhalb von Greifswald gibt es im Kreis nur noch drei niedergelassene Kinderärzte. Das schwache Netz von Bus und Bahn erschwert den Arztbesuch zusätzlich. „Viele Eltern weichen mit ihrem Nachwuchs auf die Notaufnahmen der Krankenhäuser aus“, so van den Berg. Doch die Ärzte dort haben meist nur wenig Erfahrung mit den Problemen, die auf sie zukommen.
Doch das ist nicht das einzige Problem. Denn die Krankenkassen erschweren die Abrechnung solcher Behandlungen. Lediglich eine Notfallpauschale wird gezahlt. Speziellere Untersuchungen werden damit nicht abgedeckt. Sollen die Kinder die bestmögliche Behandlung bekommen, müssen die Krankenhäuser aus eigener Tasche zahlen.

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