Februar 21, 2012
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Natur-/Umweltschutz von Redaktion

Alleen in der Seenplatte leiden unter Ausfall

Zwischen Letzin-Siedlung und Hohenmocker ist die Allee weg. [RS_CREDIT] FOTO: A. Brauns
Zwischen Letzin-Siedlung und Hohenmocker ist die Allee weg. [RS_CREDIT] FOTO: A. Brauns
Von unserem Redaktionsmitglied
Georg Wagner

Die grünen „Tunnel“ im Landkreis werden immer mehr ausgedünnt, meint der Bund für Umwelt und Naturschutz. Er fordert nun ein Alleenentwicklungskonzept.

Altentreptow.Die Lücken in der Allee zwischen Klatzow und Mühlenhagen sind von Jahr zu Jahr größer geworden. Zwischen Letzin-Siedlung und Hohenmocker ist die ganze Allee gefallen (der Nordkurier berichtete). Einzelfälle? Glaubt man dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dann ist das durchaus typisch für den Großkreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Alleen, eines der prägendsten Merkmale hiesiger Kulturlandschaft und als solche selbst noch im fernen Bayern bekannt, weisen nach Darstellung der Naturschützer mittlerweile große Lücken auf und drohen, immer weiter ausgedünnt zu werden. Schuld daran sind ihr Alter und mangelhafte Nachpflanzungen. Etwa 80 Prozent der Alleen in der mecklenburgischen Seenplatte seien in der Alterungsphase und bei den Nachpflanzungen gebe es 20 bis 100 Prozent Ausfall, warnte jüngst Katharina Brückmann, Expertin für Baum- und Alleenschutz beim BUND in Mecklenburg-Vorpommern. „Wenn wir die Alleen als Kennzeichen unserer Landschaft behalten wollen, müssen bessere Schutzmaßnahmen für die Altbäume und mehr Qualität für die Jungbaumpflege umgesetzt werden.“
Ganz neu sind solche Diskussionen nicht. Schon vor Jahren wies beispielsweise Mike Hartmann vom Umweltamt des damaligen Landkreises Demmin darauf hin, dass die noch zu Zeiten des Königreichs Preußen gepflanzten Alleen allmählich an ihre natürliche Altersgrenze stoßen würden. Gegenmaßnahmen gab es gleichfalls. So erstellte das Straßenbauamt Güstrow bereits im Jahr 2003 ein Alleenentwicklungskonzept, das Nachpflanzungen vorsah. Geplant war das in einem Verhältnis von 1:2, sprich auf jeden gefällten Baum sollten zwei neu gepflanzte treffen. Von 2005 bis 2010 beispielsweise wurden laut Mike Hartmann im Altkreis an Bundes- und Landesstraßen 1461 Bäume gefällt und dafür 2559 neu gepflanzt – vor allem Linden.
Dennoch ist der BUND nicht zufrieden. Landesweit seien weniger als 20 Prozent der Alleen an Bundes- und Landesstraßen geschlossen. „Der Rest ist mehr oder weniger lückig und die Lücken werden immer größer.“ Um dem entgegenzuwirken, sollte nach Ansicht der BUND-Expertin Katharina Brückmann ein Alleenentwicklungskonzept für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte erarbeitet werden. „Nur mit einer konkreten, vorausschauenden und umsetzbaren Planung und den entsprechenden finanziellen Mitteln kann die Entwicklung unserer Alleen Erfolg haben“, sagt sie. Dazu zählt die Ausweisung geeigneter Standorte für eine Wiederbepflanzung ebenso wie eine konkrete Finanz- und Personalplanung für die Umsetzung. Konkretisiert werden müsse das Konzept durch eine Aufstellung der Kosten für Pflanzung und Pflege des Jungbaumbestandes, eine Auflistung der zu sanierenden und zu pflegenden Jungbäume und eine Ausführungsplanung für die ausgewiesenen Alleenabschnitte.
Dabei stützt sich Katharina Brückmann auf ein ähnliches Konzept, das der Altkreis Mecklenburg-Strelitz noch im Jahr 2011 erstellt hatte. Das aus dem Alleenfonds und vom Straßenbauamt Neustrelitz finanzierte Konzept enthielt eine Bestandsanalyse ebenso wie mögliche Maßnahmen und Empfehlungen für Neupflanzungen. Inwieweit es aber effektiv zum Tragen kam, das lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Angesichts der erst kurzen Laufzeit sei es noch verfrüht, um schon von Erfahrungen damit sprechen zu können, heißt es vom Umweltamt des Kreises. Der Vorschlag des BUND, nun das Konzept für den gesamten Großkreis weiterzuentwickeln, stößt dort indes auf offene Ohren. Die Frage sei nur, wie weit die finanziellen Mittel vorhanden sind.
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