Angeklagter versetzt jungen Mann in Angst

VonKirsten Gehrke

Ein 19-jähriger Malchiner muss für zwei Jahre hinter Gitter, weil er andere Menschen mit der Faust attackiert und geschlagen hat.

Demmin.Felix K. (Name geändert) ist erst wenige Tage aus der Jugendhaft, als er erneut zuschlägt. Neun Straftaten - Körperverletzung und Sachbeschädigung - wirft die Staatsanwältin dem 19-Jährigen vor, die er Ende Dezember 2012 und Anfang 2013 in Malchin begangen haben soll. Felix K. schweigt vor Gericht. Er grinst die meiste Zeit. Die Aussagen der Zeugen stimmen nicht in allen Details überein. Eine Schülerin sagt, Felix sei dazwischen gegangen, als ihr Ex-Freund sie zurückgedrängt hat. Sie hatte ihn zur Rede stellen wollen. „Felix dachte, dass er mich geschlagen hat.“ Er habe ihn nur an den Zaun geschubst,. „Gewürgt hat er ihn nicht, nein“, beteuert sie. Währenddessen soll U., ein Freund des Ex, dazugekommen und mit einem Messer herumgefuchtelt haben. Felix und er hätten sich dann geprügelt. „Bei Felix habe ich kein Messer gesehen“, meint die Zeugin.
Der Ex-Freund indes habe etwas anderes erzählt, sagt der Richter. Felix sei auf ihn zugekommen, habe ihn am Zaun hochgezogen, so dass er keine Luft mehr bekam, und ihm ein Messer an den Hals gehalten. Auch von Drohungen, wie „ich mach dich kalt“ oder „ich bring dich um“ will die Zeugin nichts gehört haben. Vielmehr bestätigt sie, dass ihr Ex-Freund Angst vor dem Angeklagten hatte.
Als dieser einen Tag später die Wohnungstür bei U. eingetreten hat, habe ihr Ex sich in der Küche versteckt. „Ich bin mit rein, habe S. gesucht, zwischen Kühlschrank und Müll hat er sich versteckt, aus Angst, er hat geweint“, erzählt das Mädchen. Sie sei solange bei ihm geblieben, bis Felix weggegangen ist. „Ich hab noch gehört, wie U. mit der Polizei telefoniert hat. U. war völlig durch den Wind.“
Die Staatsanwältin glaubt der Schülerin nicht alles. Erst sei sie mit S. spinnefeind und auf ihn stinksauer gewesen und einen Tag später spiele sie die Beschützerin. Wenn sie vorher schon gewusst habe, dass S. Angst hat, sei es ein Grund mehr gewesen, Felix abzuhalten, dass er die Tür eintritt. „Was soll ich denn groß machen?“, fragt sie trotzig. Er habe gelallt, sei getorkelt.
U. indes sagt aus, dass Felix ihn in der Wohnung gegen das Fenster gedrückt und geschlagen hat. „Ich lebe noch“, meint er ironisch. „Ich hatte nur einen Riss in der Lippe, weil ich mir drauf gebissen hatte.“ Felix sei schnell wieder verschwunden, weil die Polizei kam. Zum Vorfall am Tag vorher sagt er, dass er seinem Freund zu Hilfe kommen und die beiden auseinanderbringen wollte. „Dann aber hatte ich den Stress mit Felix.“ Der sei in Rage gewesen, weil er sich eingemischt habe. „Wir hatten uns dann beide an den Kragen.“
Für die Staatsanwältin sind ein Teil der Körperverletzungen bewiesen. Sie beantragt eine Jugendstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten. Für den Verteidiger indes gehen die Auffassungen der Zeugen zu weit auseinander. Er will, dass die Jugendstrafe nicht 1 Jahr und 3 Monate überschreitet. Der Richter schließlich verurteilt den Angeklagten zu 2 Jahren Jugendhaft.

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k.gehrke@nordkurier.de

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