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Auf Knopfdruck kommt die Krankenschwester ins Haus

VonGudrun Herzberg

Betreute Wohnungen in Demmin sind Goldstaub. Es gibt lange Wartelisten. Die älteren Leute zieht es dorthin, wo Arzt und Verkaufsstelle um die Ecke sind. Muss noch gebaut werden?

Demmin.„Unsere Wohnung in Sommersdorf war ein Schmuckstück, mit einem großen Garten dabei. Aber jetzt wohne ich auch ganz prima, bin sehr zufrieden“, sagt Erika Ewald und zeigt stolz ihre zwei Zimmer mit Bad und Küche, direkt am Demminer Marktplatz. Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte sind nahezu um die Ecke. Wenn sie weiter weg muss, steht der Fahrdienst des DRK zur Verfügung.
„So habe ich mir das gewünscht im Alter und wenn man Geselligkeit möchte, hat man Nachbarn und kann die Veranstaltungen des DRK nutzen“, erzählt sie weiter. Versonnen schaut sie dabei auf ein großes Bild an der Wand. Es zeigt das alte Schulhaus in Sommersdorf. Dort ist sie 1951 mit ihrem Mann, der Lehrer war, eingezogen. „Es gab damals nur einen Klassenraum, in zwei Gruppen wurde unterrichtet“, erinnert sich die heute 83-Jährige. Später gab es hier eine Gemeindebibliothek. Nach dem Tod ihres Mannes musste Erika Ewald den großen Garten allein bewältigen. „Aber im Alter schafft man das nicht mehr und eigentlich wollte ich zu meiner Tochter ziehen. Aber sie wurde krank und ich entschloss mich zu einer betreuten Wohnung in Demmin“, sagt sie. Acht Monate musste sie warten, dann kam der Anruf von Angelika Behrens, der Mitarbeiterin des DRK-Kreisverbandes in Demmin. „Wir haben eine lange Warteliste, auf der stehen bis zu 60 Namen. Obwohl das noch nichts zu bedeuten hat, denn manch einer meldet so eine Wohnung bei verschiedenen Anbietern an, um schnell umziehen zu können“, meint Angelika Behrens. Manche haben Gründe, dann doch nicht umzuziehen. So rutschte Erika Ewald auf der Liste schnell hoch und erhielt 2010 ihre Wohnung am Demminer Markt. „Ich habe mich schnell entschieden und es nicht bereut“, sagt sie.
Auch die Volkssolidarität und die Arbeiterwohlfahrt bieten in Demmin betreute Wohnungen an. „Bis zu einem Dreivierteljahr muss man warten. Die Bewohner kommen zumeist aus dem ländlichen Bereich und drängen in die Stadt, weil sie nicht mehr mit Bus zum Arzt fahren wollen“, meint Thoralf Gehrke, Geschäftsführer der Volkssolidarität Aldema. Diese Erfahrung macht man auch bei der Arbeiterwohlfahrt. „Haus und Hof auf dem Dorf können meist nicht mehr bewirtschaftet werden, darum zieht es die Älteren in die Stadt“, schätzt Anne Kirsch von der AWO ein. Ein Trend, der noch anhält. Die Wohnungsgesellschaft in Demmin baut derzeit betreute Wohnungen.

Kontakt zur Autorin
g.herzberg@nordkurier.de

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