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Darguner spüren Schätze auf polnischer Müllhalde auf

Was die Gäste aus Dargun fanden, bestaunten abends die Besucher der Sonderausstellung im Heimatmuseum von Karlino.[KT_CREDIT] FOTO: Gerald Gräfe
Was die Gäste aus Dargun fanden, bestaunten abends die Besucher der Sonderausstellung im Heimatmuseum von Karlino.[KT_CREDIT] FOTO: Gerald Gräfe

VonGerald Gräfe

Die Klosterstädter graben in der deutschen Vergangenheit ihrer polnischen Partnerkommune Karlino. Eine ganze Sonderausstellung füllen die Funde.

Karlino.Darguns Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann war einfach nicht zu bremsen. Unerbittlich und mit Ausdauer, den pieksenden Mücken und dem von der geröteten Stirn herabrinnenden Schweiß trotzend, grub er sich immer tiefer in den nass-schweren Boden eines verlandeten Nebenarms des Flusses Persante. Mit großem Erfolg. Das Häuflein der arg rostigen Bierflaschenverschlüsse mit angeschlagenen Porzellanköpfen wuchs stetig an. Dazu gesellten sich rostige Nägel und Bolzen aller Größen, heute altertümlich anmutende Keramiksicherungen, die nostalgische Parfümflasche einer Edelmarke der „guten alten Zeit“ und vor allem Scherben über Scherben von Flaschen und Geschirr.
Allein mit seinen Bierflaschenverschlüssen könnte Graupmann den Grundstock eines „Pommerschen Biermuseums“ bilden. Auf den beschrifteten Porzellanköpfen waren die Namen von Brauereien aus Rummelsburg und Kolberg, aus Elbing und Köslin sowie von anderen „Durstlöschern“ weit östlich der Oder zu entziffern. Denn Graupmann und sieben weitere Darguner gruben sich im wahrsten Sinne des Wortes in die deutsche Vergangenheit ihrer polnischen Partnerkommune Karlino (Körlin) hinunter, immer tiefer in den Morast einer wilden Müllhalde.
Was sie und ihre polnischen Mitstreiter – echte und Hobby-Archäologen – fanden, das konnten die Bürger Karlinos am Abend bereits bestaunen. Im Heimatmuseum der hinter- bzw. westpommerschen Stadt wurde eine Sonderausstellung mit den „Schätzen von der Halde“ eröffnet, wie Karlinos Bürgermeister Waldemar Misko lächelnd meinte. Museumsdirektor Krystian Zalewski nahm die Schau der gereinigten Funde aus Modder und Morast mit Freude entgegen. Denn mit ihnen wächst zugleich die Ausstellungsfläche seines Hauses. „Für unsere Bürger ist das alles neu, weil es die für sie unbekannte deutsche Geschichte Karlinos ist“, betonte Vize-Bürgermeister Piotr Wos. Gerade die jüngere Generation interessiere sich für die Vergangenheit ihrer Heimat, die bis 1945 deutsch war.

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