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Das Navi spinnt: Plötzlich geht es nicht mehr weiter

L 271 zu: An den Durchlässen kommt altes Stahlrohr raus und Betonrohre rein. Viel Wasser macht den Bauleuten zu schaffen.
L 271 zu: An den Durchlässen kommt altes Stahlrohr raus und Betonrohre rein. Viel Wasser macht den Bauleuten zu schaffen.

Von Kirsten Gehrke

Wer jeden Tag aus Peeselin zur Arbeit nach Demmin fährt, ist schon vom Auto auf den Zug umgestiegen. Grund ist die Baustelle an der L 271.

Peeselin.Ratlos steht ein Unternehmer aus dem brandenburgischen Barnim vor der Baustelle. „Ich bin dann durch Peeselin, aber hier geht es ja auch nicht weiter“, meint er. Und nun? Sein Navi hat ihn in die Irre geführt. „Das kennt die Sperrung nicht.“ Die ausgeschilderte Umleitung in Burow hat er übersehen. „Ein Umleitungsschild jagt doch das andere“, sagt er fast entschuldigend, freut sich aber, dass ein Einheimischer ihm den Weg über Gnevkow nach Demmin beschreibt. Seit zwei Wochen ist die Landesstraße L 271 wegen Bauarbeiten zwischen Abfahrt Tentzerow Eiche und
2. Abfahrt Peeselin voll gesperrt. Das bis Ende Juni.
Kurt Balje fährt eigentlich jeden Dienstag und Donnerstag mit dem Bus zum Einkaufen nach Demmin. Doch das geht im Moment nicht. Der 89-Jährige muss auf den Zug ausweichen. Ihm sind die Tabletten ausgegangen. Nachbarin Jana Kasten fährt ihn zum Bahnhof nach Gnevkow und holt ihn am Nachmittag dort wieder ab. Schön ist es nicht, mit dieser Sperrung. „Es stört, wir müssen Riesenumwege fahren“, sagt die Altenpflegerin. „Aber die Straße soll ja fertig werden.“ Die Sozialstation, in der sie arbeitet, ist zwar in Burow. „Aber wir haben auch einen Patienten in Tentzerow.“ Statt einen Kilometer muss Jana Kasten jetzt etwa 17 Kilometer über Golchen fahren. „Wir wollen ihn weiter versorgen“, meint sie. Da buttert man ganz schön zu, bei den Spritpreisen. Für eine gewisse Zeit geht das.
Was nur ärgert sei, dass die teuer gebaute Baustraße nicht als Radweg liegen gelassene wird. So lange kämpfen die Peeseliner schon für einen sicheren Weg an der
L 271. „Damit hätte man uns entschädigen können.“ Von so einer Vollsperrung war vor Beginn der Arbeiten nie die Rede gewesen. Margot und Rudolf Aspik arrangieren sich mit der Situation. „Wir müssen das so hinnehmen“, meinen sie. Eine Straße könne man nun mal nicht von einem Tag auf den anderen fertig bauen. Margot Aspik hofft an ihren Sportwagen auf schönes Wetter. „Letztes Mal hat es aber geregnet, wir wollten versuchen, mit dem Rad durchzukommen“, sagt sie. Mittwochs hat sie in Tentzerow immer Gymnastik, montags leitet sie eine Seniorengruppe. Abends könnten sie versuchen, an der Baustelle vorbei zu kommen. „Die Bauarbeiter arbeiten nur bis sechs, wir beginnen um sechs.“ Am Montag indes musste diese Woche das Treffen im Nachbarort ausfallen.
„Wir haben dafür eine Radtour gemacht, von Perserin aus, zu viert.“ So ganz ohne Sport sei das sonst auch nichts. Wenn das Rentnerpaar aber nach Demmin muss, sind es über zehn Kilometer mehr. Margot Zepik musste gerade jetzt besonders häufig zum Zahnarzt in die Hansestadt. Noch weiter aber ist es für die beiden, wenn sie nach Hohenmocker zum Friedhof wollen – 22 km über Törpin oder 17 km über Golchen. Dabei können sie von Peeselin aus den Kirchturm sehen. Sie pflegen fünf Gräber und sind froh, dass sie nicht gießen müssen, dem Regen sei Dank. „Aber dafür sprießt das Unkraut“, meint Rudolf Zepik. „Da fährt man dann doch mal rum.“
Peter Kliefoth muss jetzt oft eine halbe Stunde früher los, wenn er seine Baustellen pünktlich erreichen will. Vor einem Jahr hat er sich als Baggerdienst selbstständig gemacht, erzählt seine Frau Kerstin Maier. Mit seinen Fahrzeugen mit Hängern kann er nur Richtung Burow aus dem Dorf raus. Aber sie müssen damit leben. Was ärgert sei, dass die Baufahrzeuge den Knüppeldamm kaputt fahren. Immer hin und her würden sie durchs Dorf kurven. „Dadurch hat die Straße ganz schön gelitten.“ Und laut sei es obendrein. „Sonst ist das immer so ruhig.“
Wer täglich zur Arbeit nach Demmin muss, ist jetzt schon auf den Zug ausgewichen, wie Jana Kasten weiß. Die Schüler kommen mit dem Linientaxi zur Schule, das über Gnevkow fährt. Wie Manfred Gaede, Einsatzleiter bei der Demminer Verkehrsgesellschaft (DVG), sagt, entstehen dadurch nicht viel längere Fahrzeiten. Wenn die Kinder sonst im Bus sitzen, geht die Route auch über Sarow.

Kontakt zur Autorin
k.gehrke@nordkurier.de

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