Februar 22, 2012
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Auto/Kfz von Robert Kiesel

Demmin: Autofahrer tanken lieber teuer statt Gas

Die Preise für Sprit und Diesel klettern weiter in die Höhe, ein Ende ist nicht in Sicht. Eine preiswerte Alternative dagegen scheint in der Gegend noch nicht angekommen zu sein.

Weniger als die Hälfte des Preises für den Liter Super
Weniger als die Hälfte des Preises für den Liter Super zahlen derzeit Autofahrer, die mit LPG oder Autogas fahren.
Foto: Robert Kiesel
Demmin (nk)  

Anke Gatzke versteht den Ärger ihrer Kunden. Knapp einen Euro und 70 muss sie den Besuchern der HEM-Tankstelle in Rustow derzeit für den Liter Super abkassieren, ein neues Preishoch. "Kein Wunder, dass da einige wütend sind", sagt die Angestellte. Dabei wird am unteren Ende des elektronischen Preistableau auch ein Kraftstoff für nur 80 Cent je Liter angezeigt. Darüber steht LPG - Liquefied Petroleum Gas - oder einfach nur Autogas.

 

Gas tanken und die Hälfte zahlen, dieser Verlockung verfallen aber noch immer nur sehr wenige der deutschen Autofahrer. Glaubt man Matthias Schmitting, Pressesprecher des Automobil-Club Deutschlands (ADAC) für Mecklenburg-Vorpommern, dann ist die Schmerzgrenze bei vielen noch immer nicht erreicht. "Von den 43 Millionen in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeugen sind rund 1,4 Prozent mit alternativen Kraftstoffen angetrieben", erklärt Schmitting. Unter diesen 1,4 Prozent sei das Flüssig- oder Autogas zwar mit 80 Prozent am stärksten vertreten, auf die Gesamtzahl gesehen ist ihr Anteil dennoch marginal.

 

Demmin gleicht einem weißen Fleck auf der Landkarte

 

Wenig überraschend macht da auch Demmin keine Ausnahme, im Gegenteil. Während das Netz Autogas-verkaufender Tankstellen in Deutschland immer breiter wird, bundesweit gibt es rund 6 200 Gas-Tankstellen, gleicht Demmin einem weißen Fleck auf der Tankkarte. Einzig die HEM-Tankstelle in Rustow bietet den Alternativkraftstoff an. Weitere Tankmöglichkeiten für Gas-Fahrer gibt es in Dargun, Neukalen, Jarmen oder Altentreptow.

 

Dabei sollte das derzeitige Preishoch, welches zukünftig wohl eher zur Normalität werden dürfte, die Nachfrage nach Alternativen zu Benzin und Diesel steigern. In den Werkstätten und Autohäusern ist davon aber nichts zu merken. Jens Pfennigsdorf, angestellt bei ATS Siemonsmeier erklärt, dass die Werkstatt bisher darauf verzichtet, "einen Umrüstservice für Motoren von Benzin oder Diesel auf Gas anzubieten." Die Nachfrage sei einfach zu gering und der Aufwand zu groß. So müssten dafür die Motorsteuergeräte extra umprogrammiert werden. Je nach Leistung des Antriebs kostet eine Umrüstung ab 2 500 Euro. Die müssen erstmal "herausgetankt" werden.

 

Nachfrage wird in Zukunft steigen, vermutet Deraix

 

Ähnlich sieht das Mathias Deraix vom Autohaus Deraix. Allerdings kann er schon von selbst vorgenommenen Umrüstungen berichten und glaubt, "dass die Nachfrage in Zukunft steigen wird." Mit Ausnahme von Demmin sei das Gas-Tankstellennetz in Deutschland gut ausgebaut, im europäischen Ausland lässt es sich mit Gas oft vollkommen problemlos umherreisen.

 

Rentieren kann sich die Investition in das eigene Gefährt vor allem für jene Autofahrer, die im Jahr mehr als 15 000 Kilometer zurücklegen. "Ist das über einen Zeitraum von fünf Jahren der Fall, hat man die Kosten für eine Umrüstung wieder heraus", erklärt Matthias Schmitting. Und auch für die Preisentwicklung gibt er Entwarnung. Zwar wird auch der Gaspreis nicht unbedingt sinken, im Vergleich zum Benzin wird die Ersparnis auf absehbare Zeit aber bei rund 50 Prozent liegen.

 

Zumindest bis zum 31. Dezember des Jahres 2018 wird er mit dieser Aussage wohl recht behalten. Dann läuft die vom Gesetzgeber gewährte Steuervergünstigung auf Flüssiggas aus und der Mineralölsteuersatz steigt von derzeit neun auf dann rund 21 Cent je Liter Autogas.

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