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Demmin verdreifacht die Pacht für Laubenpieper

Kleingärtner Rudi Wetzke freut sich über seine kleine Parzelle an der Demminer Badeanstalt und kann die Erhöhung nach eigener Aussage gut verschmerzen.  FOTO: Gudrun Herzberg
Kleingärtner Rudi Wetzke freut sich über seine kleine Parzelle an der Demminer Badeanstalt und kann die Erhöhung nach eigener Aussage gut verschmerzen. FOTO: Gudrun Herzberg

VonGudrun Herzberg

Gartenland wird teurer. Die Stadt will künftig 3 Cent statt einem Cent pro Quadratmeter. Lassen sich die Kleingärtner das gefallen? Liegen jetzt noch mehr Gärten in den Anlagen brach?

Demmin.„Ich habe noch nichts davon gehört, aber es ist nicht gut. Wir haben hier in der Anlage ohnehin schon genug Probleme“, sagt Martin Niedhoff. Er ist froh über seinen Kleingarten in der Demminer Anlage „Karl
Foerster“. „Wenn man eine Neubauwohnung hat, hat man ein Ziel, kommt raus und freut sich, wenn alles wächst im Garten“. Aber er ist sauer, weil die Verrohrung der Gräben an der Anlage nicht so funktioniert, wie sie sollte. Man kann die Anlage jetzt nicht mehr befahren und im benachbarten Badekanal gehen die Fische ein. „Das war so sicherlich nicht gedacht, aber mit der Verrohrung kippt die Wasserqualität. Da wird der Angelverein nicht mehr für viel Geld Fische einsetzen. Da muss die Stadt etwas tun, und wenn, dann für den höheren Pachtzins, der jetzt eingenommen werden soll“, meint er. Martin Niedhoff befürchtet, dass noch mehr ihren Garten abgeben werden.
Bislang wird je Quadratmeter im Jahr ein Cent gezahlt, ab 2014 sollen es drei Cent sein. „Die Haushaltslage ist schlecht. Durch die untere Rechtsaufsichtsbehörde sind wir angehalten, die Einnahmen zu verbessern“, begründet Bürgermeister Michael Koch die geplante Erhöhung. Die Hansestadt verpachtet derzeit 17 Hektar an private Pächter und 25 Hektar an Kleingartenvereine.
„Noch haben wir nichts Schriftliches, aber ich sehe das nicht so dramatisch“, meint Gisela Gawrych, Vorsitzende des Kleingartenvereins „Karl Foerster“. In anderen Städten sei der Pachtzins weit höher, da sei man in Demmin noch gut dran. Die etwa 15 Euro mehr im Jahr seien zu verschmerzen. Sorgen bereitet ihr ebenfalls der Graben an der Anlage. „Der rutscht immer mehr ab, da müssen wir etwas tun“, sagt sie und hat viele ihrer Mitglieder auf ihrer Seite. Aber der Zinssatz sei darum das kleinere Problem. Das sieht auch Rudi Wetzke so. „Ich habe nichts dagegen, dass die Pacht erhöht wird. Das ist nicht viel und kann noch bezahlt werden“, sagt der Rentner und schaut stolz auf seine Kartoffeln. Die sind auch in diesem Jahr wieder gut gewachsen. Von der Jarmener Straße fährt er in die Gartenanlage an der Badeanstalt und hat seine Freude daran.
Bei Sonnenschein wird überall gewerkelt. Das Unkraut wächst. Werner Künisch hilft seiner Enkeltochter im Garten. „Ich habe 40 Jahre lang auf Stuterhof einen Garten gehabt, aber jetzt wird das zu viel. Meiner Enkeltochter helfe ich gern. Die jungen Leute nehmen gern meinen Rat an“, freut er sich und lockert die Erde. Auch für die junge Familie sei es nicht von Bedeutung, dass sie jetzt ein paar Euro mehr zahlen sollen.

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g.herzberg@nordkurier.de

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