Februar 18, 2012
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Außenpolitik von Redaktion

Demminer Griechen kennen die Krise nur aus dem Urlaub

Für Alexandros Chalaitzidis und seine Geschwister Dajana und Wladimiros ist es unverständlich, dass Deutsche und Griechen auf der politischen Bühne derzeit so aufeinander losgehen. Sie setzen auf die alte Freundschaft beider Nationen und sehnen ein Ende der Krise herbei.  FOTO: Robert Kiesel [RS_CREDIT][RS_CREDIT]
Für Alexandros Chalaitzidis und seine Geschwister Dajana und Wladimiros ist es unverständlich, dass Deutsche und Griechen auf der politischen Bühne derzeit so aufeinander losgehen. Sie setzen auf die alte Freundschaft beider Nationen und sehnen ein Ende der Krise herbei. FOTO: Robert Kiesel [RS_CREDIT][RS_CREDIT]
Von unserem Redaktionsmitglied
Robert Kiesel

Griechische „Schuldensünder“ hier, deutsche „Zahlmeister“ dort. Die Freundschaft beider Länder durchlebt eine schwere Krise. Wie beurteilen die Demminer Griechen die Situation?

Demmin.Alexandros Chalaitzidis schüttelt den Kopf. „Angela Merkel als Hitler darzustellen, das ist verrückt“, findet der 18-Jährige. Wilde Blüten treibe der Streit, der auf politischer Ebene mehr und mehr zu eskalieren scheint. Alexandros hofft, dass sich Griechen und Deutsche auch in Zukunft gut verstehen. „Schließlich kann die Bevölkerung am wenigsten für die Situation“, erklärt er weiter.
Alexandros selbst kam im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern aus Thessaloniki nach Deutschland, fühlt sich hier zu Hause. Sein Geburtsland sieht er nur noch im Urlaub. Im August des vergangenen Jahres war er zu Gast in dem schon damals krisengeschütteltem Land. Jedoch, zu seiner großen Überraschung, war vor Ort davon nur wenig zu spüren. „Überall waren Menschen, die Kneipen, Bars, Restaurants, alle voll“, erinnert er sich. Von Depression keine Spur. Erst in Gesprächen mit Freunden und Bekannten bemerkte er ihre Sorgen. Immer höher klettern die Preise für Mieten und Lebensmittel, immer niedriger sinken die Löhne derer, die noch Arbeit haben. „Da gibt es Familien, die sitzen ohne Strom in ihren Wohnungen, weil sie ihn sich einfach nicht mehr leisten können“, erzählt Alexandros. Besonders ärgern ihn die immer wiederkehrenden Bilder aus Athen, in denen Randalierer auf Demonstrationen Schaden anrichten, der „ja auch irgendwie bezahlt werden muss“, erklärt Alexandros.
Seine große Hoffnung stützt er auf die Touristen. Sie sind schließlich die einzige Einnahmequelle des Landes mit den traumhaften Inseln. Der schlechte Ruf, unter dem die Griechen seit der Schuldenkrise nun leiden, könnte viele von einem Urlaub an der Ägäis abhalten. Letzten Endes aber glaubt Alexandros an die deutsch-griechische Freundschaft, die auch diese Krise überstehen wird.

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