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Der Landkreis stiehlt sich aus der Verantwortung

Der Wasserwanderrastplatz in Trittelwitz wird von Touristen und Einheimischen gut angenommen. Selbst im Mai legen hier schon Bootsurlauber an.  FOTO: Jana Otto
Der Wasserwanderrastplatz in Trittelwitz wird von Touristen und Einheimischen gut angenommen. Selbst im Mai legen hier schon Bootsurlauber an. FOTO: Jana Otto

VonJana Otto

Gepflegte Wasserwanderrastplätze sind ein gutes Aushängeschild für die Region. Die Kosten für die Unterhaltung und nun auch für Eisschäden müssen die Gemeinden allerdings selbst tragen.

Trittelwitz.Nadja Möller und Simon Stöveken sind gerade dabei, ihr Zelt abzubauen und die Kanus ins Wasser zu lassen. Eine Nacht haben die Urlauber aus Münster auf dem Gelände des Wasserwanderrastplatzes verbracht, nun neigt sich ihr Aufenthalt dem Ende. Die Peene sind sie von Verchen aus bis Loitz herunter- und wieder heraufgefahren. „Die Rastplätze, die es hier gibt, sind wirklich toll. Alles ist sauber und ordentlich“, schätzt Nadja Möller ein. Das haben die beiden Naturliebhaber auch schon anders erlebt.
Darum, dass die Wasserwanderrastplätze so gepflegt sind, kümmern sich die Gemeinden. Sie sorgen für saubere Sanitäreinrichtungen, mähen die Rasenflächen und entsorgen den Müll, der anfällt. Jetzt allerdings müssen sie sich auch noch um die Schwimmstege kümmern, die 2010 durch den ehemaligen Landkreis Demmin an einigen Stellen errichtet wurden. Die Gemeindevertreter in Schönfeld hatten auf ihrer jüngsten Sitzung einen entsprechenden Beschluss auf der Tagesordnung. Demnach bleiben die Schwimmstege zwar Eigentum des neuen Landkreises, die Gemeinde habe die „uneingeschränkte Zugänglichkeit“ sowie alle Kosten für den Betrieb und die Unterhaltung zu leisten. Außerdem könne der Landkreis den Steg jederzeit zurückfordern.
Begeistert reagierten die Gemeindevertreter auf diese Vereinbarung nicht. Zumal hinzukommt, dass die Gemeinde auch für Eisschäden aufkommen muss, weil die Versicherung des Landkreises diese nicht mit einschließt. Vorausgegangen war dem eine Aufforderung des Kreises, die Stege doch über Winter herauszuheben und sicher einzulagern.
„Das können wir uns gar nicht leisten. Dafür müssten wir ja einen Kran mieten“, sagte Bürgermeisterin Sabine Dietrich. Die Gemeindevertreter waren sich einig darüber, dass der Wasserwanderrastplatz in Trittelwitz eine Bereicherung für das Dorf ist und wichtig für die touristische Infrastruktur sei.
Doch mit den Erhaltungsmaßnahmen finanziell allein gelassen zu werden, stößt auf nur wenig Gegenliebe. Eine Alternative allerdings sehen die Abgeordneten nicht. „Wir kommen da nicht drumrum. Sonst nehmen sie uns den Schwimmsteg womöglich weg“, meinte die Bürgermeisterin.
Deshalb beschlossen die Gemeindevertreter den Abschluss dieses Nutzungsvertrages, wenn auch zähneknirschend.

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j.otto@nordkurier.de

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