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Disput über Altarbild geht weiter

Marlis Stolzenburg (links) hat in Archiven fast unbekannte Fotografien vom Darguner Altar und vom damaligen Gemälde in der Kirche erhalten.  FOTO: Gerald Gräfe
Marlis Stolzenburg (links) hat in Archiven fast unbekannte Fotografien vom Darguner Altar und vom damaligen Gemälde in der Kirche erhalten. FOTO: Gerald Gräfe

VonGerald Gräfe

Zwei gebürtige Dargunerinnen sind sich einig: Das Altarbild im Demminer Museum gehört in Darguns Schlosskirche. Sie haben Belege dafür.

Dargun/Demmin.Kurz stutzte Anne Sassenhagen: Ist es die richtige Stelle? War diese nicht größer? Dann ist sich die Frau absolut sicher: Die beiden rostigen Haken an der Westwand des nördlichen Querschiffes der Darguner Schlosskirche hielten das Ölbild mit der Kreuzigungsszene. Den Brand von 1945 überlebte es, weiß die Frau. Schließlich wohnte sie doch zu dieser Zeit im Darguner Schloss. Wohl noch in den frühen 1950er-Jahren hing die Leinwand an dieser Stelle, glaubt sich Anne Sassenhagen zu erinnern, auch wenn sie selbst in jenen Jahren nicht mehr die Kirchenruine betreten hatte.
Dass das Bild zum Barock-Altar gehörte, ist belegt (der Nordkurier berichtete). Marlis Stolzenburg glaubt, dass das Gemälde überdauert hat. 2009 wurde eine stark desolate Leinwand im Demminer Museum gefunden. „Das ist das alte Altarbild aus unserer Kirche“, freut sich die Frau. Sie führt Belege an: Drei Fotografien mit dem Barockaltar beziehungsweise dem Bild im Querschiff. In den frühen 1860er-Jahren stand der von Herzog Gustav Adolph von Mecklenburg-Güstrow gestiftete Altar nebst Bild noch in der Kirche. Einzelheiten des Gemäldes sind auf der Abbildung aber nicht zu erkennen.
Anders sieht es mit einem Foto aus der Mitte der 1920er-Jahre aus. Unverkennbar hängt ein Bild im Querschiff.Marlis Stolzenburgs Freundin Vera Fricke hat die Aufnahme technisch bearbeitet: Zwei Haken, ein Rahmen und vor allem Details des Gemäldes sind zu erkennen. Für Stolzenburg der sichtbare Beweis: Das Bild im Demminer Museum hing früher in Dargun. Freundin Anne Sassenhagen meint, dass es jenes Gemälde sein könnte, welches sie in ihrer Kindheit in St. Marien erblickte. Zweifel hat Pastor Klaus Hasenpusch. „Es könnte aus der Kirche stammen.“ Aber die Dimensionen von Raum und Bild scheinen nicht zu stimmen. Doch wenn geklärt ist, dass es das Darguner Altarbild ist und dieses restauriert wurde, gehöre es nach St. Marien zurück. Angesichts von Positionen und Begehrlichkeiten im Demminer Museum beziehungsweise in Nossendorf, wo man das Bild haben möchte, meint der Geistliche: „Aber einen Krieg ist das Bild auch nicht wert“.
Übrigens: Der NDR unternahm mit Anne Sassenhagen und Marlis Stolzenburg eine „Zeitreise“ auf den Spuren des Altarbildes. Zu sehen ist diese am Sonntag, dem
26. Mai, ab 19.30 Uhr im „Nordmagazin“ des Fernsehsenders N 3.

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