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Doppelbett im „Lokführerzimmer“

Der alte Bahnhof von Dargun, erbaut 1907 und als Bahnstation nach der Wende ausrangiert, ist heute eine Pension mit vier stilvoll gründerzeitlich gestalteten Gästezimmern – eine der originellsten Ferienunterkünfte der Region.  FOTO: Thoralf Plath
Der alte Bahnhof von Dargun, erbaut 1907 und als Bahnstation nach der Wende ausrangiert, ist heute eine Pension mit vier stilvoll gründerzeitlich gestalteten Gästezimmern – eine der originellsten Ferienunterkünfte der Region. FOTO: Thoralf Plath

VonThoralf Plath

Übernachten in der Mecklenburgischen Schweiz, das geht ganz klassisch im Hotel, günstig im Bungalow, naturnah auf dem Campingplatz. Oder nobel im Schloss. Doch immer mehr Gastgeber lassen sich etwas Besonderes einfallen für die Urlauber und bieten originelle Ferienunterkünfte an – vom ausrangierten Bahnhof bis zum Forsthaus.

Dargun.Bahnhof ist Darguns Bahnhof schon lange nicht mehr. Die Zugverbindung nach Malchin legte man nach der Wende still, auf einem Teil der Strecke fahren heute Touristen mit Draisinen durch die Landschaft. Doch während andere Bahnhöfe zu verfallen begannen, hatte der Darguner Glück: Ariana und Andreas Hübscher kauften den gründerzeitlichen Klinkerbau 2001, um dort eine zweite Gründerzeit zu beginnen: Sie bauten ihn zu einer schmucken Pension aus. „Zum Glück war das Gebäude selbst ohne grobe Veränderungen durch die hundert Jahre seiner Geschichte gekommen“, erinnert sich der Hausherr. Heute präsentiert sich der Kleinstadtbahnhof als schmucke Sehenswürdigkeit Darguns, so liebevoll wie detailversessen wiederhergerichtet. Sogar eine alte Bahnhofsuhr und einen originalen Fahrkartenautomaten besorgte Andreas Hübscher dafür. Die Pension bietet vier Zimmer, jedes unverwechselbar gestaltet, möbliert mit Jugendstil-Interieur und unter originellen Bezeichnungen firmierend wie „Amtmannzimmer“ oder „Lokomotivführerzimmer“. Die alte Gepäckaufbewahrung wurde zum Frühstücksraum, die Mitropa zum Café. Um einen Mangel an Gästen muss Familie Hübscher sich nicht sorgen. Urlauber mit Sinn fürs Individuelle lieben den alten Bahnhof. Und dass, obwohl die Klosterstadt nun nicht gerade an der Hauptstraße des MV-Tourismus liegt.
Cornelia Nieswandt vom Tourismusverband „Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See“ könnte noch etliche so origineller Ferienunterkünfte aufzählen. Die Alte Ausspanne etwa in Waldkendorf bei Gnoien, wo die Zimmer „Das gelbe Pferd“, „Die Rote Kuh“ oder „Die Gelbe Katze“ heißen und auch so aussehen, ein ganzes großes rohrgedecktes Fachwerkhaus voller Fantasie.
In den Zimmern gibt’s keine Fernseher, dafür alte Röhrenradios aus Opas Zeiten. Nett, oder? Das alles kombiniert mit einer soliden Internetseite, so ist das kleine Walkendörfchen dann nur noch einen Klick von der Welt entfernt und auch für Bayern und Westfalen zu entdecken. Tourismus 2013.
Cornelia Nieswandt möchte diese individuellen Unterkünfte nicht gleich einen touristischen Trend nennen, aber was in den letzten Jahren an Feriendomizilen entstanden sei in der Region, gehe schon deutlich diese Richtung, sagt sie. „Die Gäste werden anspruchsvoller. Und um Urlauber in das Hinterland von Mecklenburg-Vorpommern zu lockern, muss man sich hier etwas einfallen lassen. Wir haben halt nicht die Ostsee vor der Tür, den Müritz-Nationalpark oder die Kreidefelsen gleich nebenan. Das machen gute Gastgeber mit besonders stilvollen oder originellen Unterkünften wett. Und tolle Ideen, fantasievolle Ferienwohnungen, so etwas spricht sich unter Gästen schnell herum.“ Offerten wie das Ferienhaus „Windflüchter“ etwa in Neukalen, das Städtchen ist ja sonst auch nicht gerade eine Touristenhochburg. Dass die Inhaberin Renate Ipsen Floristmeisterin ist und ein echter Profi ihres Fachs, sieht man ihrem Ferienhaus an: Es wirkt wie ein kleines Märchenreich der Ideen. „Gäste, die so etwas einmal entdeckt haben, empfehlen es weiter“, weiß die Touristikerin. „Oder kommen selbst wieder“.
Und so gibt es immer mehr Beispiele in der Region zwischen Mecklenburgs malerischer Schweiz und Vorpommerns Flusstallandschaft, die aus dem Rahmen des Herkömmlichen fallen. Ausgebaute alte Dorfschulen, ehemalige Schafställe, frühere Herrenhäuser oder Forsthöfe, wie der von Familie Hübner bei Niendorf nahe Teterow. Unter dem sinnigen Motto „Ich weiß ein Haus am Wald“ wirbt es mit hundert Jahre altem Backstein, dem entspannten Blick ins Grüne und stilvoll eingerichteten Gästewohnungen, die auf Namen wie „Gänseblümchen“ hören.
Das Besondere muss gar nicht immer exklusiv und teuer sein. Im Flecken Basedower Höhe zwischen Malchin und dem Malchiner See steht ein blaues Holzhaus, Familie Seeck betreibt dort eine Ferienwohnung. Ganz einfach alles, eigentlich nichts Ungewöhnliches. Aber die gelernte Köchin beköstigt ihre Gäste, dass es eine Wonne ist. Mediterran angehaucht, mit einem Schuss Mecklenburg. Fast jede Saison ist ausgebucht, während Hotels in der Region bei 30 Prozent Auslastung herumkrepeln. Manchmal ist es nur die Lage. Der Ferienhof von Familie Schuh in Neu Vorwerk bei Demmin liegt allein im Tal der Peene, fast unmittelbar am Fluss. Kranichrufe. Pferde auf der Koppel. Rad fahren und paddeln. Mehr muss man einer Familie aus Köln mit Sinn für Natur doch nicht sagen.

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t.plath@nordkurier.de

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