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Ein Fest für die 14-Jährigen als Höhepunkt in der Familie

Demmin.Seit jeher haben die Menschen den eigenen Nachwuchs in würdiger Form in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen. Wie das geschieht, ist geprägt von der sozialen Struktur, von religiöser Zugehörigkeit. Unser Redaktionsmitglied Gudrun Herzberg sprach mit der Jugendberaterin der Jugendweihe Mecklenburg-Vorpommern, Angelika Borchardt.

Wie viele Jugendliche haben sich in diesem Jahr für die Jugendweihe entschieden?
Wir haben 440 Anmeldungen für die Bereiche Demmin, Altentreptow, Teterow, Stavenhagen, Malchin und Gnoien. Die Tendenz ist leicht steigend. Aus der Pestalozzischule in Demmin haben sich 90 Prozent der Jugendlichen für die Jugendweihe entschieden. Vom Demminer Gymnasium kommen 63 Teilnehmer. 55 Prozent der jungen Leute in der Region entscheiden sich für die Jugendweihe. Darum kann ich nach fast 25-jähriger Dienstzeit sagen, die Jugendweihe ist immer noch zeitgemäß. Die Teterower starten in diesem Jahr am 6. April.

Die Jugendweihe hat eine lange Tradition. Wie ist sie entstanden?
Die Geburtsstunde der Jugendweihe schlug in Nordhausen. Im Jahr 1852 organisierte Eduard Baltzer als Alternative zur Konfirmation oder Firmung für junge Leute, die sich keiner Religion verpflichtet fühlten, eine Feier, in deren Verlauf sie in die Reihen der Erwachsenen aufgenommen wurden.
Die Idee machte Schule und verbreitete sich in ganz Deutschland. In der Zeit des Nationalsozialismus fanden nur vereinzelt illegale Feiern statt. Nach der Teilung Deutschlands lebte die Feierform in der DDR erst Anfang der fünfziger Jahre wieder auf.
Nach der Wende wurde ein Interessenverein im Dezember 1990 gegründet. So haben Familien und junge Leute, die es wollen, die Möglichkeit, an der Jugendweihe teilzunehmen. Die Resonanz dafür ist nach wie vor groß.
Wie bereiten sich die jungen Leute auf diesen Tag vor?
Es gibt ein vielfältiges Angebot von Veranstaltungen. Dabei geht es rund um die Jugendweihe, um Themen wie Sex und Verhütung, Drogen, Sucht und Aids, um Schnupperkurse für die Fahrschule oder zum Tanzen. Der Erste-Hilfe-Kurs des DRK ist immer sehr beliebt, weil die Jugendlichen ihn für die Fahrschule nutzen können. In Malchin und Stavenhagen wurden die Tanzkurse sehr gut angenommen. Es werden auch Ausflugsreisen angeboten.

Welche Festredner wurden in diesem Jahr gewonnen?
Am 6. April wird die Bundestagsabgeordnete Heidrun Bluhm (Die Linke) zu den Jugendlichen sprechen. In Demmin übernimmt das am
13. April der stellvertretende Landrat Siegfried Konieczny (Die Linke).

Ist die Jugendweiheveranstaltung mit Kosten verbunden?
Ja, einen Beitrag von 114 Euro müssen wir pro Jugendlichen erheben, denn wir verfügen nicht über staatliche Mittel und sind auf die Elternbeiträge angewiesen. In Demmin und Stavenhagen können wir die Hallen für die Feierstunde kostenlos nutzen, woanders aber nicht.

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