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Ein gutes Gefühl, ein Lebensretter zu sein

Für Viola Kleinke (37) ist Blutspenden die einfachste Art, zu helfen. Von Krankenpfleger Robert Plettner ließ sie sich obendrein auch gern anzapfen. 70 Spender kamen am Sonnabend zur Sonderaktion in die Kita des DRK in Demmin. [KT_CREDIT] FOTO: Kirsten Gehrke
Für Viola Kleinke (37) ist Blutspenden die einfachste Art, zu helfen. Von Krankenpfleger Robert Plettner ließ sie sich obendrein auch gern anzapfen. 70 Spender kamen am Sonnabend zur Sonderaktion in die Kita des DRK in Demmin. [KT_CREDIT] FOTO: Kirsten Gehrke

Von Kirsten Gehrke

Blut braucht vielleicht jeder einmal, das sagten sich auch 70 Spender, die zu einer Sonderaktion des DRK-Kreisverbandes Demmin kamen. Einer darunter verband Arbeit gleich mit dem Guten.

Demmin.Ramona Hartmann hat allen Mut zusammengenommen. Die 42-jährige Verkäuferin aus Demmin spendete am Sonnabend zum ersten Mal Blut. „Eigentlich wollte ich das schon immer mal“, gab sie zu. Aber allein habe sie sich nie überwinden können. Da kam ihr die Sonderaktion am Sonnabend in der DRK-Kita jetzt gelegen. Ein bisschen aufgeregt vor dem Piks und dem Aderlass war sie schon. Sie wusste nicht, was auf sie zukommt. „Aber man will ja schließlich was Gutes tun.“ Das war auch das Motto des Familienfestes des DRK-Kreisverbandes, das ganz im Zeichen des Weltblutspendetages stand. Während die Kleinen ihren Ehrentag feierten, ließen sich ihre Eltern „anzapfen“.
Die Aktion ist voll aufgegangen. 70 Spender kamen, davon etwa 20 neue. Iris Kraus vom Blutspendedienst Mecklenburg-Vorpommern aus Neubrandenburg war begeistert. „Ich freue mich über die gute Resonanz“, sagte sie. Schon in den ersten zwei Stunden kamen 44 Spender, so dass es einen kleinen Stau gab. „Es wurde super angenommen.“ Obwohl es neben dem monatlichen Termin einer zusätzlicher war. Die Idee sei ja gewesen, Eltern der Kinder, die in der Kita „Kinderglück“ betreut werden, vom Aderlass zu überzeugen. „Die Eltern sind im blutspendefähigen Alter, deshalb hat der Kreisverband Demmin Werbung gemacht“, so Kraus.
Von sinkender Spendenbereitschaft wie an der Greifswalder Universitätsklinik sei in Demmin überhaupt nichts zu spüren. Aus Greifswald war vorige Woche der Hilferuf gekommen, dass es zu wenige Blutkonserven gibt und geplante Operationen verschoben werden mussten. So einen Engpass hat der Blutspendedienst in Neubrandenburg nicht. „Sicher, wir haben es auch gemerkt, dass über die Feiertage im Mai Spendentage ausgefallen sind“, meinte Kraus. Aber inzwischen habe sich die Situation wieder normalisiert. Festgestellt werde nur, dass es nicht mehr so viele junge Leute gibt, die spenden. Das rühre daher, dass in Berufsschulen und Gymnasien die geburtsschwachen Jahrgänge angekommen sind. Die Schülerzahlen seien zurückgegangen, so dass nicht mehr so viel Blutspende-Nachwuchs kommt. „Bei den Älteren ist irgendwann Schluss.“
Der Blutspendedienst versorge die Kliniken im Land. „Zu Demmin besteht ein sehr guter Kontakt“, sagte Kraus. Einmal im Quartal mache das Krankenhaus auch hier einen Spendentermin möglich.
Für Antje Eichbaum aus Demmin war es keine Frage, ob sie zur Sonderaktion kommt. 22 Mal hat sie schon Blut gespendet. „An einem Sonnabend ist es günstig, wenn man arbeiten muss.“ Sonst könne sie nur unregelmäßig spenden. Weil ihre Tochter in die Kita des DRK geht, hat sie die Gelegenheit jetzt genutzt. Auch Viola Kleinke (37) ließ sich „anzapfen“, zum 14. Mal. „Ich finde, das ist eine gute Sache, weil es die einfachste Art ist, zu helfen“, meinte sie. Der Tutower Siegfried Zander nutzt Termine in Demmin, wenn es passt. Er arbeitet in Dargun, da sei es günstig. Für die Sonderaktion sei er als langjähriger Spender vom DRK angerufen worden. „Dass es so voll ist, hätte ich nicht gedacht“, meinte er. Auch er war überrascht von der wahnsinnigen Resonanz. Zum
26. Mal gab er sein Blut ab.
Selbst Vize-Bürgermeister Kurt Kunze machte erst seinen Job als Offizieller von der Stadt beim Familienfest und legte sich dann auf die Liege. Er ist regelmäßiger Blutspender. „Das ist eine gute Sache, jeder kann in die Verlegenheit kommen und Blut brauchen“, meinte er. „Woher soll sonst das Blut kommen?“ Kunze hat jetzt 33 Mal seinen Lebenssaft schon zur Verfügung gestellt. Marlen Behrendt (34) wollte das auch. Sie hatte sich auf Bitten ihrer Mutter, die Erzieherin in der Kita ist, überwunden und allen Mut zusammengenommen, endlich einmal Blut zu spenden. Doch der Arzt gab kein Okay. Der Hämoglobinwert des Blutes hat nicht gestimmt. Also musste sie ihr Vorhaben verschieben.

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