Nordkurier.de

Ergreifender Bericht über das Leben in zwei Welten

Rainer Brack (linKs) möchte nach Perel weitere jüdische Künstler nach Dargun einladen. [KT_CREDIT] FOTO: Gerald Gräfe
Rainer Brack (linKs) möchte nach Perel weitere jüdische Künstler nach Dargun einladen. [KT_CREDIT] FOTO: Gerald Gräfe

Von unserem Mitarbeiter
Gerald Gräfe

Das Interesse war groß zur Lesung mit „Sally“ Perel, dem „Hitlerjungen Salo- mon“. Darguns Baptisten möchten auch künftig das Schicksal der Juden ihrer Stadt nicht vergessen lassen.

Dargun.Kürzlich klappte es doch noch: Salomon „Sally“ Perel stellte in der vormaligen Synagoge sich und seine Lebenserinnerungen als „Hitlerjunge Salomon“ vor: „Es ist eine Zeit, die nicht vergessen werden darf. Ich möchte erinnern und Erinnern heißt Leben.“ Der in Peine bei Braunschweig geborene deutsche Jude sprach über sein Leben in zwei Welten des Dritten Reiches, „in einer gespaltenen Seele“: „Ich kam an die Grenze des Selbsthasses. Ich wurde ein Hitlerjunge, mit allem, was damit verbunden war.“ „Sallys“ Erfahrung: „In der Masse gibt es kein kritisches Denken. Und so wird die Masse schnell zur Herde. Denn ohne ihre Uniformen waren sie alle normale Menschen und keine Monster, und das ist das Schreckliche.“
Rainer Brack, der Perel damals erfolglos zum vorjährigen Gedenken an die Reichspogromnacht einlud, sprach von einem „beeindruckend-bedrückenden Film“ über das Leben des Mannes, den die Baptisten im Bethaus auch aufführten. Perel stellte er den vielen Besuchern des Abends als „lebendiges Mahnmal“ vor.
Erinnern und Mahnen möchte seine Gemeinde auch weiterhin an die jüdischen Mitbürger Darguns, informierte Vorsteher Brack: So werden zur Wiederkehr der Reichspogromnacht am 9. November jüdische Künstler auftreten. Und die Baptisten könnten sich vorstellen, Schüler des Demminer Musikgymnasiums einzuladen. Diese erforschen das Leben des Musikers Hanning Schröder. Dessen jüdische Ehefrau Cora überlebte die letzten Jahre des Faschismus im Darguner Pfarrhaus. Vom 14. bis zum 25. April reisen die Schüler nach Israel, um ihre Forschungen vorzustellen. Gemeinsam mit jüdischen Altersgefährten üben sie Kompositionen von Schröder ein. Diese könnten im September beim Gegenbesuch der Israelis in Dargun erklingen, so Brack.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×