Februar 22, 2012
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Schulen von Redaktion

Erster Blick fällt auf den Vertretungsplan

Der Blick auf den Vertretungsplan gehört für viele Demminer Schüler zum Alltag. Auch Maria Rotzok und Claudia Napierala vom Goethe-Gymnasium kommen daran nicht vorbei.  FOTO: Robert Kiesel
Der Blick auf den Vertretungsplan gehört für viele Demminer Schüler zum Alltag. Auch Maria Rotzok und Claudia Napierala vom Goethe-Gymnasium kommen daran nicht vorbei. FOTO: Robert Kiesel
Von unserem Redaktionsmitglied
Robert Kiesel

Was Schüler mit gemischten Gefühlen betrachten mögen, bereitet den Schulleitungen ernsthafte Sorgen. Krankheitsbedingte Ausfälle ihrer Lehrkräfte zwingen zur Improvisation, Vertretungen können nicht immer organisiert werden, Stunden fallen aus.

Demmin.Zum Beispiel am Goethe-Gymnasium. Dort konnte Schulleiter Roland Heiden nach den zweiwöchigen Winterferien drei der insgesamt 45 Lehrer seines Kollegiums wegen Krankheit nicht im Dienst begrüßen. Sie zu ersetzen ist schwer bis unmöglich, zumal die Vertretung inhaltlichen Ansprüchen genügen soll. „Reine Beschäftigungsstunden machen in meinen Augen keinen Sinn“, erklärt dazu Roland Heiden. In einigen Fachrichtungen, wie Arbeit-Wirtschaft-Technik oder Sport sowie Kunst sieht es da schlecht aus. Spezialisierte Lehrer sind in diesen Fachbereichen ohnehin Mangelware, fachgerechte Vertretung kaum möglich. Von Notmaßnahmen wie Klassenzusammenlegungen hält Heiden aber auch nichts. „50 bis 60 Schüler in einem Raum, da kommt am Ende nichts bei raus“, sagt der Schulleiter. In letzter Konsequenz bleibt dann nur der Ausfall. „Wir versuchen ausfallende Stunden an das Ende eines Schultages zu legen, so ersparen wir den Schülern wenigstens den Leerlauf mitten am Tag“, erklärt Heiden weiter. „Lehrerfrei“ am Gymnasium sozusagen.
Die Gründe für die Misere? Zu einer ohnehin knapp kalkulierten Personalbesetzung gesellt sich der Altersschnitt der Kollegen, den Roland Heiden „bei um die 50 Jahre“ ansiedelt. Und damit liegt er noch gut. Dörte Bretsch, Leiterin der Pestalozzi-Schule, beziffert den Altersschnitt ihres 28-köpfigen Kollegiums auf aktuell 53 Jahre, in der Reuter-Schule sind es derzeit 50,5 Jahre. Tendenz steigend. Denn: Regelungen zum Vorruhestand oder Altersteilzeit wurden vom Bildungsministerium außer Kraft gesetzt. Einzige Ausnahme sind die Kollegen an den Beruflichen Schulen. Alle anderen müssen bis zum Eintritt ins Rentenalter vor den Klassen stehen. Klar, dass der Krankenstand da steigt. Nicht nur Dörte Bretsch weiß: „Gerade bei den älteren Kollegen nehmen die langfristigen Erkrankungen zu.“ Fällt ein Lehrer aus, verteilt sich die Last auf die Schultern vieler anderer. „Im letzten halben Jahr mussten wir auf zwei Kollegen verzichten, dafür haben wir zehn andere Lehrer hochgestuft und den Ausfall so ausgeglichen“, erklärt Dörte Bretsch. Alle drei Monate hätten die Kollegen neue Arbeitsverträge erhalten, bei einigen wurde die Wochenarbeitszeit von 18 auf 27 Stunden hochgestuft. Eigens für die Vertretungsstunden kamen die Kollegen aus umliegenden Schulen in Dargun, Tützpatz oder Altentreptow nach Demmin.
Einzig an der Zille-Grundschule gibt es definitiv keine ausfallenden Stunden. Das liegt aber nicht an einer Überversorgung mit Lehrern, sondern an den Fahrtwegen der noch jungen Schüler. „Die können wir nicht einfach so nach Hause schicken“, erklärt Holger Falck, stellvertretender Schulleiter.

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