
| Wohltätigkeit |
von Jana Otto
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„Die meisten Leute wissen nur, wo ein Tierheim ist, wenn sie selbst ein Tier abgeben wollen“, sagt Kerstin Lenz etwas resigniert. Dass die Demminer Tierschützerin aus Erfahrung spricht, wird klar, wenn man sich auf dem Gelände des Demminer Tierheimes in Randow umschaut. Denn gerade in diesen Tagen tummeln sich hier Meerschweinchen, Kaninchen, Vögel und elf Hunde. Und damit hat das Tierheim seine Kapazitätsgrenze erreicht.
Während noch vor Weihnachten viele Interessierte kamen und sich für einen Vierbeiner entschieden haben, findet momentan kaum jemand den Weg hierher. „Dafür klingelt mehrmals täglich das Telefon und Leute fragen, ob sie ihren Hund hier herbringen können“, sagt Tierheimleiterin Kerstin Lenz. Und auch, wenn es ihr nicht leicht fällt, muss sie allen Interessenten derzeit absagen. „Mehr geht wirklich nicht“, schätzt sie ein, während sie sich zwei Neuzugänge anschaut. Ein junger Mann hat soeben zwei Vögel in einem Käfig gebracht. Aus gesundheitlichen Gründen trennt er sich von den Tieren, nicht leichtfertig, denn schon als kleiner Junge habe er Vögel gezüchtet. Die beiden kleinen Vögel stellt Kerstin Lenz samt Vogelbauer in die große Voliere auf dem Hof. Ob sie wohl schnell Anschluss zu ihren Artgenossen finden? „Das dauert keine halbe Stunde“, sagt Kerstin Lenz zuversichtlich.
Die Trennung ist oft nicht freiwillig
So wie bei dem jungen Mann sind es oft gesundheitliche Gründe, die Menschen dazu bringen, sich von ihren Tieren zu trennen. Doch auch ein Umzug oder Veränderungen in der Familie hört Kerstin Lenz oft als Anlass. „Es liegt jedenfalls nie an dem Tier. Viele denken ja immer noch, dass hier nur verhaltensgestörte Hunde landen. Doch das ist nicht so“, beteuert die Leiterin des Tierheims. Ganz im Gegenteil. Die meisten ihrer Schützlinge sind gut erzogen, auch wenn sie einräumt, dass nicht jeder Besitzer sich so um sein Tier kümmert, wie sie es sich wünschte. „Dabei ist es so einfach, ein Tier zu erziehen. Man muss nur konsequent sein. Erst neulich hatte ich einen Labrador hier, der es in fünf Minuten gelernt hat, vernünftig an der Leine zu gehen“, erzählt Kerstin Lenz, die regelmäßig Seminare besucht, um sich weiterzubilden.
Die Mentalität einiger Menschen, ein Tier wie einen Gegenstand einfach abzugeben, wenn es umbequem ist, scheint ein Phänomen zu sein, dass sich in den vergangenen Jahren verstärkt hat. Deutlich wird das an den Zahlen: Während ein Hund beispielsweise vor zwei Jahren noch eine durchschnittliche Verweildauer von 30 Tage hatte, bleiben die Vierbeiner heute manchmal dreimal so lange im Tierheim, bevor sie einen neuen Besitzer finden. Trotz individueller und sehr liebevoller Betreuung kann ein Tier damit allein nicht überleben. Während ein kleiner Hund im Monat mit 30 Euro Aufwand zu Buche schlägt, braucht ein großer schon das Doppelte, weshalb das Tierheim immer auch auf Spenden angewiesen ist. Und selbst mit einer Vermittlung ist die Arbeit der Tierschützer, die alle ehrenamtlich helfen und sich über jede Art von Unterstützung freuen, längst nicht zu Ende. „Tierschutz heißt Herz und Verstand einsetzen“, sagt Kerstin Lenz und erzählt, dass sie nach der Vermittlung auch Nachkontrollen macht, um zu schauen, ob es den Tieren bei den neuen Besitzern auch gut geht.
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