Februar 20, 2012
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Brauchtum von Redaktion

„Es wird Zeit, dass ich entthront werde“

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Die kunterbunten und ausgelassenen Freizeit-Hippies ließen ihren Wagen beim Umzug sichtbar „schweben“.
Von unserem Mitarbeiter
Gerald Gräfe

Die Sunny Boys vom Darguner Elferrat lassen den nachmittäglichen Regenschauer auf die Narrenkappen der Jecken in der Klosterstadt schnell vergessen.

Dargun/Demmin.Sturm auf sein Rotes Rathaus und fortan eine monarchistische Narren-Diktatur am Klostersee? Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann wurde bei solcherart Verkündigungen über den „Nordkurier“ nicht bange: In einem exklusiven Blitz-Interview betonte er: „Es wird Zeit, dass ich endlich entthront werde.“ Doch folgte schnell der Zusatz: „Aber nur für drei Tage.“ Denn, dabei mit Lachen auf den Lippen und schalkhaft blitzenden Augen, „am Wochenende passiert in Dargun sowieso nicht viel.“
Solcherart gelöst übergab Graupmann mit lockerem Antlitz und mit ebenso lockeren Sprüchen die Schlüssel der Stadt an Prinzessin Christin I. und deren Prinzgemahl Stefan II. als Regenten des 29. Darguner Karnevals der Neuzeit. Seine Ängste als „gestürztes“ Stadtoberhaupt schienen gering gewesen zu sein, als er das Monarchen-Paar bat: „Seid nachsichtig mit uns armen Sünderlein und werft auch mich nicht gleich in den Turm hinein.“
Als Ausgleich dafür empfahl sich Graupmann als Berater der Narren-Regenten: „So will ich Euch versprechen, wenn Ihr findet Gefallen am Regieren, werd ich Euch nach meiner Amtszeit dann auf den Bürgermeisterstuhl 2018 in Dargun führen.“ Eine ähnliche Entwicklungshilfe erging an Büttenredner „Buer Robert“. Der hatte einen Pressewart bei Propst Hasenpusch moniert. Dem könne Abhilfe geschaffen werden, meinte der entthronte Bürgermeister spontan: „Wenn der Propst seinen Pressesprecher hat, dann will ich auch einen.“ Den Posten bot er dem Büttenredner des Darguner Karnevalvereins (DKV) an. Dem würde er dann auch rasch verklickern, dass Orte bis 10000 Einwohner alles Dörfer sind, also auch Dargun. „Buer Robert“ hatte beim Geldausgeben in Dargun moniert: „Man süll uns Buern dor bi nich vergäten.“ Für Graupmann ein leicht nachvollziehbares Wehklagen: „Jeder Bauer wird schon mit einem Stein auf seiner Brust geboren.“
Bauer, sprich Buer Robert scherzte angesichts der vier Umzugswagen: „Ich hätte wohl fast jeden Guten Tag sagen können.“ Up Platt räsonierte der DKV-Schalk über zweibeinige Pleitegeier, die heldenhafte „Löwen“-Angie und argwöhnte angesichts von Euro- und Griechenland-Pleite: „Die wievielte Null erscheint nun noch nach der Billion?“ Zum Rücktritt von Bundespräsident Wulff lamentierte er in der Bütt über die „Sensationsgeilheit“ der Medien. Der Großkreis Mecklenburgische Seenplatte sei größer als das Saarland. Also könne man Kreis-Gebiete abtreten. An erster Stelle rangiere „Feuerland“, eine Kleinstadt nahe Darguns, wo dauernd Brände lodern. Bei beständigem Nieselregen fand die Karnevals-Eröffnung statt. Der Stimmung auf den Wagen tat das keinen Abbruch: Eine ganze Riege von Sandmännern versprach märchenhafte Träume unterm Sternenhimmel. Die Handballfrauen entsandten ihre „Bienchen aus Dargünschien“. Kunterbunte Hippies ließen ihren Wagen regelrecht schweben und auf der Arche Noah fehlten nur noch die „Krähen“. Dies schwarze Getier wollte man tags darauf in Neukalen einkassieren.
Manch Karnevalist bekam seine „Zipfelmütze“ gleich mehrfach unfreiwillig vom Regen gewaschen. Doch beim abendlichen Faschingsball gab es dafür die Revanche: Frau Sonne aus dem DKV-Wetterhaus ließ ihre Neffen, die „Sunny Boys“ vom Elferrat, auflaufen. Spätestens bei deren Darbietung schmolz „Frosti“ auf der anderen Seite der Wetterwarte dahin, wurde per Feudel aufgenommen und auf Nimmer Wiedersehen im Wischeimer ausgewrungen.
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