Februar 23, 2012
Drucken 
Landkreise/Kreisfreie Städte von Georg Wagner

Extrem nasse Zeit im Fokus der Politik

Seit Jahrzehnten gab es in der Region nicht solche Überschwemmungen wie im vergangenen Sommer. Jetzt hat der Landwirtschaftsausschuss eine Aufarbeitung versucht.

Seenplatte (nk)  

Ein so ungewöhnliches Hochwasser wie das des Sommers 2011 lässt sich nicht verhindern, aber man sollte für den Wiederholungsfall Maßnahmen ergreifen. Darüber herrschte am Dienstagabend in Demmin im Kreistagsausschuss für Landwirtschaft und Ländliche Räume Einigkeit. Flexibleres Krauten zählt dazu, Überprüfung hydraulischer Schwachstellen, ein stärkeres Bewusstsein der Bürger für die eigene Verantwortung, eine Kleingartenkonzeption für Niedermoorgebiete.


Es könne nicht sein, dass man Grünland einfach überfluten lasse. „Wir müssen“, forderte Ausschussmitglied Rainer Tietböhl (SPD), „um jeden Hektar kämpfen.“
Das Hochwasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr hing vor allem mit den starken Niederschlägen im Juli zusammen. „Dafür kann man keine Infrastrukturauslegen“, stellte Bodo Heise vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) fest. In den Ausführungen Heises spiegelte sich noch einmal die ganzeDramatik der damaligen Entwicklung wider – komprimiert in Statistiken, Diagramme und Bilder. Dagegen vorgehen konnte das Amt nach seiner Darstellung kaum. Denn an den Wehren waren die maximalen Stauziele überschritten oder das Wasser floss bereits um sie herum. „Dann kann man nichts mehr regulieren.“


Welche Unmengen Wasser die Gewässer führten, das hat das Amt errechnet. Im Kummerower und Malchiner See wurden laut Heise rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser „zwischengespeichert“, das dann in die Landschaft floss, in den mecklenburgischen Oberseen waren es gut 33 Millionen Kubikmeter, im Tollensesee etwa 3,2 Millionen. Dazu kam der Zufluss in den Flüssen, wobei an der Peene die Lage durch das geringe Gefälle von nur 24 Zentimetern auf einer Länge von 84 Kilometern erschwert wurde. „Wir hatten noch Glück, dass stetiger Südwestwind herrschte“, stellte Heise fest. Denn ansonsten hätte sich die Peene bei steigenden Ostseewasserständen noch stark zurückstauen können.
Bis heute hat sich der Wasserhaushalt nach Angaben des Experten nicht normalisiert. Zwar sind die Pegel in den Seen und Flüssen wieder gefallen, doch nach wie vor herrschen in der Region hohe Grundwasserstände, noch gesteigert durch die nassen Monate Dezember und Januar.


Heise räumte zugleich einige Vorwürfe gegen das Amt aus. So sei mangelndes Krauten nicht die Ursache für das starke Hochwasser gewesen. Denn Kraut spiele nur eine Rolle, solange das Wasser im Flussbett bleibe. Bei Überschwemmungen des Umlandes werde der Fließquerschnitt so groß, dass es praktisch zu vernachlässigen sei. Und auch den Vorwurf der Untätigkeit wies Heise zurück. Denn schon seit dem Hochwasser von 2007 habe man aus der Tollense in mehreren Bauabschnitten Sediment entnommen und dafür rund 800000 Euro investiert.
CDU-Fraktionschef Thomas Diener verwies in der Ausschusssitzung dennoch auf organisatorische Schwachstellen. So habe die Zusammenarbeit mit manchen Wasser- und Bodenverbänden geklappt, mit anderen nicht. „Es liegt nicht immer nur am Geld, sondern teils auch an den Köpfen.“

Bookmark and Share
Nachrichten aus
Kontakt

Demminer Zeitung

Rudolf-Breitscheid-Straße 25
17109 Demmin
Telefon: 0180 3 0280-83
Fax: 03998 2808-28
E-Mail: red-demmin@nordkurier.de