Sa. 18. August 2012
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Thema der Woche: Heimat von Jana Otto

Für die Kinder zurück an den See

Fünf Jahre lang lebten und arbeiteten Dagmar und Christian Neubert in Niedersachsen. Doch heimisch geworden sind sie dort nicht. Vielmehr war Bad Nenndorf ein „Zuhause auf Zeit.“

Dagmar Neubert ist in Sommersdorf zu Hause. „Heimat ist für mich das Dorf und vielleicht noch ein Stückchen drumherum“, sagt die junge Mutter. Deshalb kehrte sie aus der Fremde zurück in ihr kleines Dorf. Hier lebt sie mit Ehemann Christian, Tochter Dorle und Sohn Hanno.
Dagmar Neubert ist in Sommersdorf zu Hause. „Heimat ist für mich das Dorf und vielleicht noch ein Stückchen drumherum“, sagt die junge Mutter. Deshalb kehrte sie aus der Fremde zurück in ihr kleines Dorf. Hier lebt sie mit Ehemann Christian, Tochter Dorle und Sohn Hanno.
Foto: Jana Otto
Sommersdorf (jot)  

„Ich wollte meine Kinder dort bekommen, wo ich mich selbst am wohlsten fühle, eben zu Hause“, sagt Dagmar Neubert. Deshalb kehrte sie nach fünf Jahren Niedersachsen den Rücken und kehrte in ihre Heimat nach Sommersdorf zurück. Hier ist die junge Frau aufgewachsen, hier hat sie ihre Wurzeln, die sie selbst hunderte Kilometer fern dieser Heimat immer gespürt hat.

Nach ihrem Studium der Verwaltung verließ Dagmar Neubert den ihr so vertrauten Ort. Nicht ganz freiwillig, vielmehr aus einer Notwendigkeit heraus, wie sie sagt. „Ich habe in Güstrow studiert und vom Innenministerium kam bis zum Ende der Ausbildung keine klare Aussage, wie es weitergehen wird.“ Arbeitslos zu Hause zu sitzen, kam für sie nicht in Frage. Deshalb bemühte sie sich um einen Job, bewarb sich auf freie Stellen. Schließlich kam eine Zusage aus Niedersachsen. „Die wollten mich und dann sind wir dorthin“, erinnert sich Dagmar Neubert. Ihr damaliger Freund und späterer Ehemann Christian, der ebenfalls aus unserer Region stammt, hatte keine Mühe, als gelernter Gas-Wasser-Installateur in Bad Nenndorf einen Job zu bekommen und ging mit.

Natur und vor allem den Kummerower See vermisst

Obwohl die jungen Leute schnell Kontakt fanden und, wie Dagmar Neubert erzählt, auch von den Kollegen gut aufgenommen wurden, fassten sie nicht so richtig Fuß. Und das ganz bewusst. „Für mich stand fest, dass ich wieder zurückgehe und deshalb wollte ich mich nicht groß binden. Sonst wäre mir der Abschied, bei dem ich wusste, dass er kommen wird, vielleicht doch schwergefallen.“ In regelmäßigen Abständen, etwa alle drei bis vier Wochen, kehrten Dagmar und Christian Neubert nach Sommersdorf zurück. Und je näher sie kamen, umso größer sei das Kribbeln gewesen, das Dagmar verspürte. „In Kummerow habe ich dann immer zu Christian gesagt: Ich kann den See schon riechen, du auch?“ Ein herzliches Lachen erfüllt sie, bei dem Gedanken daran.

Heimat, sagt sie, sei eben ihr zu Hause, der Hof, auf dem sie und ihre Schwester groß geworden sind. „Hier lebt meine Familie, hier sind meine Freunde, hier fühle ich mich geborgen“, begründet sie. Fünf Jahre gingen ins Land. Dagmar Neubert wurde in ihrem Job zur Beamtin auf Lebenszeit ernannt und auch ihr Freund war beruflich erfolgreich. „Uns ging es gut“, meint sie. Allerdings habe sie auch immer Heimweh verspürt. Nicht nur die Familie und engen Vertrauten fehlten, auch vermisste sie die , den sie von zu Hause aus sehen kann. „Ich habe es als Kind schon kaum im Ferienlager ausgehalten.“

Als dann für das junge Paar der Zeitpunkt gekommen war, eine Familie zu gründen, war klar, dass sie ihre Zelte in Niedersachsen abbrechen. „Das war für uns das Sprungbrett nach Hause.“ Tochter Dorle kündigte sich an und als Dagmar Neubert in den Mutterschutz ging, kamen sie zurück. „Im Westen allein zu zweit mit Kind, das wäre für uns sehr schwer geworden. Zumal wir es uns finanziell nicht hätten leisten können, dass einer zu Hause bleibt. Und auch die Betreuungsmöglichkeiten waren nicht so wie hier“. Entscheidender aber für die beiden war, dass sie ihre Kinder im Schoße der Familie aufwachsen lassen wollten. „Unsere Eltern sollten ja was von ihren Enkeln haben.“

Mit Rückkehr Einbußen im Beruf hingenommen

Dafür, wieder in die Heimat zurückkehren zu können, haben Dagmar und Christian Neubert Einbußen hingenommen, allerdings ausschließlich beruflicher Natur. Denn auch nach fünf Jahren hatte sich die Arbeitsmarktsituation hier nicht verändert. „Notfalls wären wir nach der Elternzeit wieder zurückgekehrt“. Doch dieser Notfall trat glücklicherweise nicht ein. Beide fanden Jobs, wenn auch nicht unbedingt ihrer Qualifikation entsprechend. „Christian ist der Meinung, wer arbeiten will, der findet auch was. Er hat sich die gelben Seiten geschnappt und nach Arbeitgebern gesucht.“

Mittlerweile ist die Familie gewachsen, vor einem guten Jahr wurde Sohn Hanno geboren. Dagmar Neubert freut sich täglich darüber, dass ihre Kinder hier in Sommersdorf aufwachsen können, so wie sie einst selber. „Ich bin eben ein sehr bodenständiger Typ. Und wir haben es sehr schön hier und leben dort, wo andere Urlaub machen.“ Ob sie sich vorstellen könnte, ihre Heimat noch einmal zu verlassen? „Nicht länger als zehn Tage“, sagt Dagmar Neubert lachend.

Heimat ist für mich...
... ein sehr emotionaler Begriff und bedeutet so viel wie „zu Hause“. Ich bin sehr gerne in Greifswald-Wieck, wo ich geboren wurde und bis zu meinem 15. Lebensjahr lebte. Wenn ich durch den Garten neben der Kirche gehe, fühle ich mich gleich wieder wie „zu Hause“. In Zemmin wohnte ich bis 1978. Hier befinden sich die Gräber meiner Eltern, so dass ich diesen Ort regelmäßig aufsuche. Meine Heimat ist aber jetzt ganz eindeutig Demmin. Hier wohne ich mit meiner Familie seit 1978. Hier haben wir viele Freunde und Bekannte. Durch mein Amt als Bürgermeister ist mir die Stadt mit ihren Menschen besonders ans Herz gewachsen. Ich bin hier zu Hause!
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