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Für Stiefmütterchen wird die Zeit knapp

Von unserem Redaktionsmitglied
Georg Wagner

Die Gärtnereien können liefern, die Stadtwerke stehen in den Startlöchern. Noch aber präsentieren sich die städtischen Anlagen blütenlos.

Demmin.Lange mussten sie warten, doch jetzt herrscht Zuversicht. „Nächste Woche“, meint Elena Tolkac, „geht es los.“ Wenn offenes Wetter herrsche und die Temperaturen wenigstens leicht über Null liegen, dann wird das zu einer gefragten Ware, was in anderen Jahren schon vor Ostern reißenden Absatz findet: Stiefmütterchen. „Dann gehen sie kistenweise weg“, hofft Elena Tolkac.
Sie ist Verkäuferin in der Filiale des Jarmener Gärtnereibetriebes Eberhard Vorpahl am Demminer
Geselliusplatz und sieht das Geschäft für den erhofften Ansturm gerüstet. Der Stammbetrieb in Jarmen hat frische Ware angeliefert, Stiefmütterchen prangen in allen Farbnuancen in der Auslage vor dem Schaufenster. Es fehlt nur eines: offenes Wetter ohne Nachtfröste.
Die haben in diesem Jahr das Pflanzen der Frühblüher stark behindert. Während das Erdreich noch nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn quasi tiefgefroren da lag, warteten Betriebe wie die Demminer Stadtwerke vor den Feiertagen vergeblich darauf, die Stadt der Jahreszeit gemäß verschönern zu können. Rund 2000 Stiefmütterchen pflanzen sie im Auftrag des Rathauses alljährlich ein, am Markt beispielsweise, am Luisentor, am Bünningufer. „Normalerweise“, sagt Prokurist Karsten Behrens, „hätten wir sie um diese Zeit schon gepflanzt.“ Ob es in diesem Jahr aber wenigstens mit Verspätung noch klappen wird, ist derzeit offen. Falls sich das Wetter in den nächsten vierzehn Tagen nicht ändere, werde man eventuell gleich mit der Zweitbepflanzung beginnen müssen, meint Behrens. Primeln statt Stiefmütterchen lautet dann die Devise.
Für die Stadtwerke wäre das kein Problem. Finanzielle Ausfälle würden dem Unternehmen dadurch nicht entstehen. Denn die Blumen bestellen sie nicht selbst und die fehlende Arbeit konnte laut Karsten Behrens bislang noch ausgeglichen werden. „Die Saisonkräfte haben wir noch nicht geholt und die Stammkräfte konnten wir anders einsetzen“, sagt er.
Wie aber sieht es im Rathaus aus? 2000 Stiefmütterchen lassen sich nicht einfach im Blumenladen abholen, sie müssen bestellt und damit auch bezahlt werden – Wetter hin oder her.
Doch auch bei der Demminer Stadtverwaltung sieht man das bislang gelassen. „Wir haben noch nichts bestellt“, gibt Bauamtsleiter Dietmar Schmidt Entwarnung hinsichtlich möglicher finanzieller Einbußen. Grund: Bestellungen seien erst mit einem rechtskräftigen Haushalt möglich, der aber steht noch aus. Zwar sei der Etat der Stadt mittlerweile genehmigt, doch noch fehlt die amtliche öffentliche Bekanntmachung. Die soll erst in den nächsten Tagen erfolgen. Ansonsten, gibt Schmidt zu, hätte man bereits Blumen bestellt. So aber bleibe der Stadt ein finanzieller Verlust erspart.
Und vielleicht, wer weiß, kommen ja rund ums Rathaus doch noch Stiefmütterchen in die Erde. Elena Tolkac jedenfalls ist davon überzeugt. Denn die Temperaturen sollen steigen und Vorrat sei da, in den Jarmener Gewächshäusern.

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