Februar 20, 2012
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Geschichte von Mike Hartmann

Geschenk der Eiszeit: Die Mecklenburgische Schweiz

Die eiszeitlich geprägte Landschaft lädt zu Entdeckungen ein. So sind bei Hohenmocker und Neukalen Stauchmoränen zu erleben. Die Helpter Berge bei Woldegk und die Halbinsel Jasmund auf Rügen sind auf ähnliche Weise entstanden.

Der Bornberg an der B 104 bei Remplin ist Teil des Naturschutzgebietes „Stauchmoräne bei Remplin“
Der Bornberg an der B 104 bei Remplin ist Teil des Naturschutzgebietes „Stauchmoräne bei Remplin“
Foto: Mike Hartmann
Demmin. (NK)  

Mecklenburg-Vorpommern ist aus erdgeschichtlicher Sicht noch sehr jung. Große Teile des Landes erhielten ihre landschaftliche Prägung im Eiszeitalter, im Pleistozän, genauer gesagt in den jüngsten Abschnitten der Weichselkaltzeit, die vor etwa 10000 Jahren v. Chr. endete. Sie sind während der Weichsel-Vereisung im Verlauf von 5000 Jahren dreimal mit Eis bedeckt worden.
Zu den wichtigsten Bildungen des Eisrandes gehören die Endmoränen mit den vorgelagerten Sandern. Sie unterscheiden sich deutlich von der einst gletscherbedeckten Grundmoräne durch starke Reliefe. Endmoränen stellen den jeweiligen Außenrand eines Inlandgletschers dar. Am besten und fast lückenlos ausgebildet ist der Endmoränenzug der Pommerschen Haupteisrandlage, auch Innere Baltische Endmoräne genannt. Sie entstand vor 15000 Jahren v. Chr. und bildet den nördlichen Abhang des Mecklenburgischen Landrückens. Bestimmende Merkmale dieser Eiszeitlandschaft sind jedoch die isoliert auftretenden Stauchmoränen, die die Höhen der Eisrandlagen zum Teil deutlich übertreffen. Im Zentrum unseres Bundeslandes findet man mehrere dieser eindrucksvoll ausgeprägten Vollformen. Es handelt sich zum einen ums sogenannte Hohenbüssower Stauchungsmassiv zwischen Golchen und Hohenmocker und um die Mecklenburgische Schweiz.
DieMecklenburgische Schweiz beginnt gleich südlich von Neukalen und erstreckt sich entlang den Westufern von Kummerower und Malchiner See bis nach Burg Schlitz, wo sie auf die Endmoränengabel des Pommerschen Stadiums stößt. Ihre Entstehung dürfte durch das Zusammenschieben von älteren Sedimenten im Untergrund sowie durch das Absetzen dieser in Folge von Überfrachtung des Gletschers zu erklären sein. Zu denken wäre auch an lokale Stauchvorgänge beim Gletschervorstoß.
Diese Stauchmoränen sind beim weiteren Vorstoß des Gletschers wieder mit Eis bedeckt worden. Vor etwa 14000 Jahren v. Chr. wurde die Landschaft unseres heutigen Bundeslandes durch einen späteiszeitlichen Gletschervorstoß erneut überformt. Doch war dieser Gletscher nicht so mächtig. Erreichte das Inlandeis früherer Vergletscherungen in Skandinavien eine Dicke von bis zu 3000 Metern, nimmt man für das Eis des sogenannten Mecklenburger Stadiums deutlich geringere Höhen an.
Da sich das Eis vielfach über Dauerfrostgebiete bewegte, nahm es verhältnismäßig wenig Schutt auf, weshalb die Randlagen des Vorstoßes nur in Ausnahmefällen gut entwickelt sind. Der Gletscher passte sich weitgehend dem vorgefundenen Gelände an. Nur dort, wo größere Höhen Widerstand leisteten, schob er Schuttmassen zusammen. Die im Pommerschen Stadium gestauchten Höhenrücken im Hinterland von Eisrandlagen sind vom Gletscher des Mecklenburger Vorstoßes nur noch umfahren worden.
Südlich der Stadt Neukalen, zwischen Retzow, Pohnstorf, Schlakendorf und Salem hat der Mecklenburger Vorstoß eine Endmoräne ausgebildet. Im Gegensatz zur Satz-Endmoräne, die im Gleichgewicht zwischen Abschmelzen und Vorrücken des Eises gebildet wurde, entstand hier eine Stauch-Endmoräne. Der Außenrand des Gletschers ist hier auf ein Hindernis gestoßen, das er nicht mehr überwinden konnte. Dabei wurde der vorgelagerte Untergrund aufgeschoben und gestaucht. So entstand der eindrucksvolle Höhenrücken im Nordteil der Mecklenburgischen Schweiz mit Stauchwällen und erheblich gestörten Lagerungsverhältnissen. Mit 124,5 Meter ist der Hardtberg südlich von Pohnstorf die höchste Erhebung der Mecklenburgischen Schweiz. Vom Hexenplatz bei Salem hat man einen herrlichen Blick über den Kummerower See und die angrenzende Grundmoränenlandschaft. Am Nordende des Hexenplatzes liegen die Trollsteine als Reste einer kleinen Blockpackung. In Stauch-Endmoränen findet man häufig Geschiebemergel im Wechsel mit Sanden, Kiesen, aber auch Schluffen und Tonen. Dies belegen Kiesaufschlüsse von Neukalen und Karnitz sowie die Schlakendorfer Tongruben.
Ähnlich entstandene Stauchmoränen sind die Helpter Berge, die Kühlung und die Halbinsel Jasmund auf Rügen mit ihrer beeindruckenden Kreideküste. Bei letztgenannter wurden teilweise Gesteine des Untergrundes durch Gletscherbewegungen nach oben gepresst und in die Grundmoräne eingeschuppt.

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