Ein Bild mit Symbolkraft: Der Bahnhof Demmin verschwindet beinahe hinter einem Stapel Betonschwellen, die von einer rückgebauten Strecke stammen. [RS_CREDIT] FOTO: Thoralf Plath
Von unserem Redaktionsmitglied Thoralf Plath
Wie der Demminer Bahnhof wieder zu einer würdigen Visitenkarte der Hansestadt werden könnte, da herrscht im Moment die große Ratlosigkeit bei Kommune und DB. Doch es gibt auch gute Nachrichten zu vermelden: Die Bahn will in diesem Jahr das Vordach sanieren lassen.
Demmin.Zwischen Licht und Schatten liegen auf Demmins Bahnhof nur wenige Schritte. Die Schalterhalle glänzt wie aus dem Ei gepellt, in der Ecke stehen Blumen und wer hier Fahrkarten löst, wird nicht nur freundlich bedient, sondern bekommt auch noch manchen Sondertarif-Tipp gratis. Die Halle ist das Revier der Reiseagentur von Lothar Hardt. Zufriedene Kunden sind gut fürs Geschäft. Wer dann die Tür zu den Bahnsteigen öffnet, betritt eine andere Welt. Es ist die Welt der Deutschen Bahn AG. Hier stehen keine Blumenkübel, die ständen nicht lange. Der Bahnhof wird um 17 Uhr abgeschlossen, die Bahnsteige bleiben geöffnet. Rund um die Uhr. Für alle. Auch für jene, die ihren Müll neben die Papierkörbe schmeißen, Flaschen zertrümmern und Graffiti an die Klinkerfassade schmieren. Aus Langeweile. Aus Frust. Man weiß es nicht. Auf der internen DB-Sauberkeitsskala rangiert der Demminer Bahnhof mittlerweile als Schmuddelkind der Region, das gibt Rudolf Althoff, Chef des Bahnhofsmanagements Stralsund, unumwunden zu. Trotzdem soll nun investiert werden: Die Bahn AG will in diesem Jahr das hölzerne Vordach über dem Wartebereich sanieren. Da müsse dringend etwas geschehen, unabhängig von den Verschmutzungen, sagt Althoff: „Wir haben das schon eine ganze Weile vor, das Dach sieht schlimm aus. Aber es gibt halt einen großen Investitionsbedarf auf vielen Bahnhöfen, darum geht es nicht ohne Prioritäten. Jetzt ist Demmin eingeplant, und wir wollen im Frühling damit beginnen.“ Technisch ist das etwas heikel, denn das Holz der Überdachung wurde bei der letzten Renovierung mit einem Anstrich angepinselt, auf dem jetzt nichts mehr haftet. „Darum blättert die Farbe dort überall so ab. Wir untersuchen im Moment, wie man das technisch am besten hin bekommt.“ Gemessen am Gesamtzustand mutet diese Frage eher nebensächlich an. Auch die hochgelobte Ordnungspartnerschaft erscheint da machtlos. Denn die seit Jahren von den Lenkern des DB-Konzerns gefahrene Strategie, alles zu privatisieren und auszulagern, was nicht mehr lukrativ scheint oder ins eigene Geschäftsmodell passt, den Rest abzureißen, vergammeln zu lassen und nur das Profitable zu halten – erst diese Strategie hat Demmins Bahnhof auf das Abstellgleis geschoben. Das privatisierte Gebäude hat einen Eigentümer, der angeblich in Luxemburg sitzt und seinen Besitz von einer Firma bei Leipzig bewirtschaften lässt – nur seinen Besitz, wohlgemerkt. Die Bahnsteige schon nicht. Die liegen nach wie vor in Zuständigkeit der Bahn AG. Wie auch das Vordach. Und jeder fegt vor seiner Tür. Etwaige Nachfragen von Mietern, die die leer stehende ehemalige Mitropa nutzen möchten, gibt es nach Auskunft des Gebäudemanagements seit Jahren nicht – trotz Sonderkonditionen. Das wäre für die allgemeine Sauberkeit im Außenbereich sicher erträglicher als eine behördliche Ordnungspartnerschaft, meinen nicht wenige Demminer. „Wir sind hier noch vergleichsweise gut dran, weil im Bahnhof die Familie Albrecht wohnt, die das Taxiunternehmen betreibt, das hier sehr zweckmäßig angesiedelt ist“, schreibt Günter Kretschmer in einem Leserbrief an die Redaktion. Ohne diese Präsenz wäre der Bahnhof noch mehr sich selbst überlassen. Und sähe ohne Eigeninitiative wie der des Reiseservice Hardt vermutlich noch viel schlimmer aus.