Bodo Heise (rechts) vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt erläuterte dem Ausschuss die Entwicklung des Sommerhochwassers und die wasserwirtschaftlichen Details. FOTO: Goerg Wagner
Von unserem Redaktionsmitglied Georg Wagner
Wasser gab es viel im vergangenen Sommer, Diskussionen um die Ursachen gleichfalls. Jetzt hat der Landwirtschaftsausschuss eine Aufarbeitung versucht.
Demmin.Ein so ungewöhnliches Hochwasser wie das des vergangenen Sommers lässt sich zwar nicht verhindern, aber man sollte mögliche Maßnahmen zur Eindämmung ergreifen. Darüber herrschte Einigkeit gestern Abend im Kreistagsausschuss für Landwirtschaft und Ländliche Räume. Flexibleres Krauten zählt dazu, Überprüfung hydraulischer Schwachstellen, ein stärkeres Bewusstsein der Bürger für die eigene Verantwortung, eine Kleingartenkonzeption für Niedermoorgebiete, Krauten der Gewässer auch wenn sie wie die Trebel von Renaturierungsflächen umgeben sind. Es könne nicht sein, das man Grünland einfach überfluten lasse. „Wir müssen“, forderte Ausschussmitglied Rainer Tietböhl (SPD), „um jeden Hektar kämpfen.“ Ein Hochwasser im Sommer wie dieses hatte es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Es hing vor allem mit den starken Niederschlägen im Juli zusammen. „Für solche Niederschläge“, stellte Bodo Heise vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) fest, „kann man die Infrastruktur nicht auslegen.“ In Neubrandenburg etwa habe der Wert im Juli um 400 Prozent über dem langjährigen Mittel gelegen, in Varchentin sogar um mehr als 500 Prozent. Schon bei der ersten Welle um den 21. Juli herum brachte der Regen nach Heises Darstellung das 2,8-Fache dessen, was es sonst im ganzen Juli regnet. „Das wird von den Gewässern dann nicht mehr aufgenommen, jedenfalls nicht schadlos.“ Eine Woche später gab es erneut heftige Schauer. Zu dem Zeitpunkt waren die Böden bereits vollständig mit Wasser gesättigt. Folge: Es floss sofort ab. In diesen Ausführungen Heises spiegelte sich gestern Abend noch einmal die ganze Dramatik der damaligen Entwicklung wider – komprimiert in Statistiken, Diagramme und Bilder. Ein vom Wasser des Neubrandenburger Oberbachs überspülter Gehweg war beispielsweise auf die Leinwand projiziert, das bis zur Kante stehende Wasser im Neukalener Hafen, ein Luftbild, das Burg Klempenow zeigte wie auf einer Insel mitten im Wasser der über die Ufer getretenen Tollense. Angesichts dessen könne man wohl kaum sagen, dass Anlieger oberhalb oder unterhalb mehr betroffen gewesen seien, sagte Heise. „Die haben alle gleich gelitten.“ Dagegen vorgehen konnte das Amt nach seiner Darstellung kaum. Denn an den Wehren waren die maximalen Stauziele überschritten oder das Wasser floss bereits um sie herum. „Dann kann man nichts mehr regulieren.“ Welche Unmengen Wasser die Gewässer führten, das hat das Amt errechnet. Im Kummerower und Malchiner See wurden laut Heise rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser „zwischengespeichert“, das dann in die Landschaft floss, in den mecklenburgischen Oberseen waren es gut 33 Millionen Kubikmeter, im Tollensesee etwa 3,2 Millionen. Dazu kam der Zufluss in den Flüssen, wobei an der Peene überdies die Lage durch das geringe Gefälle von nur 24 Zentimetern auf einer Länge von 84 Kilometern erschwert wurde. „Wir hatten noch Glück, dass stetiger Südwestwind herrschte“, stellte Heise fest. Denn ansonsten hätte sich die Peene bei steigenden Ostseewasserständen noch stark zurückstauen können. Bis heute hat sich der Wasserhaushalt nicht völlig normalisiert. Zwar sind die Wasserstände in den Seen und Flüssen wieder gefallen, doch nach wie vor herrschen in der Region hohe Grundwasserstände. Unabhängig vom Sommerhochwasser wird derzeit wegen der nassen Monate Dezember und Januar ein Anstieg des Grundwasserpegels verzeichnet, so Heise. Er räumte zugleich einige Vorwürfe gegen das Amt aus. So sei mangelndes Krauten nicht die Ursache für das starke Hochwasser gewesen. Denn Kraut spiele nur eine Rolle, solange das Wasser im Flussbett bleibe. Bei Überschwemmungen des Umlandes werde der Fließquerschnitt so groß, dass es praktisch zu vernachlässigen sei. Und auch den Vorwurf der Untätigkeit wies Heise zurück. Denn schon seit dem Hochwasser von 2007 habe man aus der Tollense in mehreren Bauabschnitten Sediment entnommen und dafür rund 800000 Euro investiert. „Das ist richtig viel Geld.“ Allerdings ist Geld nicht alles. „Es gibt nicht nur hydraulische, sondern auch organisatorische Schwachstellen“, fand Thomas Diener (CDU). So habe die Zusammenarbeit mit manchen Wasser- und Bodenverbänden geklappt, mit anderen nicht. „Es liegt nicht immer nur am Geld, sondern teils auch an den Köpfen.“ Solche Schwachstellen zu beseitigen, das sehen sowohl das StALU als auch der Ausschuss als kommende Aufgaben.