Nordkurier.de

Hochwasser bedroht auch Ferienträume an der Peene

VonGeorg Wagner

Die Tourismussaison ist in der Region angelaufen. Hinter ihr aber stehen noch Fragezeichen.

Verchen.Als Fährmann Rüdiger Lange schon nicht mehr recht an Kundschaft glaubt, fährt an der Verchener Marina ein Neubrandenburger Wagen vor. Drei ältere Herrschaften entsteigen ihm. Sie wollen hinüber zur Gaststätte Aalbude und Lange kann den Katamaran starten. Beeilen muss er sich an diesem frühen Freitagnachmittag nicht. Denn noch herrscht weitgehend Stille an der Peene. Segel- und Motorboote liegen an ihren Liegeplätzen vertäut, draußen auf dem See glitzert die Wasserfläche leer im Sonnenlicht.
So bleiben wird es nicht. Gegen Abend rechnet Rüdiger Lange mit mehr Besuchern, und falls sich das heitere Wetter über das Wochenende halten sollte, dann, dessen kann er sich sicher sein, wird er zu tun bekommen. Tagesausflügler streben dann ebenso zu dem Flecken am Übergang des Sees in die Peene wie Urlauber.
Deren Saison ist mittlerweile wieder angelaufen. „Das ist zu merken“, sagt die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Mecklenburgische Schweiz, Christin Hannemann. Erst am Donnerstag war sie am Kummerower See unterwegs, um mit Gastgebern über das Geschäft zu sprechen. Das läuft beispielsweise im Hotel Gravelotte durchaus zur Zufriedenheit: „Ordentlich.“
So ist es im Verbandsgebiet auch angelaufen, zumindest im ersten Vierteljahr, wie Christin Hannemann aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes weiß. Die hat sie erst jetzt bekommen und sie zieht daraus eine positive Bilanz. „Wir hatten ein Plus gegenüber dem Vorjahr und im Januar liefen die Vorbuchungen super, mehr als im Jahr zuvor.“ Doch Christin Hannemann kann sich auch ausrechnen, dass die nächsten Quartalszahlen nicht mehr ganz so sonnig ausfallen werden. Schuld daran ist das lange anhaltende kalte Wetter. Der Knick zu Ostern, sagt sie, „tut weh. Das müssen wir aufholen.“ Denn das „Polster“ vom Jahresbeginn ist längst wieder abgeschmolzen. Jetzt liege man um neun Prozent hinter dem Vorjahr und habe 56 Prozent des gesamten Buchungsaufkommens. „Die andere Hälfte muss im Lauf des Jahres kommen.“
Ob das der Fall sein wird, da ist auch die von Berufs wegen eigentlich optimistische Geschäftsführerin etwas skeptisch. Denn die Hochwasserkatastrophe im Süden könnte sich auch auf das Tourismusgeschäft in der Region auswirken. „Die Hälfte unserer Quellgebiete steht zur Zeit unter Wasser“, beobachtet Christin Hannemann die Entwicklung. „Das macht uns schon nachdenklich. Wir hoffen, dass die Leute ihren Urlaub nicht nur zum Aufräumen verwenden müssen.“ Verstehen könnte sie es aber, wenn entsprechende Stornierungen kämen. „Wenn ich selbst betroffen wäre, könnte ich mir nicht vorstellen, Haus und Hof links liegen zu lassen und in Urlaub zu fahren.“
Zu spüren bekäme das dann wohl auch Ingo Ernst. Der frühere Naturparkführer hat sich im vergangenen Jahr in Verchen selbstständig gemacht und betreibt seither ein Info-Center mit Kanuverleih, Solarboottouren und „Peene-Safaris“. Nach einem zähen Anlaufen habe er jetzt einen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr, sagt er. „So langsam scheint mein Versuch einer Vernetzung am See zu fruchten“, sagt er, glaubt aber auch, dass der See und das obere Peenetal noch viel zu unbekannt seien. Sie bräuchten ein stärkeres Marketing. Denn gerade diese Region, sagt Ingo Ernst, sei einmalig. „In Deutschland gibt es wahrscheinlich nicht viele Leute, die wie ich in drei Stunden so seltene Tierarten wie Biber, Seeadler, Fischadler und Eisvogel zeigen können.“

Kontakt zum Autor
g.wagner@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×