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Kreis schickt Demmin auf Kurs nach Neustrelitz

VonGeorg Wagner

Für die Beruflichen Schulen wird es eng, sie leiden unter „Schülerschwund“. Um sie zu erhalten, will der Kreis mit Außenstellen arbeiten.

Neubrandenburg.Der schwarz lackierte Sportwagen eines bayerischen Herstellers wirkt wie neu, doch der Eindruck täuscht. Tatsächlich hat der PS-starke Roadster in der „Werkstatt“ der Beruflichen Schule in Demmin fast zehn Jahre unter der Haube. Was jedoch für manch andere derartige Einrichtung ein Fortschritt wäre, erntet in Demmin fast mitleidige Blicke. „Eigentlich ist er zu alt“, sagt Ingo Griebsch, der den „Laborbereich“ leitet.
Er weiß, warum er den Weg von Wolgast auf sich nimmt. Hier findet er Arbeitsbedingungen auf der Höhe der Zeit. Der Demminer Schule ebenso wie der Malchiner, zu der sie gehört, fehlt nur eines: genügend Auszubildende. Zusammen kommen sie laut Schulleiter Norbert Köhler auf 840 Schüler. Mindestens 1000 aber wären nötig.
Schließen will der Landkreis die Schulen dennoch nicht. „In unserem großflächigen Kreis muss man auch die Wege betrachten“, so der Vorsitzende des Bildungsausschusses, Rüdiger Bretschneider (SPD). Zudem seien hohe Investitionen in die Kabinette geflossen.
Wie der parallel tagende Wirtschaftsausschuss schlug der Bildungsausschuss deshalb im Rahmen der Entwicklungsplanung für Berufliche Schulen einen anderen Weg vor. Demmin soll eine Außenstelle der Berufsschule in Neustrelitz, Malchin mit seinem Fachgymnasium als Außenstelle Waren zugeordnet werden. Beide Berufsschulen in Neubrandenburg haben noch ausreichend Schüler, könnten aber in Zukunft zusammengelegt werden. So könnten alle Standorte bleiben. „Man muss sehen, wie es sich entwickelt“, sagt Bretschneider. „Man weiß ja nie genau, wie die Berufsschüler sich entscheiden.“
Zu diesen Umstrukturierungen kommen aber auch fachliche Konzentrationen. Dabei steht der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Gespräch mit dem Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald. Unter anderem sollen in Zukunft die Steuerfachangestellten in Greifswald lernen, der Bau in der Seenplatte. „Das hat nicht so sehr zur Zufriedenheit der Schulleiter beigetragen, aber wir müssen uns einigen“, sagt Bretschneider.
Entscheiden über den Schulentwicklungsplan wird der Kreistag. Er wird sich um eines keine Gedanken machen müssen: die Besetzung mit Lehrern. Denn zum einen ist das Sache des Landes und zum anderen gibt es offenbar noch keinen gravierenden Engpass. Derzeit besteht laut Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) landesweit ein Bedarf von 20 Lehrkräften an Beruflichen Schulen. Bis zum Ende des Jahrzehnts werde der auf 115 ansteigen. Die Studiendauer eingerechnet, meint er, „könnte es mit einiger Anstrengung gelingen, die Lücke zu schließen. Aber es wird relativ knapp.“

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