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Kreis strickt eilig am Bibo-Netz

Was steht wo? Der Gang zwischen den Bücherregalen in der Stille der Bibliothek gehört für viele Nutzer noch dazu. Teilweise ist die Suche aber auch schon digital möglich.  FOTO: Georg Wagner
Was steht wo? Der Gang zwischen den Bücherregalen in der Stille der Bibliothek gehört für viele Nutzer noch dazu. Teilweise ist die Suche aber auch schon digital möglich. FOTO: Georg Wagner

Von unserem Redaktionsmitglied
Georg Wagner

Ein Projekt soll die öffentlichen Büchereien stärken und erhalten. Einfach ist das nicht. Es gibt auch Kritik daran.

Demmin/Malchin/Waren.Wer in der Hansebibliothek Demmin oder Malchiner Stadtbibliothek nach Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ sucht, muss nicht unbedingt zwischen Bücherregalen pilgern. Einige Klicks am heimischen Computer genügen, um sich via Online-Katalog die jeweiligen Medien zu erschließen. Seit 2011 ist in Malchin der gesamte Bestand auf diese Weise verfügbar, in Demmin, damals vom Brand schwer geschädigt, werden die Titel derzeit erfasst. Mehr als 6000 lassen sich bereits online sichten.
So weit sind indes längst nicht alle im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Die Warener Stadtbibliothek etwa, mit rund 47000 Büchern, Hörbüchern, Videos und anderem eine der größeren Einrichtungen, hat bislang keinen Online-Katalog. Das sähe der Landkreis wohl gern anders. Denn er plant mit Hilfe von Geldern aus dem europäischen Förderprogramm Leader den Aufbau eines Bibliothekennetzwerkes. Dabei soll nicht nur ein digitaler Verbund entstehen, sondern es sollen auch gleichartige Standards geschaffen werden und in Zeiten knapper Gelder ebenso wie eines wirtschaftlich und demografisch immer schwierigeren Umfeldes Überlebenschancen auch für kleinere Einrichtungen entstehen. Die Anschaffung neuer Software etwa könne im Verbund billiger kommen, fügt die Leader-Regionalmanagerin in Neustrelitz, Bettina Wilhelm-Wiehle schließlich hinzu.
Aus dem Verfügungsrahmen der Lokalen Aktionsgruppe Mecklenburg-Strelitz wird das insgesamt rund 31000 Euro kostende Projekt unterstützt. Dort war es noch vor der Kreisgebietsreform auch entstanden. „Dann sagte aber der neue Landkreis, die Probleme gibt es überall“, so Bettina Wilhelm-Wiehle. In der Folge wurde das Projekt ausgeweitet.
Jetzt ist Eile geboten. Am 13. März gab die Kreisverwaltung den Zuschlag für die Umsetzung an die Beratungsfirma CIMA, bis Ende Juli will diese die Arbeit beenden. Um dabei möglichst die Interessen der Nutzer zu berücksichtigen, läuft eine telefonische Umfrage (der Nordkurier berichtete), über eine zusätzlich geplante Internetseite sollen Bürger künftig ihre Anregungen einbringen können.
Doch so vielversprechend das klingen mag, es gibt auch Kritik daran. Viele der von der Firma abgefragten Daten, meint etwa die Demminer Bibliotheksleiterin Bärbel Welke, seien längst vorhanden. Nämlich bei der Fachstelle der Öffentlichen Bibliotheken in Rostock. Dort sind die Jahresstatistiken der einzelnen Einrichtungen ebenso öffentlich zugänglich wie Übersichten, Online-Kataloge oder allgemeine Informationen Zudem müssten für Investitionen beispielsweise in neue Technik nicht der Landkreis, sondern die Träger der Bibliotheken aufkommen, in der Regel die Städte. Das ist auch Bettina Wilhelm-Wiehle bewusst.
Doch nach ihrer Auskunft sollen zum einen mehr Aspekte als die bei der Fachstelle gesammelten Daten in das Projekt einfließen und zum anderen sei die Idee dazu von Bürgermeistern an sie herangetragen worden. „Wir sehen uns als eine Art übergeordnete Behörde, die das Ganze bündeln soll“, sagt sie.
Zumindest in Malchin findet das Zustimmung. „Es ist die richtige Richtung, weil wir auf Landesebene nicht weiterkommen“, sagt die dortige Bibliotheksleiterin, Petra Dinse. „Da ist es schön, wenn wenigstens der Landkreis ein Zeichen setzt.“

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g.wagner@nordkurier.de

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