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Leuchtturm erhält Schönheitskur

Klaus Tietböhl züchtet Kaninchen, hier präsentiert er seinen Zuchtbock. [KT_CREDIT] FOTO: Kerstin Pöller
Klaus Tietböhl züchtet Kaninchen, hier präsentiert er seinen Zuchtbock. [KT_CREDIT] FOTO: Kerstin Pöller

VonKerstin Pöller

Von Sandstrahlerei bis Maschinentechnik, in Sternfeld scheint das Geschäftsleben zu blühen. Fünf bodenständige Unternehmer sind im kleinen Dorf angesiedelt.

Sternfeld.Drei Bedeutungen in der Astronomie gibt es für Sternfeld: Ein Mondkrater, eine Testfläche der Stellarstatistik und die Deutlichkeit, mit der sich Sternhaufen vom Sternenhintergrund abheben. Drei Ortsteile, die so heißen, gibt es deutschlandweit: unser in der Gemeinde Hohenmocker, der in der Gemeinde Bartow, ebenfalls im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, und ein Ortsteil der Gemeinde Osburg im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Und hiesiges Sternfeld hat wiederum drei Ortsteile: Sternfeld, Sternfeld-Bahnhof und Sternfeld-Siedlung.
Bei den Betrieben sprengt das mit gerade mal 85 Menschen bevölkerte Dörfchen mit 32 Häusern jedoch die Zahl drei: Mit der Transport- und Handelsfirma Bernd Kroos, der Sandstrahlerei gleich neben dem Bahnhof, der Hengststation Hennig, dem Landwirtschaftsunternehmen Constien sowie der Demminer Maschinentechnik, sind es gleich fünf sehr bodenständige Unternehmer, die sich hier etabliert haben.
Torsten Müller, der den Fünf-Mann-Betrieb „Sandstrahlerei – Glasperlenstrahlen“ leitet, kommt aus Hohenmocker. „Ich habe jahrelange Erfahrung in Großbetrieben gesammelt“, erzählt der 42-Jährige. In der ehemaligen DDR-Getreidewirtschaftshalle gleich neben dem Bahnhof eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau im August 2006 den Betrieb. „Man kann alles mit Sandstrahlen reinigen – ob es ein rostiges Fahrrad aus Omas Zeiten ist oder ein Pflug – nach der Behandlung bei uns sind Rost und Farbschichten verschwunden, es ist metallisch rein.“ Jens Diesing und Marco Damitz haben gerade die Räder eines alten Bauwagens landfein gemacht, während Torsten Müller mit einem Angestellten auf Usedom unterwegs ist: der Peenemünder Leuchtturm bekommt durch die beiden ebenfalls eine Sandstrahlen-Schönheitskur.
Als der Sternfelder Klaus Tietböhl (64) noch gearbeitet hat, musste er nicht weit fahren. Die „Nordkartoffel“ in Strehlow war gleich hinter den Bahnschienen: „Zwei Minuten bis dorthin!“ Inzwischen hat er es noch dichter: Der große Garten und die Kaninchenställe liegen rund um sein Haus. „Unkraut hat bei mir im Garten keine Chance!“ Dafür sind schon jede Menge grüne Tomaten an den Pflanzen. Klaus Tietböhl züchtet außerdem Kaninchen. Sein Neuseeländer-Bock hat gerade wieder ordentlich für Nachwuchs gesorgt. „Heute früh war ich schon mit dem Fahrrad unterwegs und habe Heu für die Kaninchen gewendet“, erzählt er. Immer hat er in Sternfeld gewohnt, und er möchte auch nicht weg. „Inzwischen überwiegt allerdings die ältere Generation hier!“, sagt Tietböhl.
Das bestätigt Gerhard Flatau ein paar Häuser weiter. Der 56-Jährige zählt sich auch zu den „70 bis 80 Prozent Älteren“ im Dorf. Und er hadert mit sich und seiner Gesundheit: „Innerhalb von sechs Jahren hatte ich zwei Sterbefälle in meiner Familie, und meine Gesundheit ist auch nicht mehr so“ meint er. Bis zur Wende habe er auch in der „Nordkartoffel“ gearbeitet, privat außerdem viel Holz gemacht. Jetzt spüre er jeden Knochen und das Arbeitslosen- beziehungsweise ab und zu Ein-Euro-Job-Geld reiche gerade so fürs Leben. „Ich will nach Demmin ziehen und mein Haus hier unbedingt verkaufen, aber selbst 45 000 Euro waren den Interessenten aus Stuttgart und Bremen zu viel.“ Was ihn derzeit noch aufmuntere, sei der Fußball, erzählt der Dresden- und Dortmund-Fan. „Mit dem Fußball im Nordosten ist es ja leider nicht doll, wenn ich an den letzten Hansa-Auftritt denke ...“ Und der Zusammenhalt im Dorf sei wichtig für ihn. „Mein Nachbar Hans Jäger trägt die Zeitung aus, da werde ich dann am Mittwoch gleich zum Lesen hingehen!“ Und seiner Nachbarin gegenüber, die aus Bayern hergezogen sei, helfe er ab und zu. Zum Beispiel, wenn Heuballen für ihre vier Pferde in den Stall gerollt werden müssen.
Ein paar mehr Pferde haben Rocco Henning und seine Crew am anderen Ende des Dorfes in der Hengststation jeden Tag zu versorgen. Auch Rocco und seine beiden Brüder sind in Sternfeld aufgewachsen. „So lange ich denken kann, wohnen die meisten Sternfelder schon hier“, sagt er. René Henning und sein Vater Christian führen den Landwirtschaftsbetrieb, Rocco und seine Frau Caroline bauten vor zwölf Jahren die Hengststation auf. „Unsere Kinder reiten inzwischen auch.“ Vielleicht bleiben sie ja Sternfeld treu? Wer weiß?

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red-demmin@nordkurier.de

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