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Mieter fürchten Verkauf

VonJana Otto

Die Wohnungen im Törpiner Wohnblock sind alles andere als ansehnlich. Doch die Mieter haben sich arrangiert. Jetzt soll das Haus versteigert werden.

Törpin.Vor fünf Jahren wurde Heidemarie Holl bereits „zwangsumgesiedelt“ und die Törpinerin befürchtet, dass erneut ein Umzug auf sie zukommen könnte. Denn die Gemeinde Sarow möchte sich von dem Wohnblock, in dem die 72-Jährige wohnt, trennen. Törpin 48 soll unter den Hammer kommen. „Ich will nicht noch einmal umziehen“, sagt Heidemarie Holl. Noch gut ist ihr der Stress von vor fünf Jahren im Gedächtnis.
Damals musste sie aus einem Neubau in dem Dorf ausziehen, weil dieser anschließend abgerissen wurde. Heidemarie Holl war zu dieser Zeit über Jahre die einzige Mieterin in dem großen, grauen Klotz. Die Gemeinde habe ihr damals zugesichert, dass sie die Fenster in ihrer jetzigen Wohnung noch vor dem Umzug austausche. „Doch bis heute ist nichts passiert“, ist die Rentnerin enttäuscht und zeigt auf die alten, doppelten Holzfenster. Zwischen den Scheiben haben unzählige Insekten ihre letzte Ruhestätte gefunden. „Das ist eklig. Und ich komme da nicht ran zum saubermachen“, schildert Heidemarie Holl. Überhaupt lasse der Zustand der Wohnungen zu wünschen übrig. Alle Räume werden mit Öfen geheizt. „Weil die Fenster aber undicht sind, muss ich Unmengen Kohlen kaufen.“
Trotz dieser Missstände will Heidemarie Holl unter gar keinen Umständen ausziehen. Sie hat sich – genau wie ihre Nachbarn – mit der Situation arrangiert. Laut Wohnungsverwalter sei der Wohnblock der einzige in der Gemeinde, der schwarze Zahlen schreibe. Doch der Sanierungsbedarf ist so hoch, dass die Gemeinde Sarow sich nicht in der Lage sieht, die Kosten dafür aus eigener Kraft aufzubringen. Deshalb beschlossen die Gemeindevertreter auf ihrer jüngsten Sitzung, für den Törpiner Wohnblock und zwei weitere, kleinere Blöcke in Sarow einen neuen Besitzer zu suchen.
Leicht haben sich die Abgeordneten diese Entscheidung nicht gemacht. Eigentlich wollten sie in diesem Jahr zumindest die Wetterseite des Törpiner Blocks mit neuen Fenstern ausstatten. Doch dann kam ihnen die Kläranlage ins Gehege, die den Erfordernissen nicht mehr entspreche und nun dringend erneuert werden muss. „Das eingeplante Geld reicht nicht dafür und ich fürchte, es kommt immer mehr dazu“, meinte Sarows Bürgermeister Friedhelm Wyrwich. Er sprach sich nach reiflicher Überlegung deshalb dafür aus, den Block zum Verkauf anzubieten. Ähnlich sahen das auch seine Mitstreiter. „Wir würden jetzt viel Geld für eine große Klärgrube ausgeben und irgendwann fällt dann das Dach zusammen“, meinte Ingelore Kurth. Sie fügte hinzu, dass gerade ältere Menschen heute längst nicht mehr da bleiben wollten, wo sie schon immer zu Hause waren. Und wenn, dann gebe es im sanierten Sarower Neubau Wohnungen, die Interessenten angeboten werden könnten. Schließlich entschieden sich die Gemeindevertreter dafür, die drei Wohnblöcke bei einer Versteigerung anzubieten. Denn für einen Verkauf müsste ein Wertgutachten vorliegen, was wiederum Geld kosten würde.
Heidemarie Holl und die anderen Mieter der Häuser brauchen erst einmal nicht zu befürchten, dass sie aus ihren Wohnungen raus müssen. Denn selbst wenn die Blöcke einen neuen Besitzer hätten, haben die Mieter zumindest in der ersten Zeit ein Recht, wohnenzubleiben. Nichtsdestotrotz fürchtet die 72-Jährige einen Eigentümerwechsel, der irgendwann wahrscheinlich doch einen Umzug nach sich ziehen würde. „Ich will hier aber nicht weg“, sagt sie entschieden.

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