Februar 23, 2012
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Tiere von Kirsten Gehrke

Mit „Casaretto“ hat in Sternfeld alles einmal begonnen

Ein Hengst wird an seinen Nachkommen gemessen. Das Quartett, das am Sonntag in Altentreptow vorgestellt wird, bringt edles Erbgut mit.

Rocco Henning legt dem Westfälischen Hengst Lycon die Trense an, bevor er ihn nach draußen führt Am Sonntag soll der Braune in einer Hengstpräsentation in Altentreptow Züchtern vorgestellt werden. [RS_CREDIT] FOTO: Kirsten Gehrke
Rocco Henning legt dem Westfälischen Hengst Lycon die Trense an, bevor er ihn nach draußen führt Am Sonntag soll der Braune in einer Hengstpräsentation in Altentreptow Züchtern vorgestellt werden. [RS_CREDIT] FOTO: Kirsten Gehrke
Sternfeld (nk)  

Casaretto muss nicht mehr üben. Der weiß, wie er gehen muss, um Eindruck zu schinden. Bei Diamiro ist das anders. Der Dreijährige braucht noch eine Trainingseinheit im Freispringen und an der Hand. „Die Halle ist fremd, die muss er erst kennenlernen“, erklärt Rocco Henning. Am Sonntag in Altentreptow soll sich der junge Oldenburger schließlich von seiner schönsten Seite zeigen. Genau wie Lycon, ein vierjähriger Westfale, und Dominion, ein achtjähriger Mecklenburger. Die edlen vier Hengste will Rocco Henning in diesem Jahr Pferdezüchtern präsentieren. Denn im April beginnt die neue Zuchtsaison, da sollen die „Männer“ jetzt die Stuten-Besitzer imponieren, in der Hoffnung, dass diese ihre Tiere zum Decken nach Sternfeld bringen.


Mit dem Holsteiner Casaretto hat alles im Jahr 2002 einmal angefangen. Heute ist das 23-jährige Pferd der Senior, aber immer noch fit. Wie gut ein Hengst ist, werde immer an seinen Nachkommen gemessen. Der schwarzbraune Casaretto sei sehr wesens- und nervenstark, artig und vorteilhaft. „Er ist korrekt im Fundament“, sagt Henning. Damit meint er Gang und Gliedmaßenstellung. Seine Nachkommen seien für Dressur, Springen oder Fahrsport geeignet. Damit sei Casaretto ein recht vielseitiger Vererber. Bis zum Lebensende könnte er das bleiben. „Hengste sind potent bis zum Schluss, von Natur aus.“


Seit Januar betreibt Rocco Henning die Hengststation selbstständig, ist nicht mehr im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb angestellt. Irgendwann soll er den Hof übernehmen, mit der Pferdezucht kann er als eigener Herr jetzt schon mal in der Chefetage üben. „Mein Vater wollte die Verantwortung nicht mehr haben“, erklärt der 38-Jährige. Er will sich der neuen Position stellen, obwohl das Geschäft immer schwieriger wird.


Für ihn gibt es dennoch nichts Schöneres als Pferde. Daran ist sein Opa Fritz Salow Schuld, ein Urgestein der Pferdezucht. „Der hat mich immer überall mitgenommen, zu Fohlenschauen und so, von dem habe ich das eingeimpft bekommen“, meint Rocco Henning und lacht. In Leistenow habe er als Kind auch mal voltigiert bei Traktor Utzedel. „Und zu Hause hatte ich früher ein Pony.“ Aus der Zucht seines Opas hat er heute noch Nachkommen im Stall zu stehen, inzwischen die sechste Generation. Die hieß früher zu DDR-Zeiten nur edles Warmblut, war aber auf Mecklenburger Basis.


Nach dem Abitur studierte Rocco Henning an der Hochschule Neubrandenburg und wurde Agraringenieur, schrieb sein Diplom über die Pferdezucht. In Münster machte er während der Studienzeit sein Praktikum, kam so zum Westfälischen Verband. Die Verbindung riss nie ab, so hat er von dort auch 2002 Casaretto angeboten bekommen, zunächst in Pacht. Inzwischen ist der Schwarzbraune sein eigener. Erst war es der eine Hengst in der Station, dann waren es zwei, dann drei und jetzt vier. Drei seien gepachtet, das heißt, dass er die Pferde für die Besitzer anreitet, fit hält und trainiert.


Erfolg erleichtert den Verkauf der Nachkommen


So gehört Diamiro zum Beispiel dem erfolgreichen Springreiter André Thieme. Der will das Pferd später für Turniere dann nutzen. „Ich brauche die Hengste jung, die Besitzer, wenn sie älter sind“, sagt Henning. Sind die Hengste im Turniersport erfolgreich, verkaufen sich die Nachkommen gut. Lycon zum Beispiel, der dem Springreiter René Tebbel gehört, besitze gleichermaßen Adel, Rittigkeit und nahezu grenzenloses Springvermögen. Der Westfälische Braune hat es Henning angetan. Ob beim täglichen Striegeln oder Schweifverlesen - Haar für Haar richten -, der 4-jährige Lycon hält still, lässt sich auch ohne Mucks die Hufe mit Fett aus Lorbeerextrakt einstreichen.


Rocco Henning kümmert sich gern um die Hengste, und nicht nur um sie. Im Moment sorgt er für circa 50 Pferde - vom Holsteiner, Hannoveraner bis Oldenburger und Mecklenburger. Aus Tutow, Wildberg, Neubrandenburg vertrauen ihm Besitzer ihre Tiere an. Er zieht sogar Fohlen aus Rügen und Berlin auf.
Ausbildung, Aufzucht und Pensionspferde gehören zu seinem Geschäftsfeld, sagt er. Ab 1. März fängt zudem Reitlehrer Torsten Schiwy bei ihm an und bietet dann Reitunterricht an.


Doch in diesen Tagen wartet Rocco Henning auf Nachwuchs. Zwei Stuten befinden sich im „Kreißsaal“, sagt er. Nachts schläft er sicherheitshalber schon im Büro im Stall, um die Geburt nicht zu verpassen. Denn in den nächsten 14 Tagen oder drei Wochen müssten die Fohlen auf die Welt kommen, nach elf Monaten Tragezeit. Für fünf bis sechs Monate bleiben die Kleinen dann mit der Mutter in der Laufbox. „Das ist die schönste Zeit“, meint Henning.

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