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Mit Schweiß und Kunst engagiert für Demokratie

Was ist Juggern? Das konnten Interessierte am Aktionstag einmal selbst ausprobieren. Den Kindern hat es gefallen. [KT_CREDIT] FOTO:Jana Otto
Was ist Juggern? Das konnten Interessierte am Aktionstag einmal selbst ausprobieren. Den Kindern hat es gefallen. [KT_CREDIT] FOTO:Jana Otto

VonJana Otto

Wie Juggern helfen kann, Toleranz und Teamgeist zu fördern, konnten Interessierte hautnah erleben. Ein Aktionstag, der deutliche Zeichen gegen rechts setzte.

Demmin.Hannes und Sten haben richtig Spaß. Kaum haben sie die gepolsterten Stangen in der Hand, geht es auch schon los. Viel brauchte ihnen Lea Sommer nicht zu erklären, denn die Regeln fürs Juggern sind einfach. „Das ist cool, weil man sich nicht so weh tut“, meint Hannes etwas aus der Puste. So wie die beiden 12-Jährigen blieben etliche Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene gegenüber des Demminer Luisentores stehen und nutzten das Angebot, sich im Juggern auszuprobieren. Damit beteiligten sich die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Arbeit und Leben M-V und der Verein I.G.E.L. am bundesweiten Aktionstag „Wir setzen ein Zeichen gegen rechts“ der Initiative „Wir für Demokratie“.
Was auf den ersten Blick wie eine reine Freizeitbeschäftigung anmutet, erweist sich bei genauerem Hinschauen als viel mehr. „Jugger fördert die Fairness und die Selbstkontrolle“, erläutert Roland Gorsleben. Die Spieler lernten in diesem Mannschaftsspiel, sich selbst und die Partner genau zu beobachten. Juggern sei strikt demokratisch organisiert, sagt Roland Gorsleben. Anders als in vielen Mannschaftssportarten gebe es beim Juggern oft uneindeutige Situationen, die die Mitspieler regeln müssten. Gorsleben setzt sich dafür ein, dass diese Trendsportart in der Demminer Region bekannter wird, eben weil sie das Potenzial hat, soziale Kompetenzen zu fördern.
Dass dieser Aktionstag in dieser Form in Demmin stattfinden konnte, kam nicht von ungefähr. „Oft finden solche Aktionstage in größeren Städten statt, doch auch hier gibt es rechtsextreme Strukturen, denen es zu begegnen gilt“, sagte Björn Kluger von der LAG Arbeit und Leben M-V. Deshalb ging es den Initiatoren nicht nur darum, Alternativen aufzuzeigen, sondern auch mit Lehrern und Sozialarbeitern ins Gespräch zu kommen. So nutzte beispielsweise Ernst Rose das Angebot. Er arbeitet als Sozialpädagoge beim Kinder- und Jugendhilfeverband im Gutshaus Kützer Hof in Dargun. Rose kennt den Trendsport und ist ganz begeistert von dem, was das Juggern seinen Schützlingen bietet. „Er fordert und fördert. Das Spiel macht eben dann erst richtig Spaß, wenn man sich an Regeln hält“, meint Ernst Rose.
Zwar ohne sportliche Betätigung, dafür aber mit dem Schwerpunkt auf der Kunst fand am Abend dieses Aktionstages eine Podiumsdiskussion im Lübecker Speicher statt, wo gerade die Ausstellung „Art der Provinz“ gezeigt wird. Im Zentrum der Diskussion, an der sich auch die Künstler beteiligten, stand die Frage, welche Rolle die Demokratie im Kunstschaffen spielt und wie junge Menschen über die Kunst mit den Vor- und Nachteilen der Demokratie vertraut gemacht werden können. In kleiner Runde gingen die Interessierten diesen Aspekten nach. „Auch wenn es abschließend keine klaren Antworten gibt, war die Diskussion darüber für alle Beteiligten bereichernd“, sagte Clemens.

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j.otto@nordkurier.de

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