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„Möchte gar nicht woanders hin“

VonKirsten Gehrke

Von der Stadt zurück aufs Land? Für Medrow scheint das zuzutreffen. Viele junge Familien kaufen sich Häuser und bauen sie aus.

Medrow.Die kleine Hanna blinzelt in der Frühlingssonne. Zufrieden liegt sie in ihrem Kinderwagen und spitzt die Ohren. Die Vögel zwitschern, Mädchen turnen auf dem Klettergerüst des Spielplatzes, Jungs spielen Fußball oder Fangen. Sie albern, necken sich, schubsen sich gegenseitig auf der Schaukel an. Bald wird Hanna auch mittendrin sein.
Die Kleine ist die jüngste Medrowerin, am 30. Dezember 2012 geboren. Isabel Steinmeyer (34) glaubt, dass ihre Tochter im Dorf gut aufwachsen kann. „Es ist schöner als in der Stadt“, meint die junge Mutter. Sie selbst ist in Medrow groß geworden. Zwischenzeitlich hatte es sie 13 Jahre nach Hamburg verschlagen, aber die gelernte Krankenschwester wollte wieder zurück. Als es mit dem Job in Demmin geklappt hat, kam die junge Familie 2009 „nach Hause“. Das Dorfleben findet sie gut. „Ich möchte gar nicht woanders hin“, sagt sie. „Viele junge Familien sind zugezogen und haben Häuser saniert.“
Tino Stambusch (33) hat etwa 15 junge Familien im Ort gezählt. Während woanders die Leute aus den Dörfern eher in die Stadt wollen, scheint es in Medrow genau umgekehrt zu sein. 194 Einwohner zählt der Ortsteil der Gemeinde Nossendorf und hat fast schon wieder so viele Bürger wie 2001. Damals lebten 215 Menschen hier. Heute gibt es auffällig viele Kinder im Dorf. Sobald die ersten Sonnenstrahlen scheinen, ist der neue Spielplatz voll. 22 Mädchen und Jungen bis 14 Jahre zählt Medrow heute. Tino Stambusch findet diese Entwicklung super. Das Dorf wirkt gleich viel jünger.
Der Landmaschinenmechaniker hatte Glück, dass er und seine Frau Antje in der Region Arbeit fanden. So konnte er in seinem Heimatdorf bleiben. Die Familie kaufte sich ein altes Haus und sanierte es. Nele (4) und Ole (1) komplettieren ihr Glück. Sie fühlen sich wohl hier. Wilfried Fischer (68) kann das verstehen. Er ist in Medrow geboren. Auch ihn zog es zurück. 20 Jahre war er in Schwerin, kam 1997 wieder ins Dorf, als die Eltern gestorben waren. In der Landeshauptstadt hatte er zwar eine schöne Arbeit gehabt, wie er sagt, aber er ist trotzdem in Medrow geblieben. „Bereut habe ich es nicht.“ Wohl fühlt sich auch der 40-jährige Reiner Hoffmann. „Es ist ruhig hier, wir haben uns ein Haus gebaut, sind aus Demmin weg“, erzählt er. Max (9) und Lilli (6) finden es hier auch ganz toll. Susanne Schröder (42) lebt seit neun Jahren in Medrow, kam einst der Liebe wegen. Wenn sie mit Max (4) auf den Spielplatz geht, trifft sie immer andere junge Eltern hier. Das ist das Schöne. Der Tummelplatz der Kleinen ist ein Treffpunkt für sie, vor allem in der warmen Jahreszeit. Die Leute verstehen sich hier gut. Sie sind ein geselliges Volk.
Und warum finden es die Kinder so toll in Medrow? Cynthia (10) nennt es cool. „Hier hat man ganz viele Freunde“, meint sie. Das schätzen auch Alina (7) und Noelle (11). Lena (6) aus Demmin kommt gern nach Medrow. „Hier kann man draußen spielen“, sagt sie. In der Stadt dürfe sie nicht allein raus. Man kann eine Menge machen hier. Eileen (15) tanzt, singt und malt gern. Shireen (10) lernt im Posaunenchor Trompete. Und welches Kind ströpert nicht gern?

Kontakt zur Autorin
k.gehrke@nordkurier.de

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